Magisterarbeit, 2008
125 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem – ausgewählte Aspekte einer systemischen Benachteiligung
2.1 Bildung als Aspekt für die Integration in die Gesellschaft
2.2 Menschen mit Migrationshintergrund als heterogene Gruppe
2.3 Bildungsbeteiligung und Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
2.3.1 PISA-Resultate
2.3.2 Die Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
2.3.3 Sonderschule als Ausländerschule
2.4 Mögliche Einflussfaktoren auf den Schulerfolg
3 Zur Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.1 Mehrsprachigkeit und Spracherwerb
3.1.1 Begriffsbestimmung von Mehrsprachigkeit
3.1.2 Erstspracherwerb
3.1.3 Formen des Zweitspracherwerbs
3.1.3.1 Erwerbsarten der Zweitsprache
3.1.3.2 Die ‚zentralen Hypothesen’ des Zweitspracherwerbs
3.1.3.2.1 Die Transferhypothese
3.1.3.2.2 Die Identitätshypothese
3.1.3.2.3 Die Interlanguagehypothese
3.1.3.3 Grenzen der zentralen Zweitspracherwerbshypothesen
3.1.3.4 Interdependenz- und Schwellenhypothese und deren Kritik
3.2 Mehrsprachigkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.2.1 Der Zweitspracherwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.2.2 Die Diskussion um die doppelte Halbsprachigkeit
3.2.3 Spracherwerbsphänomene des mehrsprachigen Sprachgebrauchs
3.2.3.1 Sprachmischung
3.2.3.2 Interferenz
3.2.4 Spezifischer Sprachbesitz und Sprachgebrauch in der Familie als Einflussfaktor
3.2.4.1 Pflege der Herkunftssprache
3.2.4.2 Spezifischer Sprachbesitz
3.3 Diskussion: Das Sprachvermögen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund als Bildungsvoraussetzung
4 Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem
4.1 Die monolinguale Ausrichtung des Unterrichts
4.2 Schul- und bildungsspezifische Schriftsprachlichkeit
4.3 Lehrerbildung im multilingualen Kontext
4.4 Entscheidungsstellen in der Bildungslaufbahn
4.4.1 Selektion durch Sprachdefizite bei der Einschulung
4.4.2 Empfehlung Sonderschule
4.4.3 Eignungsempfehlung für weiterführende Schulen
4.4.4 Problematik der Sprachstandsdiagnose
5 Abschließende Diskussion
6 Schluss und Ausblick
Das Hauptziel dieser Magisterarbeit besteht in der Analyse der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, wobei ein besonderer Fokus auf die Rolle ihrer Mehrsprachigkeit gelegt wird. Die Arbeit untersucht, inwieweit das Sprachvermögen dieser Kinder als Voraussetzung für ihren Bildungserfolg zu betrachten ist und wie das deutsche Bildungssystem mit der daraus resultierenden sprachlichen Heterogenität umgeht.
3.1.3.1 Erwerbsarten der Zweitsprache
Die Aneignung einer Zweitsprache kann je nach Lebenssituation unterschiedlich verlaufen. Erfolgt der Zweitspracherwerb im sozialen Kontext während der alltäglichen Kommunikation spricht man von einem ungesteuerten oder natürlichen Spracherwerb. Der Maßstab für einen erfolgreichen Erwerb der Zweitsprache wird bei dieser Erwerbsform weniger an formal korrekten Äußerungen gemessen, sondern vielmehr an einer erfolgreichen alltäglichen Gesprächssituation. Im Gegensatz dazu findet der gesteuerte Spracherwerb als systematischer Sprachunterricht meist in Unterrichtssituationen statt.
Die Frage, ob ein gänzlich ungesteuerter Spracherwerb in der Realität vorzufinden ist, ist nicht eindeutig geklärt. Denn auch der Erstspracherwerb, der nach OKSAAR als natürlich und ungesteuert gilt, wird durch formale Steuerungen der Eltern oder Bezugspersonen beeinflusst. Es ist vielmehr eine Mischform der beiden Spracherwerbsformen anzunehmen, da sowohl die formal korrekte Sprache des schulischen Unterrichts, als auch die Kontakte im sozialen Umfeld beim Erwerb einer Zweitsprache zusammenwirken.
