Bachelorarbeit, 2014
84 Seiten, Note: 1,3
1. Thematische Relevanz, Ziele und Grenzen der Arbeit
1.1 Betrugshandlungen im Sozialwesen?
1.2 Die Ökonomisierung des Sozialen
1.3 Ziele und Grenzen der Thesis
1.4 Forschungsgegenstand
1.4.1 Forschungsfragen
1.4.2 Forschungsfeld
1.4.3 Forschungsdesgin
2. Definitionen und Restriktionen
2.1 Divergenz von unethischem Verhalten und Devianz
2.2 Moral
2.3 Rechtliche Verortung von Betrugshandlungen
3. Hell- und Dunkelfeld von Betrugshandlungen
3.1 Datenlagen von Betrugshandlungen der Sozialen Arbeit und des Gesundheitswesen
3.2 Das Hellfeld von Betrug am Beispiel Wirtschaft
3.4 Das Dunkelfeld
4. Theoretischer Bezugsrahmen
4.1 Die Grundmauern der Anomietheorie
4.1.1 Mertons sozial-strukturelle Anomietheorie
4.2 Die Architektur der „Institutionellen Anomietheorie“
4.3 Anomie im beruflich-organisationalen Kontext
4.4 Kritische Würdigung der Institutionellen Anomietheorie
4.5 Die Kernelemente der „Situational Action Theory“
4.5.1 Der Perception-Choice-Prozess
4.5.2 Die Funktion von Kontrolle bei deliberatem und habituellen Verhalten
4.6 Kritische Würdigung der „Situational Action Theory“
5. Forschungshypothesen und Spezifizierung der Forschungsfragen auf Grundlage der Theorien
6. Methodisches Vorgehen
6.1 Datenerhebung
6.1.1 Quantitativer Part des Fragebogens inklusive seiner Auswertung
6.1.2 Qualitativer Part des Fragebogens inklusive seiner Auswertung
7. Diskussion und Interpretation der Ergebnisse
7.1 Quantitative Ergebnisse des anomischen Ausmaß von Mitarbeitern durch die Ökonomisierung des Sozialen
7.2 Fazit der quantitativen Ergebnisse
7.3 Qualitative Ergebnisse zu den personalen und organisationalen Bedingungsfaktoren von Mitarbeiterdevianz
7.3.1 Moralisches Selbst
7.3.2 Moralische Umwelt
7.4 Fazit der quantitativen Ergebnisse
8. Ausblick
Die vorliegende Arbeit explorativ untersucht intra- und interpersonale Bedingungsfaktoren, die Betrugshandlungen im Sozialwesen begünstigen, wobei insbesondere der Einfluss der zunehmenden Ökonomisierung auf das ethische Verhalten der Mitarbeiter beleuchtet wird.
1.1 Betrugshandlungen im Sozialwesen?
Betrugshandlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern mit der Absicht der eigenen Vorteilsnahme im Kontext der Wirtschaft und sogar dem Gesundheitswesen niemanden mehr in Erstaunen versetzen. Ärzte die Abrechnungsbetrug nicht erbrachter Leistungen nach § 263 StGB begehen, scheinen allgegenwärtig, während regelwidrige Machenschaften, besonders monetärer Natur, im Rahmen professioneller sozialer Fürsorge zumeist im Voraus negiert werden. Für gewöhnlich erhalten soziale Organisationen und die in ihnen tätige Akteure die nahezu vorbehaltlose Würdigung eines ausgeprägten ethisch-moralischen Status zugesprochen, in denen illegitime Praktiken, opportunistische Wertehaltungen oder gar strafrechtliche Handlungen keine perzipierte Erscheinung darstellen (vgl. Linssen/Schön/Litzcke 2012, S. 29). Zugleich mutiert das Sprechen über fragwürdige Moralität von Professionsträgern.
Sozialer Arbeit zu einer systeminternen Unannehmlichkeit, wenn sozialpädagogische Mitglieder an Szenarien beteiligt sind, die den Aufdruck „ethisch nicht vertretbar“ erhalten. Jedoch konstatierte bereits Niccolò Machiavelli, das persönliche Moral und die Moral der Praxis zwei Welten symbolisiert und wer in der Praxis bestehen wolle, gleichfalls in unmoralischer Machart zu denken und zu handeln habe (vgl. Weber 2013, S. 19f.). Ursächlich ist für Machiavelli nicht eine grundsätzliche Normlosigkeit des Handelnden, sondern die Erkenntnis, „dass in bestimmten Situationen die Einhaltung moralischer Prinzipien – welcher Herkunft auch immer – zum praktischen Verhängnis wird“ (Weber 2013, S. 20 zitiert nach Bernfeld 2000, S. 98ff.). Wie viel empirischer Wahrheit obliegt jener Aussage?
