Masterarbeit, 2021
77 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
2. Russische Avantgarde / Historischer Kontext
2.1 Russland und die Frauen
3. Ljubow Popowa
3.1 Die erste Paris-Reise
3.2 Baum- und Figurenstudien
3.3 Die Konstruktion der menschlichen Figur
3.4 Die zweite Italienreise: Stillleben und Porträts
3.5 Rückkehr nach Moskau
3.6 Malerische Reliefs
3.7 Malerische Architektonik
3.8 Raum-Kraft-Konstruktionen
3.9 Theater und Design
4. Olga Rosanowa
4.2 Stillleben
4.2 Städtebilder
4.3 Buchillustrationen im Ersten Weltkrieg
4.4 Zyklus Kartenspiel, 1915
4.5 Suprematismus
4.6 Vom Vortizismus zur Minimal Art
5. Avantgarde in Ost und West / Die Bedeutung der Ikone für die Entwicklung der Russischen Avantgarde
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung der beiden bedeutenden Vertreterinnen der russischen Avantgarde, Ljubow Popowa und Olga Rosanowa, im Kontext der sozio-kulturellen Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, ihre individuellen Stile, ihre Auseinandersetzung mit westeuropäischer Kunst und die spezifische Bedeutung ihrer Weiblichkeit sowie ihre gesellschaftliche Position in dieser bewegten Phase der russischen Geschichte zu würdigen.
3.2 Baum- und Figurenstudien
Die Baumstudie (Abb. 1) von Ljubow Popowa mit den Maßen 35,3 x 22,3 cm entstand um 1910 und wurde mit Tusche laviert. Zu sehen sind mehrere schwarze, geschwungene Linien und einige schwarze Schraffuren. Im Zentrum fällt einem eine V-förmige Anordnung ins Auge, die auf der linken Seite durch einen schwarzen dicken Strich, der mehrmals schnell nachgefahren wurde, unterstützt wird. In der Mitte, des sich nach oben öffneten „V’s“ ist eine sitzende weibliche Figur zu erkennen. In den scheinbar schnell hingeworfenen Linien entdeckt man in der geschwungenen Linie unten rechts ein angewinkeltes Bein. Von der Beuge des Knies gehen einige Linien aus, die einen Arm andeuten, mit dem sich die Figur abstützt. Darüber bilden weitere Linie die weiblichen Brüste. Außerdem ist das Schlüsselbein zu erkennen. Die Stelle, an der das Gesicht zu erwarten wäre, bleibt leer. Über dieser Leerstelle lässt sich lediglich eine Art „Frisur“ erkennen. Rechts und links gehen von diesem „V“ geschwungene Linien aus, die wiederum an Blätter, etwa Palmenblätter, erinnern. Diese gehen auch hinter der Figur hervor und überragen sie. Das Motiv erinnert an Boticellis Die Geburt der Venus. Nur dass Popowa hier den weiblichen Akt aus dem Innern einer Pflanze, anstatt einer Jakobsmuschel, erscheinen lässt und die weibliche Figur sitzend und sich eher verbergend, als sich stehend präsentierend dargestellt ist.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsintention, wobei besonderes Augenmerk auf die Werkbiografien von Popowa und Rosanowa gelegt wird.
2. Russische Avantgarde / Historischer Kontext: Analyse der politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Russland rund um die Revolution 1917 und deren Einfluss auf die Kunstszene.
3. Ljubow Popowa: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Werkphasen Popowas, von ihren Anfängen bis hin zu ihren Raum-Kraft-Konstruktionen und ihrer Arbeit im Theater.
4. Olga Rosanowa: Betrachtung der künstlerischen Entwicklung Rosanowas mit Schwerpunkten auf ihren Städtebildern, Buchillustrationen und ihrem Beitrag zum Suprematismus.
5. Avantgarde in Ost und West / Die Bedeutung der Ikone für die Entwicklung der Russischen Avantgarde: Analyse der Wechselbeziehung zwischen östlichen und westlichen Kunstströmungen unter besonderer Berücksichtigung der Ikonentradition.
6. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die Rolle der Künstlerinnen und ihren Beitrag zur Kontinuität der russischen Avantgarde.
Russische Avantgarde, Ljubow Popowa, Olga Rosanowa, Konstruktivismus, Suprematismus, Kubo-Futurismus, Ikonen, Frauen in der Kunst, Revolutionskunst, Geschichte Russlands, Kulturgeschichte, Moderne, Künstlervereinigung, Sozialintegration, Bildsprache
Die Arbeit analysiert das Leben und Schaffen von Ljubow Popowa und Olga Rosanowa, zwei zentralen Künstlerinnen der russischen Avantgarde, und bettet diese in den historischen und gesellschaftlichen Kontext der Zeit ein.
Die Themen umfassen die Entwicklung des russischen Konstruktivismus und Suprematismus, die Rolle der Frau in der russischen Kunstszene sowie den Einfluss der politischen Revolution auf die künstlerische Sprache.
Das Ziel ist, die individuelle künstlerische Entwicklung beider Frauen nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sie sich im Spannungsfeld zwischen westlicher Moderne und eigenen Traditionen positionierten.
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die Werkbiografien unter Einbeziehung zeitgenössischer Dokumente, Ausstellungskataloge und soziokultureller Analysen beleuchtet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische und thematische Aufarbeitung der künstlerischen Phasen beider Malerinnen – vom frühen Verständnis des Kubismus bis hin zu abstrakten Modellen und Theaterentwürfen.
Russische Avantgarde, Konstrutivismus, Frauenbilder, Suprematismus, Ikonen-Einfluss und künstlerische Emanzipation sind die wesentlichen Kernbegriffe.
Die Arbeit zeigt, dass russische Künstler wie Malewitsch und Wrubel sich von der Ikonenmalerei inspirieren ließen, um einen "höheren Realismus" und eine neue bildnerische Sprache zu finden, die sich bewusst vom westlichen Realismus abgrenzte.
Während Popowa die methodische Herangehensweise des Suprematismus für ihre "architektonischen Malereien" nutzte, betonte sie im Gegensatz zu Malewitsch stärker die bildnerische Materialität und das konstruktive Element gegenüber spirituellen Aspekten.
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