Examensarbeit, 2009
135 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Problemdarstellung
2.1 Die Lehrerpersönlichkeit als Sozialisationsinstanz
2.1.1 Die Persönlichkeit des Menschen
2.1.2 Der „heimliche Lehrplan“: Soziales Lernen und Sozialisation in der Schule
2.1.3 Die Macht der Situation
2.1.4 Lehrerpersönlichkeit- Einstellungen und Verhalten im Unterricht
2.1.5 Die Auswirkungen von Lehrereinstellungen auf die Einstellungen ihrer Schüler
2.2 Die autoritäre Persönlichkeit
2.2.1 Altemeyers (1996) Autoritarismus-Konstrukt und die Theorie der „autoritären Reaktion“ von Oesterreich (1993)
2.2.2 Autoritäre Sozialisation - Theorien und empirische Untersuchungen zur Entwicklung autoritärer Persönlichkeitstendenzen
2.2.3 Die autoritäre Lehrerpersönlichkeit
2.3 Autoritarismus und demokratische Kompetenzen
2.3.1 Der Bildungsauftrag der Schule
2.3.2 Demokratie als Lebensform und ihre Umsetzungsmöglichkeiten
2.3.4 Demokratiefähigkeit – Eine Frage der Moral
2.3.5 Demokratische Kompetenzen als individualpsychologische Voraussetzungen für demokratisches Handeln
2.4 Hypothesen
2.4.1 Zusammenhang zwischen Lehrerpersönlichkeit und Schülereinstellungen
2.4.2 Unterschiede zwischen den Schulformen
2.4.3 Auswirkungen der Dauer der Lehrer-Schüler-Beziehung
3. Methode und Durchführung der Untersuchung
3.1 Auswahl und Beschreibung der Messinstrumente
3.1.1 Fragebogen zur Erfassung autoritaristischer Tendenzen bei Lehrern
3.1.2 Fragebogen zur Erfassung demokratischer Kompetenzen bei Schülern
3.1.3 Erhebung zusätzlicher normativer Daten
3.2 Stichprobe
3.2.1 Schülerstichprobe
3.2.2 Lehrerstichprobe
3.3 Durchführung der Untersuchung
3.3.1 Auffälligkeiten
4. Ergebnisse
4.1 Aufbereitung der Daten (Skalenqualität, missing-data, Reliabilität, Signifikanzniveau)
4.1.1 Skalenqualität
4.1.2 Umkodieren der Werte
4.1.3 Fehlende Daten
4.1.4 Reliabilitätsanalyse
4.1.5 Festlegung des Signifikanzniveaus
4.1.6 Trennung von Individual- und Klassenebene
4.2 Überprüfung der Hypothesen
4.2.1 Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Lehrerpersönlichkeit und Schülereinstellungen
4.2.2 Ergebnisse zum Unterschied zwischen den Schulformen
4.2.3 Ergebnisse zu den Auswirkungen der Dauer des Lehrer-Schüler-Verhältnisses
4.3 Weitere Ergebnisse
4.3.1 Positiver Zusammenhang zwischen sehr autoritären Lehrern und demokratischer Kompetenz von Schülern
4.3.2 Unterschiede der demokratischen Kompetenzen der Schüler verschiedenener Schulformen
4.3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Schülerstichprobe
4.3.4 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lehrerstichprobe
4.3.5 Zusammenhang zwischen dem Alter der befragten Lehrer und dem Ausmaß ihrer autoritaristischen Tendenz
4.3.6 Interaktion zwischen Geschlecht der Lehrperson und Geschlecht der Schüler
4.4 Faktorenanalyse
4.4.1 Faktorenanalyse der Autoritarismus-Skala
4.4.2 Faktorenanalyse der Skala für demokratische Kompetenz
4.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
5. Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.1.1 Autoritäre Klassenlehrer haben keinen Einfluss auf die demokratische Kompetenz ihrer Schüler?
5.1.2 Sehr autoritäre Klassenlehrer fördern die demokratische Kompetenz von Schülern?
5.1.3 Welche Rolle spielt das Alter der Schüler?
5.1.4 Welche Rolle spielt die Qualität der Beziehung zwischen Klassenlehrer und Schülern?
5.1.5 Welche Rolle spielt die Dauer der Lehrer-Schüler-Beziehung?
5.1.6 Schüler an Gymnasien sind demokratisch kompetenter als Haupt- und Realschüler?
5.1.6 Mädchen sind demokratisch kompetenter als Jungen?
5.1.7 Klassenlehrerinnen haben einen negativen Einfluss auf die demokratische Kompetenz ihrer Schülerinnen?
5.2 Kritische Betrachtung der Methoden
5.2.1 Wie angemessen sind die Messinstrumente?
5.2.2 Wie angemessen ist die Querschnittsanalyse?
5.2.3 Alternative Versuchspläne und Konstrukte
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht, inwieweit autoritäre Persönlichkeitstendenzen bei Lehrkräften die demokratischen Kompetenzen ihrer Schüler beeinflussen, wobei die Schule als Sozialisationsinstanz betrachtet wird, die Werte und Einstellungen vermittelt. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der autoritären Tendenz des Klassenlehrers und der Ausprägung demokratischer Kompetenzen bei den Schülern besteht, unter Berücksichtigung von Variablen wie Schulform und Dauer der Lehrer-Schüler-Beziehung.
