Bachelorarbeit, 2022
84 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
1 Einleitung
2 Pornografie
2.1 Definitionsversuche
2.2 Frühere Entstehungsgeschichte
2.3 Mainstream-Pornos und Internet
2.3.1 Hardcore / Softcore
2.3.2 Frauenbild / Gewalt
2.4 Arbeitsbedingungen
2.4.1 Bezahlung
2.4.2 Karrieredauer
2.4.3 Rechtsverletzungen
2.4.4 Urheber:innenrecht
2.5 Alternativen
2.5.1 Feministisch-Ethisch
2.5.2 Amateur-Porn
3 OnlyFans
3.1 Entstehungsgeschichte von OnlyFans
3.2 OnlyFans-Nutzungsbedingungen
3.2.1 Monetarisierung
3.2.2 Zahlungen
3.2.3 Creator und Agentur
3.2.4 Altersverifikation
3.3 „Intimfluencer“
3.4 Kritik
3.4.1 Leaks
3.4.2 Ausstieg
3.4.3 Altersbeschränkungen
3.4.4 Willkürliche Löschungen
3.5 Der Porno-Bann auf OnlyFans
4 Qualitative Forschung
4.1 Ziel
4.2 Vorteile
4.3 Gütekriterien
4.4 Triangulation
4.5 Ethische Aspekte
4.5.1 Prinzip der informierten Einwilligung
4.5.2 Prinzip der Nicht-Schädigung
5 Forschungsdesign
5.1 Forschungsleitende Fragestellung
5.2 Feldzugang
5.3 Sampling
5.4 Basisdesign
5.5 Analyse Entstehungssituation
5.6 Prinzip der Offenheit
5.7 Formale Charakteristika des Materials
5.8 Qualitative Inhaltsanalyse
5.9 Fallzusammenfassungen
6 Falldarstellungen
6.1 OnlyFans-Darstellerin 1: Anni
6.1.1 Motivation
6.1.2 Selbstbestimmung
6.1.3 Kund:innenkontakt
6.2 OnlyFans-Darstellerin 2: Becky
6.2.1 Motivation
6.2.2 Selbstbestimmung
6.2.3 Kund:innenkontakt
6.2.4 Reaktionen des Umfeldes
6.3 OnlyFans-Darstellerin 3: Carina
6.3.1 Motivation
6.3.2 Selbstbestimmung
6.3.3 Kund:innenkontakt
7 Auswertung
7.1 Motivation
7.1.1 Selbstwerterhöhung
7.1.2 Erotisches Erleben
7.1.3 Finanzielle Motivation
7.1.4 Weitere mögliche Motivationsebenen
7.2 Selbstbestimmung
7.3 Stigmatisierung, Hass und Belästigung
7.3.1 Hasskommentare und Diskriminierung im Internet
7.3.2 Generelle Stellung von Sexarbeit in Gesellschaft
7.4 Belästigungserfahrungen
7.5 Zwischenfazit
8 Zum Feminismus und Zwang
9 Fazit
Die Bachelorarbeit untersucht die Plattform OnlyFans als neues Segment der Porno-Industrie und analysiert die Arbeitsmotive sowie das Autonomie-Empfinden von Content-Creatorinnen. Basierend auf qualitativen Experteninterviews wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Arbeit auf OnlyFans als emanzipatorischer Gegenentwurf zur Mainstream-Pornografie betrachtet werden kann und welche Rolle Zwang und Stigmatisierung dabei spielen.
2. PORNOGRAFIE
Dieses Kapitel gibt Definitionsversuche von Pornografie und beschreibt den Entstehungshintergrund aktueller Bewegungen in der jüngsten Vergangenheit. Ebenfalls werden Problemlagen innerhalb der Branche beschrieben.
2.1 Definitionsversuche
Bei den Worten „Porno“ oder „Pornografie“ kommen jeder Person sicherlich direkt Bilder und vielfältige diverse Assoziationen in den Kopf. Es existiert keine einheitliche anerkannte Definition von Pornografie, vielmehr bieten diverse Personen- und Berufsgruppen ihre eigenen Definitionen an. Dominant finden sich hier die Stimmen einer gesetzesgebenden Instanz (der Bundesgerichtshof), Medien- und Sexualforschern, sowie die Definition einer Pädagogin wieder.
