Magisterarbeit, 2008
188 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
1.1 Methodische Vorbemerkungen
1.2 Forschungsstand
1.3 Filmauswahl und empirische Umsetzung
II. Hauptteil: Die Filmwirtschaft von 1945 bis 1949
2.1. Wirtschaftliche Umstrukturierung der Filmproduktion in den westlichen Besatzungszonen
2.1.1 Lizenzierung und Filmzensur
2.1.2 Hollywood als „Umerzieher“
2.1.3 Gründung der FSK in der BRD
2.2 Neuaufbau der Filmproduktion in der Sowjetischen Besatzungszone
2.2.1 Gründung des „Filmaktivs“ und der DEFA
2.2.2 Zwischen personeller Kontinuität und ästhetischer Neuorientierung
2.2.3 Politischer Einfluss auf die DEFA
2.3 Vermarktung des UFA-Erbes und interzonaler Filmaustausch
2.4 Die doppelte Staatsgründung und wachsende Systemkonkurrenz
2.5 Zusammenfassung
III. Historischer Vergleich ausgewählter Spielfilme von 1946 bis 1953 und ihre Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus — Zwischen Wandel und Beständigkeit
3.1 „Trümmerfilm“ und Zeitfilm
3.1.1 Von Kriegsheimkehrern, der Frage nach Schuld, Rache und Menschlichkeit in der „dunklen Zeit“ — Filme von 1946 bis 1949
3.1.1.1 Die Mörder sind unter uns
3.1.1.2 In jenen Tagen
3.1.1.3 Zwischen Gestern und Morgen
3.1.1.4 …Und über uns der Himmel
3.1.2 Juden als Opfer
3.1.2.1 Ehe im Schatten
3.1.2.2 Morituri
3.1.2.3 Lang ist der Weg
3.1.3 Die Suche nach den Ursachen des Nationalsozialismus bei der DEFA und psychologische Abgründe der Heimkehrerproblematik
3.1.3.1 Die Buntkarierten
3.1.3.2 Rotation
3.1.3.3 Liebe 47
3.2. Wachsende Systemkonkurrenz und Kalter Krieg — Legitimierung neuer Gesellschaftsordnungen im Spielfilm in DDR und BRD 1949 bis 1953
3.2.1 DDR: Unser täglich Brot
3.2.2 DDR: Der Rat der Götter
3.2.3 BRD: Weg ohne Umkehr
3.2.4 BRD: Der Verlorene — Versuch eines „Film-Noir“ als Gegenentwurf zu den westdeutschen „Boring Fifties“
3.3 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
IV. Exkurs: Ablehnung des „Italienischen Neorealismus“ bzw. „Kritischen Realismus“ in DDR und BRD
4.1 Rom-offene Stadt und Deutschland im Jahre Null - Verwerfung pessimistischer Weltsichten
4.1.1 Fallbeispiel: Rom-offene Stadt
4.1.2 Fallbeispiel: Deutschland im Jahre Null
4.2 Die Formalismusdebatte in der DDR: „Sozialistischer Realismus“ vs. „Kritischer Realismus“
4.3 Das Beil von Wandsbek - Der erste Zensurfall der DDR
4.4 Kollektive Abwehr der kritischen Auseinandersetzung mit dem NS im Kino?
V. Vergleich der cineastischen Diskurse mit der zeitgenössischen Einstellung und öffentlich-politischen Diskussion zur „Vergangenheitsbewältigung“ und „Schuldfrage“
5.1 „Vergangenheitsbewältigung“ in den westlichen Besatzungszonen und der BRD
5.2 „Verordnete Vergangenheitsbewältigung“ und Antifaschismus als Gründungskonsens in der SBZ/DDR
5.3 Wechselseitige Bezugsrahmen der „doppelten Bewältigung“ - der Spielfilm als ein Medium der Konstruktion des kollektiven Gedächtnisses
5.4 Einige vergleichende Thesen zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Film, Öffentlichkeit und Politik der Nachkriegszeit
5.5 Fazit und Ausblick:
VI. Anhang-Sequenzprotokolle und Credits
Die Magisterarbeit untersucht interdisziplinär, wie deutsche Nachkriegsspielfilme zwischen 1946 und 1953 als Medium der Konstruktion des kollektiven Gedächtnisses fungierten und wie sie den Umgang mit dem Nationalsozialismus in den beiden deutschen Staaten sowie den westlichen Besatzungszonen widerspiegelten.
Die Mörder sind unter uns
Der erste deutsche Nachkriegsspielfilm wurde durch Wolfgang Staudte in der SBZ realisiert. Noch einen Monat bevor die DEFA offiziell ihre Lizenz erhielt, begann am 16. März 1946, nach Abschluss des Drehbuchvertrages am Vortag, der erste Drehtag von Die Mörder sind unter uns im Atelier in Babelsberg. Nach seiner Uraufführung am 15.10.1947 erreichte der Film bis 1951 5,2 Millionen Zuschauer in allen vier Sektoren.
