Examensarbeit, 2008
93 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Bedeutung schöpferischer Prozesse für das Kind
3. Was ist Kunsttherapie? – Begriffsklärungen und Definitionsansätze
4. Ansätze von Kunsttherapie
4.1. Der psychiatrische Ansatz
4.2. Der psychotherapeutische Ansatz
4.3. Der heilpädagogische Ansatz
4.4. Der anthroposophische Ansatz
4.5. Der künstlerisch- kunstpädagogische Ansatz
4.6. Der rezeptive Ansatz
4.7. Der integrative Ansatz
4.8. Der pädagogische Ansatz
4.9. Zusammenfassung und Überblick
5. Ziele der Förderung von Kindern der Primarstufe durch den Einsatz kunsttherapeutischer Verfahren
5.1. Die Situation der Kindheit heute
5.2. Ziele kunsttherapeutischer Förderung
6. Die kunsttherapeutische Praxis mit Kindern
6.1. Der Gestaltungsprozess
6.2. Die Rolle des Kunsttherapeuten
6.3. Das Material
6.4. Kunsttherapeutische Verfahren
6.4.1. Freies Arbeiten in der Kunsttherapie
6.4.2. Gelenktes Arbeiten in der Kunsttherapie
6.4.3. Gruppenarbeit in der Kunsttherapie
6.5. Beispiele aus der kunsttherapeutischen Praxis
6.5.1. Malen und Zeichnen
6.5.1.1. Kritzelbilder
6.5.1.2. Wutbilder
6.5.2. Dreidimensionales Gestalten
6.5.2.1. Arbeit am Tonfeld
6.5.2.2 Plastisches Gestalten von Körperhaltung und Bewegung
7. Plastisch – therapeutisches Gestalten mit Ton
7.1. Der Werkstoff Ton - Eigenschaften und Wirkungen
7.2. Grundlagen des plastisches Gestaltens
7.3. Elementare Stufen der Tonbearbeitung
7.3.1. Das Arbeiten mit Tonschlamm - Matschen
7.3.2. Ton werfen und kneten
7.3.3. Aus Ton formen und gestalten - Modellieren
8. Praktischer Teil: Beispiel für die Gestaltung und Durchführung einer Arbeitsgemeinschaft mit kunsttherapeutischen Elementen
8.1. Ziele der praktischen Arbeit
8.2. Die Arbeitsform
8.3. Die Kindergruppe
8.4. Der Arbeitsraum
8.5. Der zeitliche Rahmen
8.6. Die Beobachtungskriterien
8.7. Festlegung der Untersuchungsmethode
8.8. Zur Durchführung der Arbeitsgemeinschaft
8.8.1. Ton mit allen Sinnen
8.8.2. Modellieren zu Fantasiereisen
8.8.3. Gefühle mit Ton ausdrücken
8.8.4. Gestaltübungen am Tonkasten
8.8.5. Abschlussphase
8.9. Auswertung der praktischen Arbeit
8.10. Zusammenfassung der Ergebnisse
9. Kunsttherapeutische Förderung in der Primarstufe – Möglichkeiten und Grenzen
9.1. Kunsttherapie und der Rahmenplan
9.2. Grenzen von Kunsttherapie in der Primarstufe
10. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial kunsttherapeutischer Förderung für Kinder der Primarstufe. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern der Gestaltungsprozess – insbesondere die Arbeit mit dem Werkstoff Ton – dazu beitragen kann, Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen und emotionalen Belastungen entgegenzuwirken und die kindliche Entwicklung ganzheitlich zu unterstützen.
7.1. Der Werkstoff Ton - Eigenschaften und Wirkungen
Jede Arbeit mit einem Material macht es notwendig, sich mit dessen Eigenschaften vertraut zu machen. Um zu erörtern, welche wichtige Rolle der Werkstoff Ton in der Kunsttherapie spielt, werden daher zunächst die besonderen Eigenschaften und die daraus resultierenden Wirkungen des Materials hervorgehoben.
Es gibt keinen anderen Werkstoff, der der Variationsbreite des Tons auch nur annähernd gleichkommt. Sie reicht vom trockenen Tonmehl, in das man, auf der Tischplatte ausgestreut Spuren zeichnen kann, über puddingähnlichen Schlicker, der sich zum Matschen eignet, die geschmeidig formbare Masse, das getrocknete Werkstück und den härter gewordenen Gegenstand nach dem ersten Brand. Die aufgeführten Materialzustände mit entsprechenden Bearbeitungsmöglichkeiten ergeben sich aus dem Mischungsverhältnis Wasser zu Trockenmasse. Auch Golombek beschreibt die Tonerde als bevorzugtes Therapiematerial: „Es ist ein besonders bildbares, willfähriges Material, das sich vom fast schlammigen über einen geschmeidig- plastischen bis zum getrockneten Zustand bearbeiten lässt. So kann es für ein lösend- bewegendes, wie auch für ein formend- befestigendes Arbeiten und sämtliche Zwischenstufen eingesetzt werden“ (Golombek 2003, S. 83).
Besonders am Werkstoff Ton in der therapeutischen Arbeit ist die Tatsache, dass dieser den Händen Halt bietet, unbegrenzt verfügbar ist und uns jede Art von Berührung vermittelt. Dabei wird jeder Fingertaps zur Spur, denn der Ton geht in der Bewegung der Hände mit und bildet diese Bewegung zugleich ab (vgl. Deuser 2004, S. 33).