Die Definition durch den Bundesgerichtshof (BGH) bestimmt eine Darstellung als pornografisch wenn sie folgende Kriterien enthält:
1. sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise im Vordergrund (unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge)
2. ausschließliche oder überwiegende Tendenz auf die Abzielung des triebhaften Interesses der Rezipient:innen an sexuellen Dingen (1 StR 485/13 - Urteil vom 11. Februar 2014)
Die Pädagogin und Expertin für Sexualerziehung, Prof. Dr. Karla Etschenberg, fügt einen weiteren, auf das Ziel fokussierten, Punkt hinzu:
3. Zweck der sexuellen Stimulation der Kosument:innen: Anregung zum Mit- und Nachmachen (im parner:innenschaftlichen Kontext) oder Stimmungsaufbau bei der Selbstbefriedigung (vgl. Etschenberg 2019: 149).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, skizziert die Dominanz ökonomischer Interessen in der Mainstream-Pornoindustrie und stellt OnlyFans als neuartiges, potenziell autonomeres Gegenbeispiel dar.
2 Pornografie: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage zu Definitionen von Pornografie, ihrer Entstehungsgeschichte sowie den prekären Arbeitsbedingungen und Machtstrukturen in der konventionellen Branche.
3 OnlyFans: Der Abschnitt detailliert die Entstehungsgeschichte, das Geschäftsmodell, die Monetarisierung und die spezifischen Kritikpunkte der Plattform OnlyFans sowie deren Rolle in der sogenannten „Intimfluencer“-Ökonomie.
4 Qualitative Forschung: Das Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen der gewählten qualitativen Forschung und definiert Gütekriterien wie Triangulation und ethische Standards für die Untersuchung sensibler Daten.
5 Forschungsdesign: Hier werden die konkrete forschungsleitende Fragestellung, das methodische Vorgehen beim Sampling und die Durchführung der Analyse der Interviews im Forschungsprozess dargelegt.
6 Falldarstellungen: Dieser Teil präsentiert die anonymisierten und strukturierten Ergebnisse der geführten Interviews mit drei ausgewählten OnlyFans-Darstellerinnen in Bezug auf ihre individuellen Motivationen und Erfahrungen.
7 Auswertung: Die Auswertung vergleicht die Erkenntnisse aus den Interviews hinsichtlich Motivation, Selbstbestimmung und Stigmatisierungserfahrungen und ordnet diese in den Kontext der bestehenden Forschung ein.
8 Zum Feminismus und Zwang: Das Kapitel reflektiert die erhobenen Daten vor dem Hintergrund feministischer Diskurse und analysiert das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Zwang und individueller Autonomie.
9 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bewertet OnlyFans als neue Sparte, betont die positiven Aspekte für die Darstellerinnen und identifiziert den fortbestehenden Handlungsbedarf hinsichtlich Schutz und gesellschaftlicher Anerkennung von Sexarbeit.
OnlyFans, Pornografie, Sexarbeit, Empowerment, Selbstbestimmung, digitale Arbeit, Stigmatisierung, Content-Creator, Feminismus, Arbeitsbedingungen, qualitative Forschung, Intimfluencer, Mainstream-Pornografie, Autonomie, Internet
Die Arbeit untersucht die Plattform OnlyFans als moderne Form der Sexarbeit und analysiert, inwieweit sie sich von der klassischen Mainstream-Pornografie unterscheidet und welche Rolle sie für die Autonomie der Content-Creatorinnen spielt.
Zu den zentralen Themen gehören die Definitionen und Geschichte der Pornografie, die Arbeitsbedingungen und Machtstrukturen in der Branche, die Funktionsweise von OnlyFans als Geschäftsmodell sowie die Aspekte Stigmatisierung und feministische Perspektiven auf Sexarbeit.
Ziel ist es zu ergründen, welche Motivationen junge Frauen dazu bewegen, auf OnlyFans tätig zu sein, und in welchem Maße sie ihre Arbeit dabei als selbstbestimmt wahrnehmen.
Die Autorin wendet eine qualitative Forschungsmethodik an, die insbesondere auf Experteninterviews basiert, welche mittels einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Pornografie-Branche, eine detaillierte Funktionsanalyse der OnlyFans-Plattform sowie eine empirische Untersuchung anhand von drei detaillierten Fallbeispielen von Darstellerinnen.
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie OnlyFans, Selbstbestimmung, Empowerment, Stigmatisierung, digitale Sexarbeit und feministische Diskurse geprägt.
Die Interviewten betonen vor allem die höhere Kontrolle über die Inhalte, die flexible Zeiteinteilung und die direkte Kommunikation mit den Kund:innen, was zu einer wahrgenommenen höheren Autonomie im Vergleich zur konventionellen Industrieproduktion führt.
Stigmatisierung stellt einen wesentlichen Belastungsfaktor dar, der sich sowohl in Hasskommentaren im Internet als auch in einer generellen gesellschaftlichen Abwertung der Sexarbeit äußert, was die Darstellerinnen in ein Spannungsfeld zwischen privater Autonomie und öffentlicher Scham zwingt.
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