Diplomarbeit, 2009
92 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Das Konzept der neuen Väterlichkeit
2.1 Was ist neue Väterlichkeit?
2.1.1 Mythos neue Väter? Die Schieflage zwischen der Einstellungs und der Verhaltensebene
2.2 Die traditionelle Vaterrolle vor dem Hintergrund des bürgerlichen Familienkonzepts
2.2.1 Das bürgerliche Familienkonzept
2.2.2 Die traditionelle Vaterrolle
2.3 Traditionelle Väterlichkeit versus neue Väterlichkeit
3 Ursachen der Entwicklung neuer Väterlichkeit
3.1 Gesellschaftliche Veränderungen
3.1.1 Die Freisetzung aus den Geschlechterrollen und die Emanzipation der Frau
3.1.2 Strukturveränderungen und Wertewandel
3.1.3 Familienpolitische und rechtliche Veränderungen
3.2 Persönliche Voraussetzungen
3.2.1 Sozialisationserfahrungen und Persönlichkeitscharakteristiken
3.2.2 Sozioökonomischer Hintergrund, Bildung und Alter
3.2.3 Die Paarbeziehung
3.2.4 Das Kind
3.3 Die Berufstätigkeit und der Arbeitsmarkt als Einflussfaktoren für die kontextbezogene Ausgestaltung der Geschlechterrollen
4 Resümee und Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen und Voraussetzungen für den gesellschaftlichen Wandel vom traditionellen Vaterbild hin zur sogenannten neuen Väterlichkeit, wobei insbesondere gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und individuelle Faktoren der Väter analysiert werden.
2.1 Was ist neue Väterlichkeit?
In der Literatur stößt man auf eine Vielfalt an Begriffen, die die neuen Väter beschreiben sollen. So zum Beispiel „egalitäre Väter“, „familienorientierte bzw. familieninvolvierte Väter“ (vgl. Herlth 2000; Matzner 2004), „aktive“ (vgl. Schmidt-Denter 1988) oder „engagierte Väter“ (vgl. Fthenakis 1999) und im negativ gemeinten Sinne „abwesende Väter“ (vgl. Roth 1991). Dies macht deutlich, dass bis dato kein allgemein gültiges und explizites (neues) Vaterbild existiert. Im Großen und Ganzen wird neue Väterlichkeit jedoch als eine positive verstanden. Folgend soll nun eine Auswahl der gängigen Definitionsansätze aufgezeigt werden, um das Bild des neuen Vaters in seiner Vielfältigkeit konkretisieren zu können.
Der neue Vater als egalitärer Vater
In Anlehnung an Zulehner & Volz lassen sich unter dem Begriff neue Väter im weitesten Sinne all jene Männer bzw. Väter mit einer „zeitgenössisch-modernen“ (Zulehner 2003: 17f.) Geschlechterrollenorientierung summieren. In der repräsentativen Studie „Männer im Umbruch“ halten die beiden Autoren fest, dass für den neuen Mann bzw. Vater folgende familien- und berufsbezogene Aspekte relevant sind:
1) Es ist eine Bereicherung, in Erziehungsurlaub zu gehen um die Betreuung des Kindes zu übernehmen.
2) Frauenemanzipation ist eine positive Entwicklung.
3) Sowohl Ehemann als auch Ehefrau sollen zum Haushaltseinkommen beitragen und dies im optimalsten Falle
4) in einer halbtäglichen Erwerbsstelle, um eine gemeinschaftliche Partizipation an Haushalt und Kinderbetreuung zu ermöglichen (vgl. Zulehner & Volz 1998: 35).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um die neue Väterlichkeit ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen für den Wandel der Vaterrolle.
2 Das Konzept der neuen Väterlichkeit: Dieses Kapitel definiert den Begriff der neuen Väterlichkeit und grenzt ihn durch die Gegenüberstellung mit dem traditionellen Familienkonzept und dem Bild des klassischen Vaters ab.
3 Ursachen der Entwicklung neuer Väterlichkeit: Hier werden die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse sowie die persönlichen Voraussetzungen der Väter, die diesen Wandel vorangetrieben haben, detailliert analysiert.
4 Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die zukünftigen Herausforderungen für Väter im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie.
Neue Väterlichkeit, Vaterrolle, Geschlechterrollen, Familienpolitik, Vaterschaftskonzept, Wertewandel, Vereinbarkeit, Sozialisation, Paarbeziehung, Kindererziehung, Individualisierung, Bildungsexpansion, Erwerbsorientierung, Väterforschung, Väterliches Engagement.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem soziologischen Wandel der Vaterrolle in Deutschland und untersucht, welche Faktoren zur Entwicklung des Leitbildes der "neuen Väterlichkeit" geführt haben.
Die zentralen Themen umfassen die Definition neuer Vaterschaftskonzepte, den Einfluss gesellschaftlicher Strukturen, die Rolle von Sozialisationserfahrungen in der Kindheit sowie ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen.
Das Hauptziel ist es, das "Warum" hinter dem Wandel zur neuen Väterlichkeit zu ergründen und aufzuzeigen, warum manche Väter dieses Modell leben, während andere an traditionellen Strukturen festhalten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung bestehender sozialwissenschaftlicher Studien und empirischer Daten zur Väterforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung der Väterlichkeit, die Untersuchung der gesellschaftlichen Ursachen (wie Modernisierung und Emanzipation) sowie die Analyse individueller Voraussetzungen (wie Bildung, Alter und Paardynamiken).
Kernbegriffe sind Neue Väterlichkeit, Geschlechterrollen, Vereinbarkeit, Vaterschaftskonzept und der Wandel der Familienstrukturen.
Die Arbeit identifiziert die "Gate-Keeper-Funktion" der Mutter, die durch ihr Vertrauen in die Kompetenzen des Vaters oder die Beanspruchung kindbezogener Aufgaben maßgeblich beeinflusst, in welchem Umfang Väter tatsächlich aktiv werden.
Obwohl viele Männer sich ideell als "Erzieher" sehen, zwingen starre Strukturen am Arbeitsmarkt und die Konzeption des "Ernährerlohns" viele Väter dazu, weiterhin die Rolle des Haupternährers einzunehmen.
Diese Hypothese besagt, dass Männer, die ihren eigenen Vater als distanziert oder strafend erlebt haben, in ihrer eigenen Vaterschaft dazu neigen, dies bewusst durch ein besonders liebevolles und engagiertes Verhalten zu kompensieren.
Die Arbeit nennt hierbei ökonomische Zwänge, strukturelle Rahmenbedingungen in Unternehmen und die situative Kosten-Nutzen-Abwägung der Paare als Gründe für den sogenannten "Retraditionalisierungseffekt" nach der Geburt eines Kindes.
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