Magisterarbeit, 2008
93 Seiten, Note: 1,15
1 Einleitung
2 Die Staatsraison - Definition
2.1 Gute und schlechte Staatsraison
2.2 Ursprung der Staatsraison
3 Italien zur Zeit Machiavellis
3.1 Innere Zerrissenheit der Apeninenhalbinsel
3.2 Cesare Borgia
4 Necessità, Qualità de’ tempi, Fortuna, Virtù, Occasione/ragione
4.1 Necessità
4.2 Qualità de’ tempi
4.3 Fortuna
4.4 Virtù
4.5 Occasione/ragione
5 Analyse des menschlichen Wesens bei Machiavelli
5.1 Machiavellis historisch-empirische Methode
5.2 Realitätsbezug Machiavellis
5.3 Machiavellis Menschenbild
5.4 Ambizione
5.5 Avaritia
5.6 Machiavelli der Menschenfreund
6 Staatsraison als Handlungsmaßstab der politischen Klasse
6.1 Die Loslösung der Politik von der Moral
6.2 Machiavelli als neuzeitlicher Denker der Staatsraison
6.3 Exkurs: Machiavellis uomo virtuoso und Rousseaus législateur
6.4 Romulus
6.5 Das Bild vom Fuchs und vom Löwen
6.6 Die Religion und die Staatsraison
7 Machiavellis Republikanismus
8 Politische Erziehbarkeit der Menschen
8.1 Gute Sitten als Teil der Staatsraison
8.2 Exkurs: Politische Erziehung in Deutschland nach 1945
9 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Staatsraison bei Niccolò Machiavelli, um aufzuzeigen, dass dieser entgegen der weit verbreiteten Fehlinterpretation kein Befürworter skrupelloser Machtpolitik war, sondern als pragmatischer Menschenfreund den Erhalt des Staates und das damit verbundene Allgemeinwohl anstrebte.
Die Loslösung der Politik von der Moral
Liest man Il Principe das erste Mal, so ist der Leser aufgrund der unverholenen Aufrufe zur Gewalt und zum Lügen und Betrügen meist schockiert. Besonders erschreckend ist die Schilderung im 8. Kapitel, wie der von Machiavelli bewunderte Cesare Borgia die Verantwortung für Grausamkeiten seinem Statthalter der Romagna Remiro de Orco übertrug. Nachdem dieser mit Folter und Strenge die Ruhe im Lande wiederhergestellt hatte, befürchtete Borgia, dass dessen Grausamkeit zu Hass gegenüber ihm selbst führen könne. So ließ er den Statthalter öffentlich auf dem Marktplatz hinrichten. Durch diese Tat wurde der Volkszorn besänftigt. Der Statthalter hatte die Verantwortung für die Taten, die im Sinne Borgias waren, übernommen, der Rachdurst des Volkes war befriedigt und der Ruf Cesare Borgias als gütiger Regent gesichert.
Sein Ideal des Fürsten ist der „uomo virtuoso“. Bis zu einem gewissen Grad ist dieses Ideal ein Gegenpol zum „weisen“, tugendhaften Philosophen oder „klugen“, tugendhaften Politiker der antiken Polis. Ist der „uomo virtuoso“, also der „bauernschlaue“ Politiker, der der Politiker eines Aristoteles nicht ist. Ist der porträtierte Fürst ein egoistischer Tyrann, wie ihn Ottmann sieht? So erklärt dieser über Machiavellis Fürsten: „Aber der Fürst, den er [Machiavelli G.F.] porträtiert und sich herbeiwünscht, ist nichts anderes als der alte Tyrann, wie man ihn seit der Antike gezeichnet hat, herrschend mit List und Gewalt.“
Der Fürst ist auf jeden Fall ein Machtmensch. Man kann ferner provokativ fragen, ob es denn negativ und untugendhaft, seine Handlungen an den qualità dei tempi und der necessità auszurichten? Die reine Verfolgung von Überzeugungen mit allen Machtmitteln fragt nicht nach den moralischen Problemen, die sich aus einer derartigen Politik ergeben. Machiavelli ist sich aber der Problematik bewusst. Er sieht die Probleme und das Schlechte von grausamen Mitteln und beschränkt sie insofern, dass sie dem Staat und den Bürgern nutzen müssen. Im 8. Kapitel des Principe schreibt er über die Grausamkeit: „Gut angewandt kann man solche nennen – wenn es erlaubt ist, vom Schlechten etwas Gutes zu sagen -, die man auf einen Schlag ausführt aufgrund der Notwendigkeit [necessità], sich zu sichern, und bei denen man dann nicht verharrt, sondern sie – soweit wie möglich – in Wohltaten für die Untertanen verwandelt.“
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die umstrittene Wahrnehmung Machiavellis als vermeintlicher „Lehrer des Bösen“ ein und skizziert das Ziel der Arbeit, ihn stattdessen als einen auf das Gemeinwohl orientierten Realisten zu porträtieren.
