Masterarbeit, 2020
139 Seiten, Note: 1,0
1) Einleitung
2) Methodisches Vorgehen
2.1) Methodik
2.2) Quellenkorpus
3) Geschichte der Beziehung zwischen Afrika und Europa
3.1) Antike
3.2) Früh- und Hochmittelalter
3.3) Nach den Kreuzzügen
4) Weltbilder im Spätmittelalter
4.1) Entstehung eines Weltbildes
4.2) Das Afrikabild im Spätmittelalter
5) Vorstellungen und Wissen der latein-christlichen Europäer über Afrika im Spätmittelalter
5.1) Geographische Vorstellungen
5.1.1) Aethiopia und Nubien
5.1.2) Der Nil
5.1.3) Die Mondberge
5.1.4) Das Klima
5.2) Adaption antiker Motive
5.2.1) Wundervölker und ‚Fabelrassen‘
5.2.2) Wundersame Tiere
5.2.3) Region der Antipoden
5.3) Biblische Elemente in der Rezeption Afrikas
5.3.1) Trias der Erdteilung an die Söhne Noahs
5.3.2) Suche nach dem irdischen Paradies: hortus delicarum
5.3.3) Die Heiligen Drei Könige
5.4) Ethnologische Motive
5.4.1) Die dunkle Hautfarbe
5.4.2) Eingebranntes Kreuz auf der Stirn
5.4.3) Grad der Zivilisierung der Fremden
5.5) Der Mythos des Priesterkönigs Johannes
6) Fazit
7) Ausblick
8) Quellenkorpus – Tabellarische Übersicht
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung und das Afrikabild des latein-christlichen Europas im Spätmittelalter. Ziel ist es, die eurozentrischen Narrative und mythologischen Vorstellungen, die Afrika als fernen, exotischen Ort konstruierten, mittels einer imagologischen Quellenanalyse zu dekonstruieren und in den Kontext der globalen Vernetzung dieser Zeit zu setzen.
1) Einleitung
„Of India Tertia [Africa] I will say this, that I have not indeed seen its many marvels, not having been there, but have heard them from trustworthy persons.“ Jordanus de Séverac beschreibt in diesem Ausschnitt seines Werkes Mirabilia descripta (ca. 1330), was er über Afrika zu wissen glaubt. Er präsentiert also, in dem er über Afrika berichtet, welches Afrikabild er hat. Er fasst zudem in seinem Zitat sehr gut das Problem der damaligen Beschreibung Afrikas im Spätmittelalter zusammen.
So steht Afrika vor allem für ein Region, bei der man wilde Phantasien imaginiert, um das fehlende Wissen auszugleichen. Das verdeutlicht vor allem die Aussage: „I have not indeed seen its many marvels.“ So war man sich zu der Zeit relativ einig, dass dort vor allem monströse und wunderliche Wesen und Tiere leben. Im nächsten Teilsatz führt Jordanus eine weitere Schwierigkeit an, die viele der Autoren des Spätmittelalters hatten: Die meisten von ihnen, die über diese fremde Region berichteten, waren selbst nie dort gewesen und beriefen sich nicht auf eigene Erfahrung, sondern u. a. auf die Berichte anderer, auf antike Autoren, mündliche Überlieferungen und Angaben der Bibel.
Inwiefern es damit zu einer Vermischung divergenter Motive kam, die ein homogenes Afrikabild verhinderten, wird die folgende Untersuchung zeigen. Die hier plakativ eingeführten Problematiken müssen vor allem bei der Analyse des Afrikabildes genauer betrachtet werden und sind Thema dieser Untersuchung.
1) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand des Zitats von Jordanus de Séverac die zentralen Probleme der mittelalterlichen Afrikabeschreibung, insbesondere den Mangel an direkter Erfahrung und die daraus resultierende Vermischung von Fakten, phantastischen Motiven und antiken Überlieferungen.
2) Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel führt in die Imagologie als forschungsleitenden Ansatz ein und erläutert die Auswahl sowie die quellenkritische Einordnung des Quellenkorpus, das verschiedene Gattungen wie Weltkarten, Reiseberichte und Chroniken umfasst.
3) Geschichte der Beziehung zwischen Afrika und Europa: Dieser Abschnitt zeichnet die diachrone Entwicklung der Kontakte von der Antike über das Frühmittelalter bis hin zu den Kreuzzügen nach und widerlegt die Annahme, Afrika sei im Mittelalter isoliert gewesen.
4) Weltbilder im Spätmittelalter: Hier wird die Entstehung spätmittelalterlicher Weltbilder (imago mundi) erläutert, wobei betont wird, wie Informationskanäle wie Bibel und antike Autoren die Wahrnehmung des Unbekannten prägten.
5) Vorstellungen und Wissen der latein-christlichen Europäer über Afrika im Spätmittelalter: Das Hauptkapitel analysiert detailliert spezifische Motive wie Geographie (Nil, Mondberge), die Adaption antiker Fabelwesen, biblische Narrative (Söhne Noahs, Paradies) sowie den Mythos des Priesterkönigs Johannes.
6) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass kein homogenes Afrikabild existierte, sondern ein komplexes, diachron veränderliches Geflecht aus antiken Topoi und christlicher Deutung, das Afrika als Ort der Imagination bewahrte.
7) Ausblick: Der Ausblick identifiziert das Bedürfnis nach weiteren Forschungen auf Mikroebene sowie eine tiefergehende diachrone Untersuchung, um das Verständnis für die Komplexität dieser Wissensbestände zu vertiefen.
Afrika, Spätmittelalter, Imagologie, Fremdwahrnehmung, Priesterkönig Johannes, Fabelwesen, Geographie, Nil, Paradies, Noachiden, Christentum, Reiseberichte, Weltkarte, Quellenkorpus, Exotismus.
Die Arbeit analysiert das Bild des afrikanischen Kontinents im latein-christlichen Europa des Spätmittelalters, wobei der Fokus auf den zugrunde liegenden Narrativen und mythologischen Vorstellungen liegt.
Zentrale Themen sind die geographischen Vorstellungen, antike und biblische Motive (wie die Noachiden oder das Paradies), die Faszination für Fabelwesen und Wundervölker sowie die Figur des Priesterkönigs Johannes.
Die Arbeit fragt, welche Motive in der Darstellung Afrikas in latein-christlichen Quellen auftauchen und ob diese Motive im Verlauf des Spätmittelalters stringent verwendet wurden.
Es wird der Forschungsansatz der Imagologie angewandt, bei dem es um das Decodieren von Bildern des "Anderen" in schriftlichen und visuellen Quellen geht.
Im Hauptteil (Kapitel 5) erfolgt eine detaillierte, motivorientierte Analyse von geografischen, ethnologischen und biblischen Elementen, die das europäische Afrikabild maßgeblich formten.
Typische Begriffe sind Imagologie, Afrikabild, Spätmittelalter, Fremdwahrnehmung, Mythenbildung und der Priesterkönig Johannes.
Die Figur des jüngsten Königs (Kaspar) wurde im Spätmittelalter zunehmend als Repräsentant Afrikas "afrikanisiert", was den Versuch widerspiegelt, den Kontinent in die christliche Heilsgeschichte zu integrieren.
Da Wissen weitgehend durch antike Autoritäten und Buchwissen statt durch eigene Reiseerfahrung vermittelt wurde, füllten die Europäer "weiße Flecken" auf der Landkarte mit phantastischen Wundererzählungen aus der Literatur.
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