Bachelorarbeit, 2022
54 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die „Quellen“
2.1. Die antiken Quellen
2.2. Oliver Stones „Alexander“
3. Gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Antike
3.1. Das Dover-Modell
3.2. Andere Homoerotik
3.2.1. Achilles und Patroklos
3.2.2. Makedonien
4. Alexanders Beziehungen zu Männern
4.1. Einordnung von Alexanders Beziehungen
4.1.1. Hephaistion als Alexanders Jugendfreund
4.1.2. Alexander und Hephaistion als Achilles und Patroklos
4.1.3. Hephaistion als Alter Ego von Alexander
4.2. Alexanders Beziehungen als Zeichen seines Verfalls
4.2.1. Alexanders und Hephaistions parallele Verfallsgeschichte
4.2.2. Bagoas als Symbol für die orientalische Verführung
4.3. Stones Einordnung in moderne Kategorien
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Alexanders Beziehungen zu Männern in den antiken Quellen und vergleicht diese mit der filmischen Umsetzung in Oliver Stones „Alexander“ (2004), um herauszuarbeiten, wie historische Muster genutzt oder umgeformt wurden.
3.1. Das Dover-Modell
Nun da geklärt ist, unter welchen Bedingungen der Film entstand, können wir uns den gleichgeschlechtlichen Beziehungen in der Antike zuwenden. Was homoerotische Beziehungen unter Männern angeht, gab es in Griechenland ab der Archaik größtenteils dasselbe System. Es wird nach dem britischen Gräzisten Sir Kenneth Dover und seinem Werk „Greek Homosexuality“ aus 1978 von einigen in der Forschung als das „Dover-Modell“ bezeichnet.
Dabei wird Sex als eine Handlung angesehen, die der eine Partner am anderen ausübt und nicht als gegenseitiges Unternehmen von zwei oder mehr Personen. So reflektierte es die hierarchischen Strukturen der Gesellschaft, indem eine feste Rolleneinteilung vorgenommen wurde. Ein erwachsener männlicher Bürger musste immer den aktiven Part spielen und penetrierte den passiven Partner, der ihm sozial untergeordnet war. Sexuelle Partner wurden nicht eingeteilt in Männer und Frauen, sondern in dominant und aktiv sowie unterlegen und passiv, weshalb es in der Antike auch keine Einteilung in Homosexualität und Heterosexualität gab. Ein erwachsener männlicher Bürger konnte folglich Sex mit Frauen, Jungen, Prostituierten und Sklaven haben, da sie alle nicht dieselben Rechte besaßen wie er. „Aktive Homosexualität“ war vollkommen natürlich für männliche Bürger in der Antike.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Alexanders Beziehungen zu Männern in antiken Quellen dargestellt wurden und wie diese in Oliver Stones „Alexander“ interpretiert und abgebildet werden.
2. Die „Quellen“: Das Kapitel bietet einen kritischen Überblick über die verlorenen zeitgenössischen Quellen zu Alexander und analysiert die Verlässlichkeit der erhaltenen antiken Autoren wie Diodor, Curtius, Plutarch und Arrian sowie die verschiedenen Filmversionen von Oliver Stone.
3. Gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Antike: Hier werden die theoretischen Grundlagen der antiken Sexualität und Homoerotik, insbesondere das Dover-Modell, sowie spezifische historische Kontexte wie die Beziehung von Achilles und Patroklos und makedonische Traditionen untersucht.
4. Alexanders Beziehungen zu Männern: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Einordnung von Alexanders Bindungen zu Hephaistion und Bagoas unter Berücksichtigung von Alter-Ego-Motiven, Verfallsgeschichten und der modernen filmischen Einordnung in heutige Kategorien.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Alexanders Beziehungen in den antiken Quellen stark von literarischen Modellen geprägt sind und Stone diese teilweise übernimmt, zugleich jedoch modernisiert, um eine „Bromance“-Struktur zu etablieren, die in der Forschung jedoch umstritten bleibt.
Alexander der Große, Hephaistion, Bagoas, Homoerotik, Antike, Oliver Stone, Verfallsgeschichte, Alter-Ego-Motiv, Achilles und Patroklos, Dover-Modell, Quelle, Filmrezeption, Antikdarstellung, Männlichkeit, Persienpolitik.
Die Arbeit analysiert, wie Alexanders gleichgeschlechtliche Beziehungen in der antiken Literatur dargestellt wurden und wie diese antiken Narrative in das Filmepos „Alexander“ von Oliver Stone aus dem Jahr 2004 einflossen oder modifiziert wurden.
Die zentralen Themen sind die historische Glaubwürdigkeit antiker Alexander-Quellen, die Konzepte griechischer Homoerotik (speziell das Dover-Modell) sowie die filmische Konstruktion von männlichen Identitäten und Machtstrukturen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und wie antike Autorenabhängig von ihren eigenen kulturellen Standards und Zielen die Beziehungen Alexanders charakterisierten und welche dieser Bilder durch Oliver Stone für ein modernes Publikum neu interpretiert wurden.
Die Autorin bedient sich einer quellenkritischen Analyse der antiken Literatur sowie einer filmwissenschaftlichen Untersuchung der verschiedenen Schnittfassungen von Oliver Stones „Alexander“.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung antiker Homoerotik-Modelle, die Analyse der Beziehung zu Hephaistion als „Jugendfreund“ oder „Alter Ego“ und die Darstellung von Bagoas als Symbol für den vermeintlichen Sittenverfall Alexanders.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Alexander der Große, Hephaistion, Antike, Verfallsgeschichte, Alter-Ego-Motiv, Homoerotik und Filmrezeption.
In den Quellen wird Bagoas oft als manipulativer „Lustknabe“ dargestellt, der symbolisch für den von Alexander angenommenen, als dekadent wahrgenommenen persischen Lebensstil steht, was die historische Objektivität der Berichte erschwert.
Während die antiken Quellen Hephaistion teilweise in eine negative Charakterentwicklung zu Alexanders Niedergang einbinden, stilisiert ihn Stone im Film zu einer moralisch positiven Identifikationsfigur und „Ehefrau“, die Alexander vor den korrumpierenden Einflüssen des Orients bewahren will.
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