2.1.3 Die Macht der Situation
Viele Sozialpsychologen gehen davon aus, dass die soziale Situation, also das Zusammentreffen und Interagieren von zwei oder mehr Menschen, einen enormen Einfluss auf das individuelle Verhalten hat und dass durch sie die Lernerfahrung und die Persönlichkeit bedeutsam geprägt werden (Zimbardo & Gerrig, 2004). Sobald also Menschen nicht alleine, sondern mit einem oder mehreren anderen Menschen zusammen sind, wirkt die soziale Situation auf sie ein. Was macht also bestimmte soziale Situationen aus? In sozialen Situationen sind verschiedene Rollen verteilt und es gelten mehr oder weniger spezielle soziale Regeln sowie Normen und Konformität. Die soziale Rolle ist „… ein sozial definiertes Verhaltensmuster, das von einer Person erwartet wird, wenn sie in einer bestimmten Umgebung oder Gruppe funktioniert.“ (ebd., S. 753). Von einem Menschen, wird also in verschiedenen Situationen unterschiedliches Verhalten erwartet. In der Schule gibt es zum Beispiel die Rollen der Schüler und die der Lehrer, die mit bestimmten Erwartungen an das Verhalten der Menschen verknüpft sind. Schüler und Lehrer übernehmen in der Schule aber gleichzeitig auch die Rolle von Freunden und Kollegen. Damit gehen meist andere Verhaltensanforderungen einher und je nach Situation wird die eine oder andere Rolle eine stärkere Bedeutung haben.
Soziale Regeln charakterisieren eine Situation, indem sie explizit (z.B. durch Schilder) oder implizit (alles was man durch Transaktionen lernt) Verhaltensrichtlinien vorgeben (ebd., 753). In der sozialen Lehr-Lern-Situation im Unterricht gelten für die verschiedenen Rollen des Lehrers und der Schüler zum Teil ähnliche, zum Teil aber auch ganz unterschiedliche Regeln. Es wird im Normalfall wohl kaum vorkommen, dass eine Lehrperson sich meldet, bevor sie etwas sagen möchte. Von Menschen in der Rolle des Schülers wird dies jedoch generell erwartet. In der konkreten Ausgestaltung der sozialen Regeln im Klassenzimmer kommt der Rolle der Lehrperson noch eine besondere Bedeutung zu, da dieser Rolle eine Lenkungsfunktion zugeschrieben wird.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der schulischen Sozialisation ein und begründet das Interesse an der Lehrerpersönlichkeit sowie deren Einfluss auf die Werteentwicklung der Schüler.
2. Problemdarstellung: Dieses Kapitel verknüpft entwicklungs-, sozial- und persönlichkeitspsychologische Ansätze, um den Einfluss autoritärer Lehrkräfte auf die demokratischen Kompetenzen von Schülern theoretisch zu fundieren und Hypothesen abzuleiten.
3. Methode und Durchführung der Untersuchung: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, einschließlich der Auswahl der Messinstrumente zur Erfassung autoritärer Tendenzen und demokratischer Kompetenzen sowie der Stichprobenbeschreibung.
4. Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die statistischen Auswertungen der Daten präsentiert, die zur Überprüfung der Hypothesen sowie zur Analyse weiterer Zusammenhänge wie geschlechtsspezifischer Unterschiede dienen.
5. Diskussion: Das Kapitel bietet eine kritische Interpretation der Ergebnisse, reflektiert methodische Limitationen und diskutiert die pädagogische Bedeutung der Befunde für die Forschung und Praxis.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Komplexität der sozialen Einflüsse in der Schule, während es für eine ganzheitliche Betrachtung der Erziehung plädiert.
Lehrerpersönlichkeit, Autoritarismus, Demokratische Kompetenz, Sozialisation, Schule, Erziehung, Schüler, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Wertorientierung, Moralentwicklung, Unterrichtsstil, Schulform, Klassenklima.
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen bei Lehrkräften, insbesondere von autoritären Tendenzen, auf die Entwicklung demokratischer Kompetenzen ihrer Schüler.
Zu den zentralen Themen gehören Sozialisation in der Schule, Autoritarismusforschung, demokratisches Handeln als Lernziel und der Einfluss der Lehrerpersönlichkeit auf das Schülerverhalten.
Das primäre Ziel ist zu klären, ob ein negativer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der autoritären Persönlichkeitstendenz von Lehrern und dem Grad der demokratischen Kompetenz ihrer Schüler besteht.
Es handelt sich um eine empirische Querschnittsstudie, bei der Fragebögen eingesetzt wurden, um Daten von Schülern und Lehrern zu erheben, die anschließend statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Problemdarstellung, die methodische Vorgehensweise und Durchführung der Untersuchung sowie eine detaillierte Auswertung und Diskussion der Ergebnisse.
Schlüsselwörter sind unter anderem Lehrerpersönlichkeit, Autoritarismus, demokratische Kompetenz, Sozialisation, Schule und Erziehung.
Die Untersuchung bezieht sich überwiegend auf ca. 14-jährige Schüler, bei denen in der Adoleszenz Peer-Gruppen oft stärkeren Einfluss ausüben als die Lehrer, was die Messergebnisse beeinflussen könnte.
Die Studie konnte keinen direkten negativen Einfluss nachweisen; in einigen Fällen korrelierte eine autoritäre Haltung sogar positiv mit der demokratischen Kompetenz, was als mögliche Gegenreaktion der Schüler auf autoritäre Strukturen interpretiert wird.
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