Von Bedeutung ist neben den Erwerbsumständen auch die Frage, von welchem Zeitpunkt ab eine Zweitsprache erworben wird. Wächst ein Kind von Geburt an mit zwei Sprachen auf, ist von einem simultanen Erwerb zweier Sprachen die Rede. In der Regel kommt das Kind hierbei innerhalb der Familie regelmäßig mit beiden Sprachen in Kontakt, da jedes Elternteil eine der beiden Sprachen als Erstsprache erworben hat. In der sprachlichen Erziehung werden diese Sprachen in Form eines ausgewogenen Partnerschaftsprinzips (eine-Person-eine-Sprache) verwendet und gelten in der Spracherwerbsforschung als optimale Voraussetzung für den Erwerb zweier Sprachen, wie KRACHT darstellt. Durch die Ausgewogenheit des Sprachgebrauchs gehören beide Sprachen von Anfang an zum Leben des Kindes dazu.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund ein und skizziert das Ziel der theoretischen Arbeit, die Rolle der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem zu analysieren.
2 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem – ausgewählte Aspekte einer systemischen Benachteiligung: Dieses Kapitel beleuchtet die bildungspolitische Ausgangslage, die Heterogenität von Migrantengruppen und die systemische Benachteiligung, die durch PISA-Daten und ungleiche Bildungsbeteiligung belegt wird.
3 Zur Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Dieser Abschnitt erörtert die theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs, analysiert verschiedene Hypothesen sowie spracherwerbsbezogene Phänomene wie Sprachmischung und Interferenz vor dem Hintergrund der Lebensrealität von Kindern mit Migrationshintergrund.
4 Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Das vierte Kapitel untersucht die monolinguale Ausrichtung des deutschen Schulsystems, die Rolle der Lehrerbildung sowie Selektionsmechanismen und Sprachstandsdiagnosen an den Übergängen des Bildungssystems.
5 Abschließende Diskussion: In der Diskussion werden die zentralen Ergebnisse zusammengeführt und die Frage beantwortet, inwieweit das Sprachvermögen als Bildungsvoraussetzung fungiert und welche institutionellen Hürden bestehen.
6 Schluss und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Kernergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Anerkennung der Mehrsprachigkeit als Ressource im Bildungssystem sowie für eine bessere Förderung.
Mehrsprachigkeit, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, Zweitspracherwerb, Schulerfolg, PISA-Studie, Erstsprache, Interferenz, Sprachmischung, Sprachstandsdiagnose, Sonderschule, Institutionelle Diskriminierung, Bildungschancen, Schulsprache, Lehrerbildung
Die Arbeit analysiert die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und untersucht insbesondere, welche Rolle ihre Mehrsprachigkeit für den schulischen Erfolg spielt.
Zentrale Felder sind die Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern, die theoretischen Grundlagen der Mehrsprachigkeit, die monolinguale Ausrichtung des deutschen Schulwesens sowie die Selektionsmechanismen an Übergangsschwellen.
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die sprachlichen Kenntnisse mehrsprachiger Kinder im Bildungssystem erkannt und gefördert werden oder ob sie primär als defizitär wahrgenommen und bildungspolitisch vernachlässigt werden.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um Zusammenhänge zwischen Mehrsprachigkeit und Bildungserfolg im deutschen Kulturraum aufzuzeigen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung systemischer Bildungsbenachteiligungen, die Erörterung von Zweitspracherwerbshypothesen sowie die kritische Analyse der institutionellen Praxis im Umgang mit sprachlicher Heterogenität.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "doppelte Halbsprachigkeit", "Interlanguage", "monolingualer Habitus", "Sprachstandsdiagnose" und "institutionelle Diskriminierung".
Die Arbeit zeigt, dass die Erstsprache eine bedeutende Grundlage darstellt und dass eine frühzeitige Förderung der Herkunftssprache sich positiv auf den Erwerb der Zweitsprache und den allgemeinen Bildungserfolg auswirken kann.
Die Autorin kritisiert, dass Lehrkräfte in der universitären Ausbildung oft nicht ausreichend auf die sprachliche Heterogenität vorbereitet werden, was dazu führt, dass sprachliche Kompetenzen mehrsprachiger Kinder im Schulalltag nicht als Ressource genutzt werden.
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