Die Geschichte handelt von der jungen Jüdin Susanne Wallner, die aus dem KZ ins zerstörte Berlin heimkehrt und dort auf den resignierten Arzt Dr. Mertens trifft, der seine Kriegstraumata in Alkohol zu ertränken sucht. Als Mertens auf seinen ehemaligen Vorgesetzten Brückner trifft, der nun aus Stahlhelmen Kochtöpfe herstellt, hegt er den Plan diesen zu erschießen, um Rache zu üben. Brückner hatte am Weihnachtsabend in Polen 1942 die Erschießung unschuldiger Männer, Frauen und Kinder angeordnet und ist nun zum gut situierten Bürger aufgestiegen. Susanne kann den Mordversuch verhindern und Mertens sieht von seinen Rachegedanken ab, in der Gewissheit, dass die Gesellschaft Anklage gegen die Mörder erheben wird.
I. Einleitung: Die Einleitung verknüpft Filmanalyse mit Kulturgeschichte und dem Forschungsfeld der Erinnerungskultur, um den Vergleich deutscher Nachkriegsfilme methodisch zu begründen.
II. Hauptteil: Die Filmwirtschaft von 1945 bis 1949: Dieses Kapitel analysiert die ökonomischen und institutionellen Rahmenbedingungen der Filmproduktion nach der Kapitulation unter den verschiedenen Besatzungsmächten.
III. Historischer Vergleich ausgewählter Spielfilme von 1946 bis 1953 und ihre Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus — Zwischen Wandel und Beständigkeit: Hier erfolgt eine detaillierte chronologische und thematische Untersuchung der filmischen Diskurse zum Nationalsozialismus, unterteilt in verschiedene Phasen.
IV. Exkurs: Ablehnung des „Italienischen Neorealismus“ bzw. „Kritischen Realismus“ in DDR und BRD: Dieser Abschnitt beleuchtet die kulturpolitische Ablehnung und Zensur neorealistischer Ansätze und die Formalismusdebatte als Ausdruck ideologischer Auseinandersetzungen.
V. Vergleich der cineastischen Diskurse mit der zeitgenössischen Einstellung und öffentlich-politischen Diskussion zur „Vergangenheitsbewältigung“ und „Schuldfrage“: Das letzte inhaltliche Kapitel setzt die filmischen Befunde in Bezug zu den realen gesellschaftlichen und politischen Prozessen der Vergangenheitsbewältigung in Ost und West.
Nachkriegsfilm, Nationalsozialismus, DEFA, kollektives Gedächtnis, Vergangenheitsbewältigung, Zeitfilm, Trümmerfilm, Filmzensur, deutsche Teilung, Schuldfrage, Erinnerungskultur, Antifaschismus, Systemkonkurrenz, sowjetische Besatzungszone, Bundesrepublik Deutschland
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Spielfilme der Nachkriegszeit das Thema Nationalsozialismus aufgegriffen haben und welche Rolle diese Filme als Medium für die Konstruktion eines kollektiven Gedächtnisses spielten.
Die zentralen Themen umfassen die Filmwirtschaft der Nachkriegszeit, die Rolle der Zensur, die filmische Auseinandersetzung mit Schuld und Vergangenheit sowie der Vergleich zwischen der Filmproduktion in der sowjetischen Besatzungszone (später DDR) und den westlichen Zonen (später BRD).
Das Ziel ist es, ein komplexes Bild der Erinnerungskultur der Nachkriegsjahre bis 1953 zu rekonstruieren und zu analysieren, wie Filme als ästhetische Repräsentationen und gleichzeitig als Abbilder gesellschaftlicher Wirklichkeit fungierten.
Die Arbeit verknüpft einen historisch-vergleichenden Ansatz mit der Diskursanalyse, ergänzt durch die Analyse filmischer Primärquellen und Sequenzprotokolle.
Im Hauptteil wird zunächst die ökonomische Neuordnung des Filmwesens beschrieben, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der filmischen Bearbeitung von NS-Themen und der Reaktion auf stilistische Einflüsse wie den italienischen Neorealismus.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Trümmerfilm, Vergangenheitsbewältigung, DEFA, Systemkonkurrenz, Erinnerungskultur und der deutsche Nachkriegsfilm.
Dieser Film markiert das erste große Zensurereignis der DDR-Filmkultur und illustriert den Konflikt zwischen dem „Kritischen Realismus“ und den von der SED geforderten Normen des „Sozialistischen Realismus“.
Sie werden als filmhistorische Strömung analysiert, die versuchte, sich von der NS-Ästhetik zu lösen, aber dennoch tief in der sozialen Realität und der Problematik der Heimkehrer verankert blieb.
Während die DDR den Antifaschismus zum Gründungskonsens erhob und eine politisch-agitatorische Auseinandersetzung forderte, dominierte in der BRD zunehmend eine Tendenz zur Verdrängung und zur Konzentration auf wirtschaftlichen Wiederaufbau.
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