Bachelorarbeit, 2022
44 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Sprachwandel – Verfall der deutschen Sprache?
3. Die Genitiv/Dativ-Opposition außerhalb der Präpositionalphrase
3.1 Der Genitiv
3.2 Der Dativ
3.3 Ist der Dativ dem Genitiv sein Tod?
4. Die Genitiv/Dativ-Opposition innerhalb von Präpositionalphrasen
4.1 Präpositionen – vom lexikalischen zum grammatischen Zeichen
4.2 Ursachen der Genitiv/Dativ-Opposition
5. Korpusuntersuchung
5.1 ausgewählte Präpositionen
5.2 Zielsetzung und Auswahl der Korpora
5.3 Methode:
5.4 Auswertung
5.4.1 Ergebnisse aus dem Zeitraum 1952–1957
5.4.2 Vergleich mit den Ergebnissen von 2012–2017
6. Fazit & Ausblick:
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Entwicklung der Kasusrektion nach Präpositionen in der deutschen Standardsprache, mit besonderem Fokus auf die Presse- und Politiksprache. Ziel ist es zu klären, ob der präpositionale Genitiv tatsächlich durch den Dativ verdrängt wird oder ob gegenteilige Tendenzen erkennbar sind, wobei die Gültigkeit verschiedener linguistischer Theorien wie der Grammatikalisierung und des Differenzierungsprinzips anhand einer quantitativen Korpusanalyse überprüft wird.
1. Einleitung
„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Dieser Titel einer Monographie von Bastian Sick aus dem Jahr 2004 ist zu einer Phrase avanciert, die gerne von Deutschlehrenden zitiert wird, wenn Lernende den Dativ an einer Stelle verwenden, an welcher der Genitiv ihrer Meinung nach angebrachter wäre. Besonders häufig sind solche oftmals als Fehler deklarierten Kasusalternationen zwischen Genitiv und Dativ nach einigen spezifischen Präpositionen zu beobachten, die trotz ursprünglich eindeutiger Rektionen vermehrt Unsicherheit bei den Sprachbenutzer*innen hinaufbeschwören. Oder heißt es gemäß dem Dativ trotz ursprünglich eindeutigen Rektionen? Und klingt gemäß des Dativs nicht seriöser? Wissenschaftlicher?
Diese Beispiele deuten auf die Problematik hin, welche mit Präpositionen wie trotz und gemäß verbunden ist und die Motivation für diese Arbeit darstellt. Nach dem Sprachgefühl könnten beide Varianten – sowohl die Dativ- als auch die Genitivrektion – korrekt sein, so dass sich auch Muttersprachler*innen nicht immer einig sind, in welchen Fall die Präpositionalphrase zu setzen ist. Geht man von Sicks Buchtitel und der Meinung vieler Nichtlinguisten aus, wird fälschlicherweise vorwiegend der Dativ nach Genitivpräpositionen verwendet, wodurch der Genitiv in diesem Bereich vom Dativ verdrängt werde. Aber ist der Genitiv im präpositionalen Bereich aufgrund eines dominierenden Dativs tatsächlich auf dem Rückzug?
In Anlehnung an diese Frage widmet sich die vorliegende Arbeit dem Thema, ob der Dativ dem präpositionalen Genitiv sein Tod sei. Dazu wird theoretisch anhand von einschlägiger Forschungsliteratur und empirisch anhand einer Korpusuntersuchung beleuchtet, inwiefern beim präpositionalen Genitiv in der deutschen Standardsprache durch eine zunehmende Verwendung des Dativs eine rückläufige Gebrauchsfrequenz zu beobachten ist. Ein Augenmerk liegt dabei darauf, welche Erklärungen für diese oder andere zu Tage geförderte Entwicklungstendenzen bezüglich der Genitiv/Dativ-Opposition im präpositionalen Bereich gefunden werden können. Standardsprache wird für diese Arbeit als konzeptionell schriftliche Sprache definiert, die an den geltenden Sprachnormen orientiert ist. Im Besonderen soll es hierbei um die deutsche Presse- und Politiksprache gehen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Genitiv/Dativ-Opposition nach Präpositionen ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage, ob der Genitiv tatsächlich vom Dativ verdrängt wird.
2. Sprachwandel – Verfall der deutschen Sprache?: Dieses Kapitel beleuchtet theoretische Konzepte des Sprachwandels und des Sprachverfalls, um den theoretischen Kontext für die folgenden Analysen zu schaffen.
3. Die Genitiv/Dativ-Opposition außerhalb der Präpositionalphrase: Hier werden die Funktionen von Genitiv und Dativ außerhalb von Präpositionalphrasen detailliert betrachtet, um den allgemeinen Status beider Fälle einzuordnen.
4. Die Genitiv/Dativ-Opposition innerhalb von Präpositionalphrasen: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen für Kasusrektionen spezifisch bei Präpositionen vor und erörtert grammtikalisierungstheoretische Ursachen für Kasusvariationen.
5. Korpusuntersuchung: Dieser zentrale Teil der Arbeit beschreibt die methodische Vorgehensweise und präsentiert die Ergebnisse der empirischen Analyse in den ausgewählten Korpora für beide Zeiträume.
6. Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsansätze.
Sprachwandel, Genitiv, Dativ, Präpositionen, Rektion, Kasusalternation, Korpuslinguistik, Grammatikalisierung, Sprachverfall, Standardsprache, Politiksprache, Sprachgebrauch, Sprachnorm, Prototypisierung, Prestigefaktor.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Genitiv und Dativ nach Präpositionen in der deutschen Sprache und geht der Frage nach, ob der Genitiv in diesem Bereich tatsächlich an Boden verliert.
Die zentralen Themen sind Sprachwandel, die Rektion von Präpositionen, die Unterscheidung zwischen Standard- und Umgangssprache sowie die empirische Analyse von Sprachgebrauch in Presse- und Politiktexten.
Das primäre Ziel ist zu klären, inwieweit der präpositionale Genitiv durch den Dativ ersetzt wird und ob dieser vermeintliche Verfall ein natürlicher Teil des Sprachwandels oder ein systematischer Rückgang ist.
Es wird ein quantitativer korpuslinguistischer Ansatz gewählt, bei dem Textbelege aus zwei Zeiträumen (1952–1957 und 2012–2017) analysiert werden, um Tendenzen in der Sprachverwendung objektiv nachzuweisen.
Der Hauptteil deckt theoretische Grundlagen zur Kasusrektion ab, beschreibt das Prinzip der Grammatikalisierung und führt eine detaillierte Korpusuntersuchung anhand von sechs ausgewählten Präpositionen durch.
Neben den Kernbegriffen wie Sprachwandel, Genitiv und Dativ sind insbesondere die grammatikalische Rektion, der korpuslinguistische Zugang und der soziolinguistische Aspekt (Prestige) zentral.
Nein, die Ergebnisse der Korpusanalyse widerlegen die These eines flächendeckenden Genitivrückgangs und zeigen in der Presse- und Politiksprache eine überraschende Dominanz des Genitivs.
Obwohl es leichte Unterschiede gibt, zeigen beide Korpora keinen belegbaren Trend zur Verdrängung des Genitivs durch den Dativ, wobei die Bundestagsdaten eine teilweise stärkere Schwankung aufweisen.
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