Diplomarbeit, 2004
114 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die Ereignisse von Osch
2.1 Einführung in die Erzählungen
2.2 Presseschau
2.3 Erzählung I
2.4 Erzählung II
2.5 Erzählung III
2.6 Zusammenfassung
3. Die Ereignisse von Aksy
4. Zur Dynamik von Konflikten in Kirgistan
Diese Arbeit untersucht die Dynamik von Konflikten in der postsowjetischen Peripherie am Beispiel Kirgistans. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, warum entgegen zahlreicher Konfliktindikatoren – wie schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, ethnischen Spannungen und korrupten staatlichen Strukturen – eine relative Stabilität herrscht und warum Konflikte unterschiedlich eskalieren. Die Arbeit stellt die These auf, dass nicht strukturelle Faktoren, sondern eigennutzorientierte Machtstrategien der herrschenden Eliten entscheidend für den Ausbruch oder das Ausbleiben von Gewalt sind.
Die Vorgeschichte
Die direkte Vorgeschichte des Zusammenstoßes auf dem Feld der Lenin- Kolchose beginnt am 27. Mai 1990. An diesem Tag hatten sich bis zu 5 000 Kirgisen auf dem Gelände der Mittelschule Nr. 38 der Stadt Osch eingefunden, um ihren Forderungen nach Bauland Nachdruck zu verleihen. Die gesprächsbereite Gebietsführung, namentlich der 1. Sekretär des Gebietsexekutivkomitees Bekbolutov, gab sich nach langen Diskussionen geschlagen. Sie verkündete, dass ungefähr 30 ha Land der Lenin- Kolchose zur Bebauung freigegeben würden. Die siegreichen Kirgisen zogen daraufhin auf das entsprechende Feld der Kolchose und nahmen es rituell in Besitz, wobei sie sich schworen nicht mehr von dem einmal in Beschlag genommenen Stück Land zu weichen. Gegen diese Entwicklungen setzten sich die größtenteils usbekischen Beschäftigten der Lenin- Kolchose zur Wehr und opponierten zusammen mit anderen Usbeken aus Osch und Umgebung gegen diese Entscheidung der Gebietsführung und verlangten ihre Aufhebung.
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Befürchtungen hinsichtlich eines Abrutschens Zentralasiens in Gewaltkonflikte und stellt die zentrale These der Arbeit auf, wonach das Handeln der Eliten entscheidender ist als strukturelle Faktoren.
2. Die Ereignisse von Osch: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert den gewaltsamen Konflikt von 1990 in Osch durch drei verschiedene Erzählungen, die jeweils unterschiedliche Perspektiven und Faktoren beleuchten.
3. Die Ereignisse von Aksy: Das Kapitel untersucht den Konflikt von 2002 als Fallstudie für das Ausbleiben einer großflächigen Eskalation unter geänderten politischen Bedingungen.
4. Zur Dynamik von Konflikten in Kirgistan: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse der Fallstudien und verknüpft sie mit theoretischen Ansätzen zu "Leninist Legacies" und der Funktionsweise von Macht in der postsowjetischen Peripherie.
Kirgistan, Osch, Aksy, Konfliktursachenforschung, Ethnizität, Machtstrategien, Elite, postsowjetische Peripherie, Transformationsforschung, Gewaltmarkt, Kommandostaat, Nationalismus, Ressourcenkonflikt, Elitenakteure, Machtsicherung.
Die Arbeit analysiert die Dynamik und Ursachen von Gewaltkonflikten in Kirgistan unter Berücksichtigung der komplexen politischen Transformation nach dem Ende der Sowjetunion.
Die zentralen Themen sind Konfliktursachenforschung, die Rolle ethnischer Identitäten in der Politik, Strategien zur Machtsicherung durch Eliten und die Analyse des "sowjetischen Erbes" in staatlichen Institutionen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass eigennutzorientierte Machtstrategien der Eliten – und nicht primär soziostrukturelle oder kulturelle Faktoren – ausschlaggebend für das Entstehen oder Unterdrücken von Gewaltkonflikten sind.
Der Autor führt zwei Fallstudien (Osch 1990 und Aksy 2002) durch und nutzt dabei einen "Perspektivenwechsel", bei dem verschiedene Zeitpunkte und Faktenkategorien analysiert werden, um die Konstruktion von Konflikt-Erzählungen zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Osch-Ereignisse durch drei Erzählkonstruktionen, gefolgt von einer Untersuchung der Aksy-Ereignisse und deren politischen Folgen für das Regime Akajev.
Neben geografischen Begriffen wie Osch und Aksy stehen Begriffe wie Elitenakteure, Gewaltmarkt, Kommandostaat und Machtstrategien im Mittelpunkt.
Der Autor argumentiert, dass der Kampf um den Zugang zu neuen Ressourcen, insbesondere der Opium- und Heroinhandel, als bedeutender Faktor für Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen in der Region Osch gedient hat.
Während die Machthaber in Osch 1990 den Konflikt teilweise initiierten oder schürten, setzten sie bei den Ereignissen von Aksy 2002 auf eine Strategie der Deeskalation und der Inszenierung von Politik, um ihre Macht trotz zunehmender Proteste zu stabilisieren.
Der Autor nutzt das Modell des "Kommandostaats" von Georg Elwert, um die Funktionsweise des Regimes unter Askar Akajev zu analysieren.
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