Examensarbeit, 2020
97 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Neuromythen
2.1.1 Lerntypen-Mythos
2.1.2 Ursprünge und Fortbestehen des Mythos
2.1.3 Fachliche Betrachtung des Lerntypen-Theorie
2.1.4 Argumente gegen die Existenz von Lerntypen
2.2 Erklärvideos als didaktisches Medium
2.2.1 Merkmale eines guten Erklärvideos
2.2.2 Didaktische Grundlagen
2.2.3 Alltagsvorstellungen und Konzeptwechsel
2.2.4 Konzeptwechseltexte
2.2.5 Evidence-laden Narratives
2.2.6 Konzeptwechseltexte als Grundlage für Erklärvideos
2.2.7 Implikationen für die Gestaltung von Erklärvideos
2.3 Kognitionspsychologische Grundlagen
2.3.1 Cognitive Load Theory
2.3.2 Cognitive Theory of Multimedia Learning
2.3.2.1 Grundannahmen der CTML
2.3.2.2 Kognitive Belastungen
2.3.2.3 Umgang mit essential overloads
2.3.2.4 Reduktion von extraneous processing
2.3.2.5 Förderung des generative processing
2.3.3 Folgerungen für die Produktion effektiver Videos
2.4 Gehirngerechte Prinzipien
2.4.1 Aufmerksamkeit
2.4.2 Reduktion & Struktur
2.4.3 Wiederholung & Elaboration
2.4.4 Vorwissen aktivieren
2.4.5 Lernstrategierepertoire
2.4.6 Gedächtnissysteme
2.4.7 Metakognition & Struktur
2.4.8 Motivation, Emotion, Kontext & Reihenfolge
2.4.9 Zeit
2.5 Implikationen für die Gestaltung von Erklärvideos
3. Konzeptwechselvideos als Material zur nachhaltigen Widerlegung von Neuromythen
3.1 Konzeption von Konzeptwechselvideos
3.2 Spezifische Umsetzungshinweise
3.2.1 Aktivierung des Vorwissens
3.2.2 Aufgreifen von Alltagsvorstellungen
3.2.3 Widerlegungsimpuls setzen
3.2.4 Kontrastieren
3.2.5 Erweitern
4. Methodik
5. Konzeption eines exemplarischen Konzeptwechselvideos
5.1 Storyboard
5.2 Didaktisch-methodischer Kommentar
5.2.1 Allgemeines
5.2.2 Inhalt und Struktur
5.2.3 Visuelle und auditiv-verbale Umsetzung
6. Diskussion der Ergebnisse
6.1 Videoentwurf
6.2 Material Konzeptwechselvideo
7. Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht, wie Erklärvideos didaktisch und kognitionspsychologisch gestaltet sein müssen, um weit verbreitete Neuromythen, insbesondere den Lerntypen-Mythos, bei (angehenden) Lehrkräften nachhaltig zu widerlegen. Im Zentrum steht der konzeptionelle Entwurf eines sogenannten „Konzeptwechselvideos“, das auf Prinzipien des conceptual changes basiert.
2.1.1 Lerntypen-Mythos
Der am häufigsten verbreitete und persistierende Neuromythos ist die Kategorisierung von Lernenden in verschiedene Lerntypen (KRAMMER et al., 2019; GROSPIETSCH & MAYER, 2019, 2020; MEINHARDT, 2019; KIRSCHNER, 2017; PASHLER et al., 2009; MASSA & MAYER, 2006). Das Angebot an entsprechenden Lerntypen-Tests und Materialien ist bis heute sehr groß und vor allem im Internet häufig anzutreffen. Es zielt hierbei auf Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen ab, indem sie entsprechende Lerntipps für die jeweiligen Lerntypen anbieten (LEHRER-ONLINE, o. D.; LERNCOACH, 2020; SÜTTERLIN, 2020; KRÖSCHEL, 2017). Einer Meta-Analyse wissenschaftlicher Publikationen der Jahre 2013–2015 aus den Datenbanken PubMed und ERIC ist zu entnehmen, dass 89 Prozent der betrachteten research paper dem Vorhandensein von Lerntypen implizit oder sogar direkt zustimmen (NEWTON, 2015) und somit zur Verbreitung beitragen (LANDRUM & MCDUFFIE, 2010).