2 Die Staatsraison - Definition: In diesem Kapitel werden verschiedene Definitionen der Staatsraison diskutiert und der Begriff in den historischen Kontext sowie in Bezug zu anderen Denkern wie Hobbes und Aristoteles gesetzt.
3 Italien zur Zeit Machiavellis: Hier wird die politische Zerrissenheit Italiens zur Zeit der Renaissance sowie die zentrale Rolle Cesare Borgias als (ambivalentes) Handlungsmodell für Machiavelli analysiert.
4 Necessità, Qualità de’ tempi, Fortuna, Virtù, Occasione/ragione: Dieses Kapitel erläutert die für Machiavellis Theorie fundamentalen Begriffe, die als notwendige Werkzeuge für das Verständnis seines politischen Denkens dienen.
5 Analyse des menschlichen Wesens bei Machiavelli: Der Autor untersucht das eher pessimistische Menschenbild Machiavellis, geprägt durch Begriffe wie Ambizione und Avaritia, und stellt gleichzeitig heraus, warum dies nicht mit Menschenhass gleichzusetzen ist.
6 Staatsraison als Handlungsmaßstab der politischen Klasse: Das umfangreiche Kapitel analysiert, wie Politik und Moral bei Machiavelli getrennt werden, um durch effektives Handeln Ordnung im Staat zu sichern, wobei auch die Rolle der Religion und historische Vergleiche herangezogen werden.
7 Machiavellis Republikanismus: Hier wird dargelegt, dass Machiavellis Idealvorstellung keine absolute Herrschaft ist, sondern eine stabile, republikanische Mischverfassung, die dem Zirkel von Aufstieg und Verfall der Staaten entgegenwirkt.
8 Politische Erziehbarkeit der Menschen: Dieses Kapitel behandelt Machiavellis Überzeugung, dass ein Staat durch gute Gesetze und Führung die Bürgertugenden fördern und somit die Menschen zu einem verantwortungsvollen Zusammenleben erziehen muss.
9 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Machiavellis Ratschläge als „medizinische“ Maßnahme in Krisenzeiten zu verstehen sind, wobei der Erhalt des Staates und das Wohl der Bürger stets das primäre Ziel bleiben.
Staatsraison, Niccolò Machiavelli, Politische Philosophie, Necessità, Virtù, Fortuna, Menschenbild, Gemeinwohl, Staatserhalt, Cesare Borgia, Handlungsmaxime, Republikanismus, Politische Ethik, Macht, Realpolitik
Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Theorie von Niccolò Machiavelli, insbesondere mit seinem Konzept der Staatsraison, und setzt sich kritisch mit dessen Ruf als skrupellosem Machtdenker auseinander.
Im Zentrum stehen die Definition der Staatsraison, die Analyse der politischen Instabilität im Italien der Renaissance, die Bedeutung der menschlichen Natur für politisches Handeln und die normative Zielsetzung des Staatserhalts.
Das Hauptziel ist es, nachzuweisen, dass Machiavellis Handlungsanweisungen primär auf den Erhalt des Staates und das Wohlergehen der Bürger abzielten, womit er sich eher als besorgter Menschenfreund denn als Anhänger amoralischer Machtpolitik erweist.
Der Autor nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, indem er Machiavellis Schriften – vor allem „Der Fürst“ und die „Discorsi“ – in ihrem historischen Kontext analysiert und sie mit Interpretationen namhafter Philosophen und Politikwissenschaftler kontrastiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung grundlegender Begrifflichkeiten (wie Necessità und Virtù), die Analyse des menschlichen Wesens, die theoretische Herleitung der Staatsraison als Handlungsmaßstab und die Auseinandersetzung mit Machiavellis republikanischen Staatsvorstellungen.
Die wichtigsten Schlagworte sind Staatsraison, Virtù, Necessità, Realpolitik, Allgemeinwohl, Menschenbild und Staatserhalt.
Der Autor argumentiert, dass die Loslösung der Politik von der Moral bei Machiavelli kein Selbstzweck ist, sondern ein notwendiges, situationsbezogenes Mittel, um in Zeiten von Chaos und Krise Stabilität und damit ein friedliches Leben für die Bürger zu ermöglichen.
Der Autor weist diese Bezeichnung zurück und relativiert sie durch den Hinweis, dass Machiavelli lediglich die „grausame Realität“ seiner Zeit analysierte und seinem „Patienten“ Staat eine bittere, aber notwendige Medizin verschrieb, um dessen Überleben zu sichern.
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