Masterarbeit, 2022
46 Seiten, Note: 2.0
1 Einleitung
2 Michel Foucault und die Macht
2.1 Das politische Tier
2.2 Was ist Macht?
2.2.1 Die Souveränitätsmacht – Sterben machen und Leben lassen
2.2.2 Die Disziplinarmacht und die Individualisierung
2.2.3 Die Gouvernementalität – Disziplinarmacht trifft auf Biomacht
2.3 Die Biopolitik – hin zur Normalisierung
2.3.1 Der Tod ist nicht mehr das, was er früher einmal war…
2.3.2 …und das Leben schon gar nicht – Leben machen und Sterben lassen
2.3.3 Die Schnittstellen der Machtpraktiken
3 Infektionen als Metapher der Macht
3.1 Der Umgang mit COVID-19 in der Schweiz
3.1.1 Der Umgang mit COVID-19 in Singapur
3.2 Sage mir, wie du mit Epidemien umgehst und ich sage dir, wie du regierst
3.2.1 Die Lepra – Metapher für die Souveränitätsmacht
3.2.2 Die Pest – Metapher für die Disziplinarmacht
3.2.3 Die Pocken – Metapher für Gouvernementalität und Biopolitik
3.2.4 Corona – Metapher wofür?
3.2.5 Corona-Lockdown – Souveränitätsmacht, Disziplinarmacht, Biomacht?
3.2.6 Braucht es eine neue Macht?
4 Die Zusammenhänge
4.1 Foucault wörtlich genommen
4.1.1 Lepra – Souveränitätsmacht – Ausgrenzen
4.1.2 Pest – Disziplinarmacht – Überwachen
4.1.3 Pocken – Gouvernementalität/Biopolitik – Wissen
4.2 Corona – Medien – Manipulation
4.2.1 Die Wahrheit in der VUCA-Welt
4.2.2 Von der Kontroll- zur Manipulationsgesellschaft?
4.3 Macht und deren Auswirkungen sind Ansichtssache
4.4 Was wir von Foucault lernen können
4.4.1 Foucault als Startpunkt
4.4.2 Foucault weiter denken
Die Masterarbeit untersucht die Machtverhältnisse während der COVID-19-Pandemie in der Schweiz unter Rückgriff auf die Machttheorien des Philosophen Michel Foucault. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und wie Foucaults machttheoretische Konzepte – entwickelt anhand von Infektionskrankheiten wie Lepra, Pest und Pocken – als Analysewerkzeug dienen können, um die staatlichen Reaktionen und gesellschaftlichen Spannungsfelder der Coronakrise zu verstehen.
2.2.1 Die Souveränitätsmacht – Sterben machen und Leben lassen
Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts galt der menschliche Körper als Ziel der strafenden Repression. Verfehlungen, die das biblische «Du sollst nicht…» tangierten, bestrafte der Souverän physisch: Es ging um die Zerstörung des Individuums; eine sehr direkte Art der Machtausübung.
Als letzte Episode der Bestrafungspraxis einer (juridischen) Souveränitätsmacht beschrieb Foucault die Hinrichtung von Robert-Francois Damiens in Paris im Jahr 1757 (Foucault, 1994). Damiens hatte versucht, König Ludwig XV. zu ermorden. Obwohl es beim Versuch blieb, bestrafte man Damiens wie einen Königsmörder, denn das französische Gesetz machte da keinen Unterschied. Das Urteil sah zahlreiche Bestrafungen vor, welche die komplette physische Vernichtung von Damiens zum Ziel hatte. Bevor ihn der Scharfrichter Nicolas-Charles-Gabriel Sanson sterben liess, verkohlte er ihm gemäss Urteil die Tathand mit brennendem Schwefel und folterte ihn mit glühenden Zangen. Danach goss Sanson flüssiges Pech, Blei, Schwefel sowie kochendes Öl in seine Wunden. Sechs Pferde waren nötig, Damiens zu vierteilen; was erst nach dem Durchtrennen der Arm- und Beinsehnen gelang. Damiens’ Körperteile wurden zu Asche verbrannt und in alle Winde zerstreut. Das Urteil reichte sogar bis zu seinem Besitz und in seine Verwandtschaft hinein: Damiens Haus wurde abgerissen und auf dem Grundstück ein Bauverbot erlassen. Die Geschwister mussten unter Androhung des Todes ihre Namen ändern und seine Eltern, seine Frau sowie die Kinder wurden des Landes verwiesen. Der Souverän stellte auf diese Weise seine verletzte Integrität unmissverständlich wieder her.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Machtverhältnisse während der Coronapandemie ein und stellt die Relevanz der foucaultschen Macht-Thesen für das Verständnis der Reaktionen von Behörden und der Bevölkerung dar.
2 Michel Foucault und die Macht: Dieses Kapitel erläutert die von Foucault geprägten Machtbegriffe wie Souveränitätsmacht, Disziplinarmacht und Gouvernementalität und verknüpft diese mit dem Konzept der Biopolitik.
3 Infektionskrankheiten als Metapher der Macht: Der Hauptteil analysiert, wie Foucault Infektionskrankheiten (Lepra, Pest, Pocken) als Denkmodelle für sich wandelnde Machtstrukturen nutzte und wie diese auf aktuelle Pandemieereignisse übertragen werden können.
4 Die Zusammenhänge: Das abschließende Kapitel synthetisiert die gewonnenen Erkenntnisse, reflektiert die Rolle der Medien und Manipulation in der Informationsgesellschaft und diskutiert, was aus Foucaults Analysen für zukünftige Krisen gelernt werden kann.
Michel Foucault, Macht, Biopolitik, Biomacht, Souveränitätsmacht, Disziplinarmacht, Gouvernementalität, Pandemie, COVID-19, Infektionskrankheiten, Wissen, Kontrolle, Überwachung, Medien, Manipulation.
Die Arbeit analysiert die Machtdynamiken der Coronapandemie durch die theoretische Linse des französischen Philosophen Michel Foucault.
Dazu gehören Machtstrukturen, das Zusammenspiel von Wissen und staatlicher Überwachung sowie die historische Entwicklung von Machtpraktiken mittels Infektionsmetaphern.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob und inwieweit Foucaults Machttheorien dazu beitragen können, die Ereignisse und staatlichen Reaktionen während der Coronakrise besser zu verstehen.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Foucaults geschichtliche Rekonstruktion von Macht (am Beispiel von Lepra, Pest und Pocken) als Analyseraster auf die aktuelle Pandemie anwendet.
Der Hauptteil beleuchtet die Begriffe Gouvernementalität, Biomacht und Biopolitik und vergleicht den Umgang mit dem Coronavirus in der Schweiz und in Singapur.
Kernbegriffe sind Macht, Biopolitik, Kontrollgesellschaft, Disziplinarmacht, Pandemie und Wissen.
Bei der Lepra stand die Ausgrenzung der Infizierten aus der Gesellschaft im Vordergrund, während bei der Pest die Disziplinierung und Überwachung der gesamten Bevölkerung zum zentralen Mechanismus wurde.
In der Kontrollgesellschaft zählt nicht mehr das Individuum an sich, sondern die Auswertbarkeit von Daten über Verhalten, Gesundheit und Konsum der Masse, was aus dem Individuum ein "Dividuum" macht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

