Bachelorarbeit, 2021
43 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1 Einleitung
2 Status Quo gegen Aufbruch – das Brexit Referendum in Zahlen
2.1 Die Datenlage nach dem 23. Juni 2016
2.2 Gründe für eine britische Europaaversion: Ein Annäherungsversuch
3 Der Brexit als Folge der De-Industrialisierung ab den 1970er Jahren?
3.1 Die De-Industrialisierung und ihre strukturellen Ausprägungen
3.2 Arbeitsplatzverluste und deren Bedeutung
4 Von Arbeitsplatzverlusten zu einer „Graswurzel-Rebellion“?
4.1 Globalisierung und Europäisierung als Verlusterlebnis
4.2 Elitenaversion
5 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Wahlverhalten der britischen Bevölkerung beim Brexit-Referendum 2016 unter besonderer Berücksichtigung der struktur- und ideengeschichtlichen Folgen der britischen De-Industrialisierung ab den 1970er Jahren. Es wird analysiert, inwieweit ökonomische Verlusterlebnisse in bestimmten Regionen, gepaart mit einer historischen Elitenaversion, zu einer „Graswurzel-Rebellion“ gegen das politische Establishment führten.
4 Von Arbeitsplatzverlusten zu einer „Graswurzel-Rebellion“?
Im folgenden Kapitel soll nun die kultur- und ideengeschichtliche Entwicklung im Zusammenhang mit den strukturellen Entwicklungen aus Kapitel 3 und dem Brexit diskutiert werden. Die Kampagnen um das Brexit-Referendum waren geprägt von Parolen und einprägsamen Kennzahlen. Der Slogan „Take Back Control“ war eine dieser Parolen. Der Satz symbolisierte besonders für die Arbeiterklassen in Großbritannien nicht weniger als das klare Statement, dass man sich nichts mehr von den Eliten gefallen lassen möchte und sich klar dazu bekennt, die eigenen Rechte wieder in die Hand zu nehmen. Können hierbei die Unterschiede in der Klassengesellschaft als fortlaufende Folge für eine „Entladung“ der Elitenaversion der unteren Schichten in Form des Brexits verstanden werden? Und wie passt das mit den Verlusten der Arbeitsplätze durch die De-Industrialisierung zusammen?
4.1 Globalisierung und Europäisierung als Verlusterlebnis
Die in den 1970er und 1980er Jahren voranschreitenden De-Industrialisierung trat gleichzeitig mit der britischen Europäisierung durch den Beitritt Großbritanniens in die europäische Gemeinschaft sowie mit der zunehmenden Globalisierung in der Weltwirtschaft auf. Der Fortschritt und die Weiterentwicklung auf der einen Seite, bedeutete einen Rückgang und einen Niedergang der etablierten Industrien auf der anderen Seite. Man könnte meinen, dass sich für die Zukunftstauglichkeit Großbritanniens und der damit einhergehenden Wirtschaftsreform durch eine überwiegende Konzentration auf den tertiären Sektor, auch eine Entscheidung für die white collar workers statt der blue collar workers getroffen wurde. Dieses Szenario erlebten Menschen der letzteren Gruppe als ein Verlusterlebnis, was sich auch auf die Haltung gegenüber der europäischen Staatengemeinschaft auswirkte.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zäsur des britischen Referendums 2016 ein und formuliert das Ziel, struktur- und ideengeschichtliche Aspekte der industriellen Krise mit dem Abstimmungsverhalten zu verknüpfen.
2 Status Quo gegen Aufbruch – das Brexit Referendum in Zahlen: Das Kapitel liefert eine empirische Grundlage und untersucht geografische sowie demografische Muster des Abstimmungsergebnisses, ergänzt durch einen Überblick über die Ursachenforschung in der Literatur.
3 Der Brexit als Folge der De-Industrialisierung ab den 1970er Jahren?: Hier werden die wirtschaftlichen Transformationsprozesse des "Thatcherismus" analysiert, wobei der Fokus auf dem Niedergang der Schwerindustrie, struktureller Arbeitslosigkeit und regionalen Disparitäten (North-South-Divide) liegt.
4 Von Arbeitsplatzverlusten zu einer „Graswurzel-Rebellion“?: In diesem Teil werden ökonomische Verlusterfahrungen mit soziokulturellen Deutungsmustern kombiniert, um die Abneigung gegen das politische Etablissement und die Motivation hinter dem Brexit-Votum als "Anti-Establishment-Gefühl" zu erklären.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass der Brexit ein ideologisches Unterfangen war, das tief in den sozialen Strukturen verwurzelt ist, welche durch den jahrelangen industriellen Strukturwandel geprägt und verhärtet wurden.
Brexit, De-Industrialisierung, Klassengesellschaft, Identität, Thatcherismus, North-South-Divide, Referendum 2016, Arbeiterklasse, Globalisierung, Europäisierung, Elitenaversion, Establishment, Wirtschaftsstrukturwandel, Wahlanalyse, Take Back Control.
Die Arbeit analysiert die historischen und sozioökonomischen Ursachen für den EU-Austritt Großbritanniens, wobei ein besonderer Fokus auf dem industriellen Wandel seit den 1970er Jahren liegt.
Das Werk behandelt den wirtschaftlichen Strukturwandel, regionale Ungleichheiten, Klassenstrukturen in Großbritannien und die psychologischen Effekte der De-Industrialisierung.
Das Ziel ist es, das Wahlergebnis des Referendums 2016 nicht nur als isoliertes politisches Ereignis zu sehen, sondern durch die Verbindung von Strukturgeschichte und Ideengeschichte zu erklären.
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Analyse, die empirische Daten (Wahlstatistiken, Arbeitsmarktkennzahlen) mit politikwissenschaftlichen Diskursen und soziologischen Theorien verknüpft.
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung der De-Industrialisierung der "Thatcher-Ära", der räumlichen Spaltung des Landes ("North-South-Divide") und der daraus resultierenden Frustration in den betroffenen Regionen.
Die wichtigsten Schlagworte sind De-Industrialisierung, Klassenkampf, Elitenaversion und Identitätsbildung im Kontext des EU-Referendums.
Der Slogan diente laut Autor als Ventil für angestaute Frustrationen der ehemaligen Industriearbeiterschaft gegenüber dem Eliten-Establishment und symbolisierte den Wunsch nach Autonomie.
Die "North-South-Divide" illustriert die ökonomische und soziale Zweiteilung des Landes, die dazu führte, dass wirtschaftlich benachteiligte Regionen ihre Perspektivlosigkeit auf das Establishment projizierten.
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