Bachelorarbeit, 2022
66 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Erläuterungen zum Gewaltbegriff
3. Rechtliche und geschichtliche Entwicklung von körperlicher Bestrafung in der Erziehung
3.1 Wandel der Erziehungspraktiken im Laufe des 20. Jahrhunderts
3.2 Konsequenzen des Gesetzes zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung zu Beginn des 21. Jahrhunderts
4. Erklärungsansätze für die Entstehung aggressiver Verhaltensweisen und gewalttätigen Handelns
4.1 Banduras sozialkognitive Theorie des Lernens am Modell als Erklärungsansatz für das Erlernen aggressiver Verhaltensweisen im familiären Umfeld
4.2 Multikausale Erklärungsansätze für die Entstehung von Gewalt
5. Auswirkungen von Gewalt in der Erziehung
5.1 Körperliche Bestrafung als Disziplinierungsmittel in der wissenschaftlichen Diskussion
5.2 Kurz- und langfristige Folgen von Gewalterfahrungen in der Kindheit
5.3 Einfluss von Schutzfaktoren
6. Präventions- und Interventionsansätze
7. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Entwicklung und die Auswirkungen von körperlichen Bestrafungen durch Eltern in der Erziehung, um Zusammenhänge, Entstehungsbedingungen und die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen kritisch zu beleuchten.
4.1 Banduras sozialkognitive Theorie des Lernens am Modell als Erklärungsansatz für das Erlernen aggressiver Verhaltensweisen im familiären Umfeld
Die Theorie Banduras ist ein weit verbreiteter Erklärungsansatz, welcher sich dadurch auszeichnet, dass gewalttätiges Verhalten nicht als eine automatisierte Reaktion auf äußere Einflüsse angesehen wird, sondern als ein aktiv in einem Lernprozess erworbenes Verhalten. Bandura unterteilt dabei zwischen „Lernen am Modell“ und „Lernen durch Anwendung“.
Modellernen liegt vor, wenn infolge einer Beobachtung eines Modells, eine längerfristig anhaltende Veränderung des eigenen Verhaltens eintritt (vgl. Korn, Mücke 2000, S. 18). Banduras Anspruch an seine Theorie ist, dass diese erklären können soll, wie aggressive Verhaltensweisen entstehen und welche Reize die Entstehung aggressiven Verhaltens bedingen. Banduras Theorie ist mehr umwelt- als genzentriert aufgebaut – er sieht die Ursache aggressiven Verhaltens mehr in der Umwelt eines Individuums, als in dessen Genetik begründet. So wird aggressives Verhalten eher durch äußere Reize ausgelöst, wie z. B. Provokationen, als durch eine spezifische genetische Ausstattung, die einen Menschen dazu bringt, sich aggressiv zu verhalten (vgl. Bandura 1979, S. 134).
Lernprozesse würden sich sehr umständlich gestalten, wenn nur die Ergebnisse der eigenen Handlungen zur Verfügung stehen würden, also nur „Lernen durch Anwendung“ praktiziert werden könnte. Daher wird der Großteil des menschlichen Verhaltens durch die Beobachtung der Handlungen anderer Menschen am Modell gelernt, wodurch sich eigene zahlreiche Versuchs- und Irrtumshandlungen vermeiden lassen (vgl. Bandura 1977, S. 22). Bandura sieht daher „Lernen durch Anwenden“ als weniger effizient als „Lernen am Modell“ an (vgl. Bandura 1979, S. 108). Zudem ist es kaum möglich, „Lernen durch Anwenden“ vom „Lernen am Modell“ zu trennen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Prozess des Lernens durch Anwenden nicht auch Prozesse der Beobachtung anderer, also Lernen am Modell, miteinschließt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, problematisiert alte Sprichwörter zur körperlichen Züchtigung und definiert das Ziel der Arbeit, Gewalt aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen.
2. Erläuterungen zum Gewaltbegriff: Dieses Kapitel widmet sich der komplexen Definition von Gewalt und Erziehung, insbesondere im familiären Kontext, und grenzt psychische von physischer Gewalt ab.
3. Rechtliche und geschichtliche Entwicklung von körperlicher Bestrafung in der Erziehung: Hier wird der gesellschaftliche Wandel vom 20. Jahrhundert bis zum modernen Verständnis nachgezeichnet, inklusive der historischen Gesetzgebung.
4. Erklärungsansätze für die Entstehung aggressiver Verhaltensweisen und gewalttätigen Handelns: Dieses Kapitel stellt theoretische Modelle vor, darunter Banduras Modelllernen und multikausale Erklärungsansätze für Gewalt.
5. Auswirkungen von Gewalt in der Erziehung: Die Auswirkungen von körperlicher Gewalt werden evaluiert, wobei sowohl kurz- als auch langfristige Folgen für Kinder und die Bedeutung von Schutzfaktoren analysiert werden.
6. Präventions- und Interventionsansätze: Es werden Strategien zur Prävention vorgestellt und beschrieben, wie institutionelle Hilfe bei Gefährdung des Kindeswohls eingreift.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit von Präventionsangeboten statt harter Bestrafungen für Eltern.
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Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die Folgen der körperlichen Erziehungsgewalt sowie die theoretischen Hintergründe, die zu solchem Verhalten führen können. Dabei wird insbesondere der Wandel gesellschaftlicher Sichtweisen in den letzten 100 Jahren betrachtet.
Zentrale Themen sind die Geschichte der elterlichen Züchtigung, psychologische Erklärungsmodelle für aggressive Verhaltensweisen, die Auswirkungen körperlicher Strafen auf die kindliche Entwicklung sowie Ansätze der Gewaltprävention.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen und Konsequenzen körperlicher Gewalt zu schaffen und aufzuzeigen, warum eine gewaltfreie Erziehung sowohl professionell als auch gesellschaftlich anzustreben ist.
Die Arbeit ist als eine hermeneutische Literaturarbeit konzipiert, die aktuelle wissenschaftliche Studien und fachgebundene Literatur systematisch auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine theoretische Analyse der Entstehungsbedingungen von Aggression (z. B. durch Nachahmung), eine Evaluierung der Folgeschäden bei Kindern sowie eine Analyse von Präventions- und Interventionsstrategien.
Sie zeichnet sich durch die Verknüpfung von rechtlichen Entwicklungen, psychologischen Lerntheorien und aktuellen Erkenntnissen zur kindlichen Resilienz aus, um ein ganzheitliches Bild des Phänomens zu zeichnen.
Gemäß Banduras sozialkognitiver Theorie lernen Kinder durch "Lernen am Modell". Wenn Eltern zur Disziplinierung Gewalt einsetzen, lernen Kinder, dass diese Methode zur Konfliktlösung legitim ist und übernehmen dieses Verhalten später selbst.
Die aktuelle Forschung kommt weitgehend zu dem Konsens, dass körperliche Strafen ineffektiv sind und das Risiko für internalisierende (z. B. Depressionen) sowie externalisierende (z. B. Aggression) Verhaltensprobleme beim Kind deutlich erhöhen.
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