Im Allgemeinen folgen verschiedene Lerntypen-Konzeptionen einem ähnlichen Schema beziehungsweise gründen auf vergleichbaren Prämissen: Zum einen postulieren sie, dass Individuen einem bestimmten Lerntyp angehören, zum anderen, dass Lernende sich in der Fähigkeit unterscheiden, mit verschiedenen Arten von Informationsdarbietungen umzugehen respektive mit diesen zu lernen. Als daraus abgeleitetes Prinzip wird angenommen, dass eine Passung zwischen vermeintlichem Lerntyp und entsprechendem Instruktionsmaterial zu einer Verbesserung der Lernleistung führt (NEWTON, 2015). Häufig beschreiben angenommene Lernstile jedoch lediglich individuelle Präferenzen von Lernumgebungen statt genuin kognitiver Unterschiede: So berücksichtigt das Learning Style Inventory von DUNN, DUNN & PRICE (1989) zunächst Lernumgebungsparameter wie Lichtverhältnisse, Raumtemperatur oder die Sozialform (WOOLFOLK, 2014).
1. Einleitung: Beleuchtung der zunehmenden Digitalisierung der Lehre und der Problematik der weiten Verbreitung von Neuromythen, die das Lernen behindern können.
2. Theoretischer Rahmen: Umfassende Aufarbeitung der Neuromythen-Problematik, didaktischer Grundlagen für Erklärvideos und kognitionspsychologischer Theorien zur effektiven Informationsverarbeitung.
3. Konzeptwechselvideos als Material zur nachhaltigen Widerlegung von Neuromythen: Herleitung eines Gestaltungsrahmens für Konzeptwechselvideos, der Konzepte aus dem conceptual change und der kognitionspsychologischen Instruktionsgestaltung vereint.
4. Methodik: Erläuterung des methodischen Vorgehens bei der exemplarischen Konzeption des Konzeptwechselvideos anhand eines Storyboards.
5. Konzeption eines exemplarischen Konzeptwechselvideos: Konkrete Vorstellung eines Videoentwurfs in Form eines Storyboards und detaillierte didaktische Kommentierung der gestalteten Elemente.
6. Diskussion der Ergebnisse: Kritische Analyse des Videoentwurfs hinsichtlich Argumentation, kognitiver Belastung und praktischer Umsetzbarkeit sowie Reflexion der Limitationen.
7. Zusammenfassung und Fazit: Rückblick auf die Forschungsarbeit und Ausblick auf die Notwendigkeit zukünftiger empirischer Tests von Konzeptwechselvideos.
Neuromythen, Lerntypen, Erklärvideos, Conceptual Change, Kognitionspsychologie, Cognitive Load Theory, Didaktische Rekonstruktion, Instruktionsdesign, Fehlkonzepte, Multimediales Lernen, Gehirngerechtes Lernen, Lehrkräfteausbildung, Backfire Effect, Wissenstransfer, Lernstrategien.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und didaktischen Konzeption von Erklärvideos, die darauf abzielen, wissenschaftlich widerlegte Lernmythen – sogenannte Neuromythen – effektiv zu entkräften und durch fachlich fundierte Lernkonzepte zu ersetzen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle von Kognitionspsychologie (insbesondere Belastungstheorien wie CLT und CTML), didaktischen Modellen wie der Didaktischen Rekonstruktion und aktuellen Ansätzen zur Korrektur von Fehlvorstellungen durch einen konzeptuellen Wandel (Conceptual Change).
Das Ziel ist die Erarbeitung eines theoretisch fundierten Gestaltungsrahmens für „Konzeptwechselvideos“, um angehende Lehrkräfte nachhaltig über die Fehlerhaftigkeit des Lerntypen-Mythos aufzuklären.
Es handelt sich um eine konzeptionell-theoretische Arbeit, die auf Basis einer umfassenden Literaturanalyse und unter Anwendung kognitionspsychologischer Gestaltungsprinzipien ein exemplarisches Storyboard als innovatives Lehr-Lern-Instrument entwirft und diskutiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Lerntypen-Mythos, die Ableitung von Gestaltungsprinzipien für Erklärvideos aus der Kognitionspsychologie sowie die praktische Anwendung dieser Rahmenbedingungen in einem entworfenen Konzeptwechselvideo.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Neuromythen, Conceptual Change, Kognitive Belastung, Didaktische Rekonstruktion und multimediales Lernen charakterisiert.
Er ist deshalb problematisch, weil er zu einer ineffektiven Binnendifferenzierung führt und Ressourcen bindet, anstatt evidenzbasierte Lernstrategien zu vermitteln, die allen Lernenden unabhängig von vermeintlichen Lerntypen zugutekommen würden.
Aufgrund psychologischer Phänomene wie den „Backfire Effects“ (z.B. Worldview Backfire Effect) kann die direkte Konfrontation mit Fakten bei tief verwurzelten Mythen dazu führen, dass der Glaube an den Mythos sogar verstärkt wird; daher ist eine strategische pädagogische Rahmung notwendig.
Denkpausen dienen der aktiven kognitiven Auseinandersetzung und Reflexion der Lernenden über ihre eigenen bisherigen Überzeugungen, was eine Voraussetzung ist, um den „kognitiven Konflikt“ zu lösen, der für einen dauerhaften Konzeptwechsel notwendig ist.
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