Magisterarbeit, 2007
82 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Über die vorliegende Arbeit
1.2. Grundsätzliches zur Forschung über phantastische Literatur
2. Der Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert
2.1. Todorovs Konzept phantastischer Literatur
2.2. Form des Phantastischen
2.2.1. Zwischen den Genres
2.2.2. Die Bedingungen für das Phantastische
2.2.3. Strukturale Eigenschaften phantastischer Texte
2.2.4. Die Themen des Phantastischen
2.2.5. Die Ich-Themen
2.2.6. Exkurs I: Bachtins Chronotopos im 20. Jahrhundert
2.2.7. Die Du-Themen
2.3. Funktion des Phantastischen
2.3.1. Funktion des Übernatürlichen innerhalb des Werkes
2.3.2. Soziale Funktion des Übernatürlichen
2.3.3. Funktion des Phantastischen selbst
2.3.4. Exkurs II: Phantasmen der Macht
2.4. Überprüfung von Todorovs Modell
2.4.1. Zusammenfassung der Textanalyse
2.4.2. Ist die phantastische Literatur im 20. Jahrhundert tot?
2.4.3. Kritik
3. Kafka als Neophantast
3.1. Grundsätzliches zur Neophantastik
3.2. Lachmanns kultursemiotisches Modell der Phantastik
3.3. Konzeptgeschichte der Phantastik
3.3.1. Phantasmagenese
3.3.2. Phantastik als Gegenrhetorik – Das Paradox
3.3.3. Die Rolle des Zufalls
3.4. Orte des Phantastischen
3.4.1. Geheimwissen
3.4.2. Exkurs III: Tier-Werden vs. Molekular-Werden
3.4.3. Zeichen
3.4.4. Blick
3.4.5. Diskurs
3.4.6. Medium
3.5. Orte des Neophantastischen
3.5.1. Die andere Morphologie
3.5.2. Das andere Wissen
3.5.3. Die andere Wirklichkeit
3.6. Überprüfung von Lachmanns Modell
3.6.1. Zusammenfassung der Textanalyse
3.6.2. Ist Kafka ein Neophantast?
3.6.3. Kritik
4. Wie phantastisch ist Kafka – ein Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Phantastiktheorien (insbesondere von Tzvetan Todorov und Renate Lachmann) auf die Erzählungen von Franz Kafka. Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob Kafka – entgegen Todorovs These vom Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert – als Neophantast klassifiziert werden kann und wie sich die Struktur und Funktion des Phantastischen in seinen Texten manifestiert.
2.2.1. Zwischen den Genres
In einer Welt, die die unsere sein könnte, geschieht ein Ereignis, welches sich aus den vertrauten Gesetzen nicht erklären lässt. Zwei Möglichkeiten der Auflösung bieten sich an: Entweder sieht man sich mit einer Sinnestäuschung konfrontiert, was bedeutet, dass die Gesetze der Welt intakt bleiben, oder das übernatürliche Ereignis ist wirklich Bestandteil der Realität. Dann aber muss es neue Gesetze geben, die bisher unbekannt sind. Tzvetan Todorov definiert das Phantastische als diesen Moment der Ungewissheit: „Das Fantastische ist die Unschlüssigkeit, die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Anschein des Übernatürlichen hat.“
Das Phantastische währt so lange wie die hésitation, die Unschlüssigkeit. Am Ende kommt, wenn auch nicht immer die Figur, so doch der implizite Leser zu einer Entscheidung und tritt aus der Unschlüssigkeit aus. Entscheidet sich der Leser, dass die Gesetze der Realität bestehen bleiben und eine Erklärung der unnatürlichen Phänomene zugelassen werden, akzeptiert er das Unheimliche als Gattung. Das Wunderbare hingegen zeichnet sich durch die Anerkennung neuer Naturgesetze aus, die eine Erklärung des unnatürlichen Ereignisses möglich machen. In der Tat gibt es nur wenige Werke, wie zum Beispiel Henry James´ The Turn of the Screw, die jene Unschlüssigkeit bis zum Schluss beziehungsweise über den Schluss hinaus aufrechterhalten können. Todorov bezeichnet das Phantastische demnach auch als „verschwimmende“ Gattung.
An dieser Stelle spielt auch die Einheit des Werkes eine wichtige Rolle. Eine weitaus größere Anzahl von Texten wäre dem phantastischen Genre zuzuordnen, wenn man nur Teile des Werkes betrachtete. Dies bestätigt die kafkasche Textanalyse, denn einzelne Teilstücke aus Beschreibung eines Kampfes wären viel leichter mit Todorovs Phantastikkriterien zu fassen als die gesamte Erzählung. Dies wird sich im Verlauf der Untersuchung noch zeigen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Phantastikforschung bei Kafka ein und stellt die Thesen von Todorov und Lachmann als theoretisches Fundament der Arbeit vor.
2. Der Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert Todorovs strukturalistische Theorie und prüft kritisch, ob seine Definition des Phantastischen auf Kafkas Erzählungen angewendet werden kann oder ob sie im 20. Jahrhundert überholt ist.
3. Kafka als Neophantast: Hier wird Lachmanns kultursemiotischer Ansatz auf Kafkas Texte appliziert, um zu untersuchen, ob der Autor als Neophantast verstanden werden kann, wobei insbesondere Orte des Phantastischen analysiert werden.
4. Wie phantastisch ist Kafka – ein Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Kafka als Neophantast eingeordnet werden kann, dessen Phantastik primär der Dechiffrierung zwischenmenschlicher Beziehungen dient.
Kafka, Phantastik, Neophantastik, Todorov, Lachmann, Unschlüssigkeit, Die Verwandlung, Beschreibung eines Kampfes, Literaturtheorie, Strukturale Analyse, Phantasma, Moderne, Gegenrhetorik, Zwischenmenschliche Beziehungen, Paradigma.
Die Arbeit untersucht die theoretische Einordnung von Franz Kafkas Erzählungen in den Kontext der phantastischen Literatur, unter besonderer Berücksichtigung der Theorien von Tzvetan Todorov und Renate Lachmann.
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Phantastischen, die Rolle des Erzählers, die Struktur des Phantastischen (Raum-Zeit, Sprache) sowie die soziale und semantische Funktion des Übernatürlichen.
Ziel ist es zu belegen, ob Kafka als "Neophantast" bezeichnet werden kann und ob seine Texte die gattungskonstituierenden Merkmale der klassischen Phantastik erfüllen oder revidieren.
Die Arbeit nutzt überwiegend strukturale Textanalysen und einen deduktiven Forschungsansatz, um theoretische Modelle an Kafkas Erzählungen zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit Todorovs Phantastiktheorie und eine Anwendung von Lachmanns kultursemiotischem Modell auf Kafkas Erzählwelt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neophantastik, Kafka, strukturelle Phantastik, Unschlüssigkeit und Lachmanns kultursemiotisches Modell definieren.
Die Erzählung dient als Basis, da Todorov sie selbst als Beispiel für das "verallgemeinerte Phantastische" verwendet hat, welches den Leser und die Welt des Buches gleichermaßen einbezieht.
Im Gegensatz zur klassischen Phantastik, die das Übernatürliche als Einbruch definiert, liegt das Phantastische bei Kafka in der Banalität und der Dechiffrierung zwischenmenschlicher Strukturen des Alltags.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