Darüber hinaus bietet Ton eine Konsistenz, die ebenso fest wie flüssig ist. Er ist somit vielfältig und wandelbar. Im feuchten Zustand kann er beliebig geformt und gestaltet werden, im nassen Zustand eignet er sich gut für das Matschen und Schmieren, eine für die kindliche Entwicklung wesentliche Tätigkeit, in lederhartem Zustand kann er geschnitten oder geritzt und im trockenen Zustand geschliffen werden. Der Werkstoff Ton besitzt somit einen hohen Aufforderungscharakter, was bedeutet, dass dieser anregt, „[...] etwas mit ihm zu machen, etwas in ihm zu sehen [...]“ (Biniek 1982, S. 83).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung künstlerischer Gestaltung im Leben der Autorin und die Relevanz der Kunst für den kindlichen Entwicklungsprozess in Zeiten zunehmender schulischer Anforderungen.
2. Die Bedeutung schöpferischer Prozesse für das Kind: Dieses Kapitel erörtert die Parallelen zwischen Kunst und Spiel und wie kreatives Gestalten Kindern hilft, Gefühle zu verarbeiten und ihre Persönlichkeit zu entfalten.
3. Was ist Kunsttherapie? – Begriffsklärungen und Definitionsansätze: Hier werden verschiedene Begriffsverständnisse und therapeutische Konzepte dargelegt, wobei der Schwerpunkt auf der Kunsttherapie im engeren Sinne mit bildnerischen Mitteln liegt.
4. Ansätze von Kunsttherapie: Das Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene kunsttherapeutische Richtungen, wie den psychiatrischen, anthroposophischen und pädagogischen Ansatz, und diskutiert deren Relevanz für den Schulbereich.
5. Ziele der Förderung von Kindern der Primarstufe durch den Einsatz kunsttherapeutischer Verfahren: Die Ausführungen beleuchten die heutige Lebenssituation von Kindern und leiten daraus die therapeutische Notwendigkeit und Ziele kunsttherapeutischer Förderung ab.
6. Die kunsttherapeutische Praxis mit Kindern: Es werden die Phasen des Gestaltungsprozesses, die Rolle des Therapeuten, die Bedeutung verschiedener Materialien und spezifische Verfahren wie das Malen oder plastische Gestalten erläutert.
7. Plastisch – therapeutisches Gestalten mit Ton: Dieses Kapitel fokussiert auf die besonderen Eigenschaften von Ton als Therapiematerial und die Stufen seiner Bearbeitung von ersten haptischen Erfahrungen bis zur Modellage.
8. Praktischer Teil: Beispiel für die Gestaltung und Durchführung einer Arbeitsgemeinschaft mit kunsttherapeutischen Elementen: Der praktische Teil dokumentiert die Konzeption und Durchführung einer fünftägigen Arbeitsgemeinschaft mit Grundschulkindern und wertet die Beobachtungen aus.
9. Kunsttherapeutische Förderung in der Primarstufe – Möglichkeiten und Grenzen: Hier wird die Integration von Kunsttherapie in den Schulalltag und den hessischen Rahmenplan kritisch diskutiert, wobei auch organisatorische und berufsethische Grenzen aufgezeigt werden.
10. Zusammenfassung und Ausblick: Die abschließenden Seiten fassen die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewerten das Potenzial des Einsatzes kunsttherapeutischer Elemente in der Grundschule.
Kunsttherapie, Primarstufe, Grundschule, Gestaltungsprozess, pädagogische Kunsttherapie, Ton, plastisches Gestalten, Förderung, Wahrnehmungsförderung, emotionale Entwicklung, Kreativität, kindliche Entwicklung, Arbeitsgemeinschaft, Schulpädagogik, soziale Fähigkeiten
Die Arbeit untersucht, welche Möglichkeiten der kunsttherapeutischen Förderung für Kinder in der Primarstufe existieren und wie diese in den schulischen Kontext integriert werden können, wobei der Fokus auf dem plastischen Gestalten mit Ton liegt.
Im Zentrum stehen die Bedeutung kreativer Prozesse für die kindliche Entwicklung, die Analyse verschiedener kunsttherapeutischer Ansätze sowie die praktische Erprobung in Form einer schulinternen Arbeitsgemeinschaft.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Kunst als therapeutisches Element dazu beitragen kann, kindliche Probleme wie Schulangst, Lernblockaden oder soziale Schwierigkeiten zu mildern und die allgemeine Entwicklung zu unterstützen.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Methode der teilnehmenden Beobachtung im Rahmen einer praktischen Arbeitsgemeinschaft, ergänzt durch Videoaufzeichnungen und Reflexionsphasen mit den Kindern.
Der praktische Teil dokumentiert die Konzeption und Durchführung einer einwöchigen Ton-Arbeitsgemeinschaft mit vier Grundschulkindern und analysiert deren Verhalten und Fortschritte im Gestaltungsprozess.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kunsttherapie, Grundschule, Materialeinsatz (Ton), Ganzheitliche Förderung und die Abgrenzung zur reinen Kunsterziehung.
Ton wird aufgrund seiner hohen taktilen Aufforderungsqualität, seiner Variabilität und der Möglichkeit, „einfache“ haptische Erfahrungen bis hin zu komplexen Modellationen zu ermöglichen, als besonders therapeutisch wertvoll hervorgehoben.
Die Grenzen liegen primär in den schulischen Rahmenbedingungen (Zeit, Raum), der Gefahr einer Vermischung von Therapie und Pädagogik sowie der Notwendigkeit, auf diagnostische Deutungen zu verzichten, wenn keine entsprechende therapeutische Ausbildung vorliegt.
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