Magisterarbeit, 2004
109 Seiten
I. Einleitung
1. Komponist von Filmen, Regisseur von Musik
2. Fluxus oder Beethovens Geist aus Kagels Händen?
3. Wege zum Film
4. Kagels Musik-Licht-Spiele
II. Der Film Ludwig van – Ein Bericht
1. Zur Entstehung
2. Exkurs: Kagel – Burgess – Kubrick
3. Filmographie
4. Grundsätzliches, Inhalt, Sequenzfolge
III. Bild und Ton
1. Filmisch-Musikalisches
2. Gestaltungsmittel des Films
3. Metacollage
4. Kombination von Bild und Ton
5. Kagels Ästhetik des Apokryphen
IV. Distanz und Nähe: Kagels Verhältnis zur Musik der Vergangenheit
V. Beethoven redivivus: Zerrbilder zerschlagen
1. Demaskierung eines Kults
2. Beethoven heute – und nun?
VI. Abspann
Die vorliegende Arbeit untersucht das filmische Schaffen von Mauricio Kagel, insbesondere im Hinblick auf seinen 1969 produzierten Film "Ludwig van". Ziel ist es, die vielschichtigen Intentionen des Komponisten bei der Auseinandersetzung mit der Tradition, der musikalischen Rezeption und der Verschränkung von Bild und Ton zu analysieren sowie Kagels Rolle als Regisseur von Musik zu beleuchten.
1. Komponist von Filmen, Regisseur von Musik
Es genügt schon, sich einen groben Überblick über seine Werke zu verschaffen, um festzustellen, dass Wiederholung nicht sein Metier ist. Einem Polyp gleich streckt er seine Arme in alle erdenklichen Richtungen aus, findet immer wieder neue Möglichkeiten, sich und seiner Musik neuen Raum und Ausdruck zu verleihen. Dies eröffnet schier unendliche Weiten seines Spektrums, in das er scheinbar zufällig eindringt, sich aber einem Universalgelehrten ähnlich alles zu eigen macht, und dieses In-sich-Aufnehmen schließlich mit der Komposition eines neuen Werkes ausdrückt, um anschließend einen neuen Arm in eine andere Richtung auszustrecken und ihm zu folgen.
»Faszinierend verrückt«, so beschreibt Werner Klüppelholz die Uraufführung seines Stückes Ornithologica multiplicata im Revolutionsjahr 1968. Diese Attribute gelten wohl auch für seinen Schöpfer. Betrachtet man das filmische Schaffen Kagels von seinen Anfängen bis in das Jahr 1968, so stellt sich die Frage, mit welchem Gegenstand man sich zu befassen hat: Sind es kurze Musikfilme, musikalische Kurzfilme oder filmische Kurzmusi-ken? Gleich zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem Stück beginnen die Grenzen transparent zu werden. Hier sind die Wurzeln von Kagels Intermedialität schon vorhanden. Als Wanderer zwischen, nein, durch die Medien hindurch spiegelt er in seinen Werken nicht minder einen gewaltigen Gestaltwandel wider als sein selbst genannter Schöpfergeist Monteverdi und dessen Wandel von den madrigalistischen Formen der Hochrenaissance zur Monodie und zur konzertanten Kantate des Frühbarock. Kagel selbst beschreibt diese Entwicklung als Medienwechsel, bei dem Malerei zu Musik, Musik zu Theater, Theater zu Film und Film schließlich wieder zu Musik wird. Die Durchdringung von Film und Musik wird in dieser Arbeit ebenso eine Rolle spielen wie auch die Frage, wie aus einer musikalischen Form eine filmische und aus einer filmischen Form eine musikalische wurde.
I. Einleitung: Einführung in Mauricio Kagels Biographie, seine Rolle als Komponist und Filmemacher sowie die Zielsetzung der Arbeit zur Analyse von "Ludwig van".
II. Der Film Ludwig van – Ein Bericht: Detaillierte Betrachtung der Entstehungsgeschichte, des theoretischen Hintergrunds und der inhaltlichen Struktur des Films.
III. Bild und Ton: Analyse der audiovisuellen Gestaltungsmittel, der Montage-Prinzipien und der spezifischen Kombination von Bild- und Tonebenen in Kagels Werken.
IV. Distanz und Nähe: Kagels Verhältnis zur Musik der Vergangenheit: Reflexion über Kagels Auseinandersetzung mit der Musiktradition und seinem Umgang mit historischen Komponisten.
V. Beethoven redivivus: Zerrbilder zerschlagen: Auseinandersetzung mit dem Beethoven-Kult, dessen Demaskierung im Film und der Kritik an der zeitgenössischen Rezeption.
VI. Abspann: Zusammenfassende Einordnung von Kagels filmischem Werk und seiner Bedeutung für die Musikwelt.
Mauricio Kagel, Ludwig van, Beethoven, Musiktheater, Filmkunst, Intermedialität, Montage, Collage, Instrumentales Theater, musikalische Tradition, Beethoven-Jahr 1970, Filmmusik, Bild-Ton-Beziehung, Apokryph, Dekomposition.
Die Arbeit analysiert Mauricio Kagels Film "Ludwig van" (1969) als ein Schlüsselwerk, das die kritische Auseinandersetzung mit dem Beethoven-Kult und die Erneuerung musikalischer Ausdrucksformen durch filmische Mittel thematisiert.
Zentrale Felder sind die Beziehung zwischen Musik und Bild, die Kritik am bürgerlichen Beethoven-Kult, das Prinzip der Collage sowie die Entwicklung des instrumentalen Theaters.
Das primäre Ziel ist es, die Tendenzen und Techniken zu entschlüsseln, die Kagel in seinem "Ludwig van"-Film verfolgt, um sowohl die historische Einordnung als auch die methodische Vorgehensweise des Komponisten in Bezug auf die Musiktradition zu verstehen.
Der Autor nutzt eine musikwissenschaftliche Analyse, die den Film anhand von Drehbuchskizzen, musiktheoretischen Diskursen und dem Vergleich mit anderen zeitgenössischen Werken strukturell aufschlüsselt.
Im Hauptteil werden die Entstehungsgeschichte des Films, die spezifischen Gestaltungsmittel der Bild-Ton-Kombination, die Demaskierung von Mythen und Kagels theoretisches Konzept des "Apokryphen" detailliert diskutiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Mauricio Kagel, Beethoven, Collage, instrumentales Theater, Intermedialität und die filmische Umsetzung von musikalischen Vorlagen.
Kagel steht diesem als eine Art "Anti-Kitsch-Regisseur" gegenüber; er nutzt den Film, um die Verlogenheit und Kommerzialisierung der Beethoven-Verehrung durch satirische Sketches und bizarre Collagen zu demaskieren.
Sie gilt als einer der Kulminationspunkte des Films, in dem Kagel das Zimmer mit Notenpapier tapeziert, um eine visuelle Entsprechung zu schaffen, die von einem "Zufallsorchester" interpretiert wird.
Da der Film aus vielen verschiedenen, teils assoziativen Bruchstücken von Beethovens Musik und visuellen Elementen besteht, die Kagel gezielt neu kombiniert, um den Hörer zu einem aktiven, kritischen Hören zu bewegen.
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