Examensarbeit, 2009
67 Seiten, Note: 1,0
I. Einführende Bemerkungen
II. Zur Textgrundlage dieser Arbeit
III. Vorgeschichte und Grundlagen des Streits
Exkurs: Zum Geschehen in der Kemenate Gunthers und Brünhilds
IV. Analyse des Streits
1. Die Tage vor dem Streit
2. Beim Turnier
3. Vor dem Münster
a) Vor dem Gottesdienst
b) Nach dem Gottesdienst
c) Der Eid
V. Zu den Folgen des Streits
VI. Zur Funktion des Streits im Gesamtwerk
VII. Zur Frage der Schuld
1. Kriemhild und Brünhild
2. Gunther und Siegfried
VIII. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten Königinnenstreit in der 14. Aventiure des Nibelungenliedes, um dessen zentrale Stellung als Höhe- und Wendepunkt des ersten Teils zu ergründen und die daraus resultierenden Konsequenzen für den weiteren Handlungsverlauf des Epos aufzuzeigen.
III. Vorgeschichte und Grundlagen des Streits
Will man das Misstrauen Brünhilds, das sie im Streit mit Kriemhild deutlich artikuliert, verstehen, so muss man hierzu den Blick auf vorherige Ereignisse richten.
Nachdem König Gunther, der den Wunsch hegt, eine Gemahlin zu finden, von Brünhild gehört hat, fasst er einen Plan:
Dô sprach der vogt von Rîne: «ich wil níder an den sê
hin ze Prünhilde, swie ez mir ergê.
ich wil durch ir minne wâgen mînen lîp;
den wil ich verliesen, sine wérdé mîn wîp.» (Str. 329)
Zwar rät Siegfried, der sich zu dem Zeitpunkt am Wormser Hof aufhält, ihm aufgrund des vreisliche[n] sit (Str. 330,2) Brünhilds ab, wobei die Voraussetzungen von Siegfrieds Wissen über Brünhild hier unklar bleiben. Doch Gunther bittet ihn explizit um Hilfe: wil du mir helfen. edel Sîvrit, / wérben die mínneclîchen? (Str. 332,1f.). Siegfried, der ausschließlich wegen Kriemhild, der Schwester Gunthers, nach Worms gekommen war, willigt ein, wenn er für die Erfüllung dieser Aufgabe Kriemhild zur Frau bekommt.
I. Einführende Bemerkungen: Einleitende Bestimmung des Königinnenstreits als Schlüsselszene und Beziehungsstreit innerhalb des Nibelungenliedes.
II. Zur Textgrundlage dieser Arbeit: Reflexion über die Auswahl der Editionen und die Bedeutung der Handschriften B und C für die Interpretation des Epos.
III. Vorgeschichte und Grundlagen des Streits: Untersuchung der Ereignisse um die Brautwerbung Gunthers und die für den späteren Streit fundamentale Standeslüge.
IV. Analyse des Streits: Detaillierte Untersuchung des Turniergeschehens, des Streits vor dem Münster und der nachfolgenden Rechtshandlungen.
V. Zu den Folgen des Streits: Erörterung der dauerhaften Entzweiung der beiden Frauen und des Racheimpetus, der zum Mordplan führt.
VI. Zur Funktion des Streits im Gesamtwerk: Einordnung der 14. Aventiure als entscheidender Wendepunkt, der die Katastrophe des Untergangs einleitet.
VII. Zur Frage der Schuld: Reflexion über die Mitschuld der Protagonisten und die Rolle des Nicht-Wissens bzw. der Täuschung im Konflikt.
VIII. Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Vorschläge für weitere Forschungsansätze, insbesondere hinsichtlich geschlechterspezifischer Rollenbilder.
Nibelungenlied, Königinnenstreit, Brünhild, Kriemhild, Gunther, Siegfried, Schuldfrage, Standeslüge, 14. Aventiure, höfische Ordnung, Machtanspruch, Schuld, Ehre, Vertragsbruch, Mittelalter
Die Arbeit analysiert den berühmten Königinnenstreit im Nibelungenlied als zentralen Wendepunkt, der den tragischen Untergang der Nibelungen maßgeblich einleitet.
Die Untersuchung konzentriert sich auf machtpolitische Aspekte, den höfischen Ehrenkodex, die sozialen Rollenbilder der Frauen und das Spannungsfeld zwischen Schein und Sein.
Das Ziel ist es, den Streit nicht nur als private Auseinandersetzung zu verstehen, sondern als systemimmanenten Konflikt aufzudecken, der aus den vorangegangenen Täuschungen resultiert.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textnah operiert und den Forschungsstand zur Nibelungendichtung einbezieht.
Der Hauptteil analysiert die dramaturgische Abfolge des Streits – vom Turnier über die Szene am Münster bis hin zur Rechtshandlung des Eids – und beleuchtet die Motivationen der Akteure.
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Macht, Ehre, Standeslüge, Schuld und die symbolische Aufladung von Objekten wie Ring und Gürtel.
Die Autorin sieht darin einen zentralen ständischen Vorwurf Brünhilds, der den Kern der sozialen Deklassierung Siegfrieds und damit auch seiner Frau Kriemhild trifft.
Die Arbeit schließt, dass der Streit aufgrund unvereinbarer Realitätsvorstellungen und der durch die Männer geschaffenen täuschenden Voraussetzungen zwangsläufig in der Katastrophe enden musste.
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