Verkörpern Schlagzeilen wie die vom „Maserati-Skandal“ der einstigen Treberhilfe in Berlin womöglich gar keine randständige Marginalie mehr? Im „Maserati“-Fall ist der sozialpädagogische Leiter der Treberhilfe, der sich durch unethische Machenschaften einen fulminanten Lebensstil leistete gegenwärtig wegen Steuerhinterziehung und anderer Betrugstaten im Rahmen von rund 600 000 € angeklagt (vgl. Roth 2013, S. 3ff.). Ebenso skizziert das Exempel vom Jugendamt Mitarbeiter der Kreisverwaltung Stormarn (Schleswig-Holstein), der im Zeitfenster 2005 bis 2010 rund 460 000 Euro für sich abzweigte, indem er Transaktionen auf das eigene Konto leitete die ursprünglich für die stationäre Unterbringung Jugendlicher bestimmt waren, dass betrügerische Strategien zur eigenen Vorteilsnahme vermeintlich relevante Phänomene im sozialen Sektor plakatieren (vgl. IntQ1).
1. Thematische Relevanz, Ziele und Grenzen der Arbeit: Einleitung in die Thematik der Mitarbeiterdevianz im Sozialwesen unter Berücksichtigung ökonomischer Einflüsse.
2. Definitionen und Restriktionen: Klärung zentraler Begriffe wie Devianz, Moral und die rechtliche Einordnung von Betrugshandlungen.
3. Hell- und Dunkelfeld von Betrugshandlungen: Analyse der Datenlage zu Betrug im sozialen Bereich sowie allgemeine wirtschaftskriminelle Hintergründe.
4. Theoretischer Bezugsrahmen: Anwendung der Anomietheorie und der Situational Action Theory als theoretisches Fundament der Untersuchung.
5. Forschungshypothesen und Spezifizierung der Forschungsfragen auf Grundlage der Theorien: Ableitung der Hypothesen aus der Anomietheorie sowie Formulierung der weiteren explorativen Forschungsfragen.
6. Methodisches Vorgehen: Beschreibung des Mixed-Methods-Ansatzes bestehend aus einer quantitativen standardisierten Befragung und einer qualitativen Analyse.
7. Diskussion und Interpretation der Ergebnisse: Auswertung der quantitativen und qualitativen Daten bezüglich der Einflussfaktoren auf deviantem Verhalten.
8. Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Empfehlungen für eine präventive Organisation von Sozialem.
Sozialwesen, Betrugshandlungen, Ökonomisierung, Anomietheorie, Situational Action Theory, Mitarbeiterdevianz, Moral, Arbeitsplatz, Wirtschaftskriminalität, Sozialarbeit, Quantitative Analyse, Qualitative Forschung, Institutionelle Anomietheorie, Normabweichung, Compliance.
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Betrug und abweichendem Verhalten durch Mitarbeiter innerhalb von Organisationen der Sozialen Arbeit unter dem wachsenden Einfluss ökonomischer Steuerungslogiken.
Die zentralen Schwerpunkte sind der Strukturwandel im Sozialwesen, die Theoretisierung von Devianz durch Anomietheorien sowie die empirische Analyse von Mitarbeiterdevianz durch kombinierte Methoden.
Das primäre Ziel ist es, zu eruieren, inwieweit ökonomische Denkweisen in sozialen Organisationen die moralischen Wertvorstellungen der Fachkräfte gegenüber unethischen Praktiken beeinflussen.
Die Arbeit stützt sich primär auf Mertons sozial-strukturelle Anomietheorie, die institutionelle Anomietheorie sowie die Situational Action Theory (SAT).
Es wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt, der eine quantitative, standardisierte Befragung von Fachkräften mit einer qualitativen, theoriegeleiteten Auswertung derer Aussagen verbindet.
Der Hauptteil zeigt auf, wie systemischer ökonomischer Druck und mangelnde interne Kontrollmechanismen moralische Abgrenzungen der Mitarbeiter verschieben und als Nährboden für Betrug dienen können.
Das Hellfeld umfasst polizeilich erfasste Straftaten, während das Dunkelfeld alle Taten beschreibt, die unentdeckt bleiben oder keine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen.
Die Ökonomisierung wird als Bedingungsfaktor analysiert, der soziale Organisationen zwingt, Effizienzkriterien und Wettbewerbslogiken zu adaptieren, was zu Zielkonflikten bei sozialen Fachkräften führt.
Die SAT erklärt kriminelles Handeln als Produkt einer Interaktion zwischen der Person (ihrer Moral und Selbstkontrolle) und ihrer aktuellen Umgebungssituation.
Es besteht ein Bedarf an einer verstärkten ethischen Reflexion der organisationalen Rahmenbedingungen und einem transparenten Umgang mit Fehlverhalten durch professionelles Risikomanagement.
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