Bachelorarbeit, 2022
41 Seiten, Note: 2,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einleitung
2 Die böse Stiefmutter
2.1 Die Schönste im ganzen Land
2.2 Die Hexe der schwarzen Magie
3 Die Selbstverwirklichungsphasen
3.1 Das Zwergenhaus
3.2 Warum das Böse sterben muss
3.3 SWs aktive versus passive Bekämpfung des Bösen
3.4 . . . and they lived happily ever after?
4 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das Märchen „Sneewittchen“ der Brüder Grimm mit der Disney-Verfilmung „Snow White and the Seven Dwarfs“ von 1937 unter besonderer Berücksichtigung der moralischen Konzepte und der Selbstverwirklichungsphasen der Hauptfigur. Dabei wird analysiert, inwiefern die beiden Werke trotz ihrer unterschiedlichen historischen Kontexte und medialen Formen dieselbe Moral transportieren, welche Rolle die Stiefmutter als Verkörperung des Bösen einnimmt und ob Sneewittchen in den jeweiligen Versionen eine tatsächliche psychologische Selbstverwirklichung durchläuft.
Die Selbstverwirklichungsphasen
Die narzisstische Kränkung, welche die Stiefmutter durch SW erfährt, löst den Konflikt der Geschichte aus, auf dem die weitere Handlung aufbaut: Die Stiefmutter will SW aufgrund ihrer reifenden Schönheit töten lassen, woraufhin SW in den Wald flüchten muss. Durch den Tötungsauftrag der Stiefmutter an den Jäger widerfährt SW genauso eine narzisstische Kränkung, indem die Stiefmutter ihr dieselben Objekte der Lusterfüllung (König und Prinz) verweigert, die ihr durch SW verweigert werden. Seit der Flucht in den Wald stellt also auch die Stiefmutter für SW das Böse dar. Als Kind ohne eine Vorstellung von der Welt außerhalb des Schlosses ist sie dieser plötzlich ausgesetzt. Ihre kindliche Unerfahrenheit kommt in Grimms Märchen durch ihre Naivität zum Ausdruck, mit der sie der Stiefmutter als ihr gegenüber fremden Person drei Mal in Folge Vertrauen schenkt: „‘Die ehrliche Frau kann ich herein lassen’ dachte Sneewittchen, riegelte die Thüre auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen“56. Darin wird SWs Gutgläubigkeit deutlich, die ihre inneren guten Werte ausmacht.
Indem Disney die Tötungsversuche durch den Schnürriemen und den Kamm weglässt, wird SWs Naivität gemindert. Stattdessen äußert sich ihre kindliche Unschuld im Umgang mit den Waldtieren. Während die Tiere in Grimms Märchen zwar trotz der Bedrohlichkeit des Waldes für SW keine Gefahr darstellen und SW (ab KHM 1819) am Sarg beweinen,57 was den Lesenden deren innige Verbundenheit vermittelt und SWs Unschuld und Naturverbundenheit impliziert, bekommen die Tiere bei Disney mehr Auftritte und gewinnen dadurch an Bedeutung. Sie führen SW zum Zwergenhaus, decken sie im Bett zu, behüten sie und beschützen sie vor der bösen Stiefmutter.58 SW spricht zu den Tieren und singt mit ihnen, wodurch sie einen menschlichen Charakter bekommen.59 Diese Art der Kommunikation bringt verstärkt SWs Herzlichkeit und Einfühlungsvermögen zum Ausdruck.
1 Einleitung: Vorstellung des Märchens, der Disney-Verfilmung und der zentralen Fragestellung, wie die Moral des Guten und des Bösen in beiden Werken trotz unterschiedlicher Entstehungszeiten interpretiert wird.
2 Die böse Stiefmutter: Untersuchung der Figur der Stief- bzw. leiblichen Mutter als Verkörperung des Bösen, basierend auf konkurrierenden Interessen und der narzisstischen Kränkung durch die Schönheit der Tochter.
3 Die Selbstverwirklichungsphasen: Analyse der vier Phasen (Crossing, Encounter, Conquest, Celebration) und wie Sneewittchen vom Kind zur idealen Hausfrau bzw. Mutter reift, wobei die moralische Instanz des Bösen unterschiedlich zerstört wird.
4 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse, bei der festgestellt wird, dass Sneewittchen trotz ihrer individuellen Weiterentwicklung letztlich den Anforderungen des Patriarchats oder einer höheren Macht entspricht – ein „Happy Bad End“.
Sneewittchen, Märchenvergleich, Disney, Selbstverwirklichung, Moral, Stiefmutter, narzisstische Kränkung, Gut und Böse, Geschlechterrollen, Patriarchat, Psychologische Märchendeutung, Initiation, Happy End, Psychoanalyse, Kindheit
Die Arbeit untersucht den moralischen und psychologischen Gehalt der Geschichte von Sneewittchen, indem sie die literarische Vorlage der Brüder Grimm der bekannten Disney-Verfilmung von 1937 gegenüberstellt.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Gut und Böse, die Rollenfindung der Protagonistin, die Bedeutung elterlicher und gesellschaftlicher Zuschreibungen sowie die psychologischen Wachstumsphasen der Hauptfigur.
Die Autorin fragt, nach welchen Richtlinien die Stiefmutter als Verkörperung des Bösen verurteilt wird und inwieweit Sneewittchen durch ihre Entwicklung tatsächlich eine autonome Selbstverwirklichung erfährt.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Märchenforschung, insbesondere auf Sheldon Cashdans Konzept der Selbstverwirklichungsphasen, sowie auf Sigmund Freuds psychologisches Strukturmodell der Psyche.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Stiefmutter-Figur, die detaillierte Analyse der vier Selbstverwirklichungsphasen (Crossing bis Celebration) und den abschließenden Vergleich, wie das Böse in beiden Werken vernichtet wird.
Wichtige Schlagworte sind neben den Protagonistinnen vor allem Narzissmus, narzisstische Kränkung, das Modell von Ich/Es/Über-Ich, die bürgerliche Rolle der Frau und die Funktion des Happy Ends.
Obwohl die Geschichte ein Happy End suggeriert, schlussfolgert die Arbeit, dass Sneewittchens Bedürfnisse im Endeffekt durch höhere Mächte oder patriarchale Erwartungen unterdrückt werden, anstatt dass sie eine echte, selbstbestimmte Reifung erreicht.
Im Gegensatz zu den Gebrüdern Grimm, wo Sneewittchen das Böse aktiv bestraft, wird bei Disney eine höhere Naturgewalt als neutrale Richterinstanz eingeführt, die Sneewittchen die Entscheidungsmacht über ihr eigenes Schicksal abspricht.
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