Diplomarbeit, 2008
96 Seiten, Note: 1,3 (Schnitt)
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Überlegungen zur Forschungsfrage
1.3 Übersicht des Themenspektrums
2 Vorstellung der aktuellen Erhebungen und Handlungsansätze
2.1 Erhebungen zur Lebenssituation junger Menschen
2.1.1 Ergebnisse der Shell Jugendstudie 2006
2.1.2 Studie der Initiative „mitWirkung!“ zum Partizipationsverhalten junger Menschen
2.1.3 Zwischenfazit – Analyse der Daten beider Erhebungen
2.2 Handlungsansätze
2.2.1 Empfehlungen der Initiative „mitWirkung!“
2.2.2 Das „Aktionsprogramm für mehr Jugendbeteiligung“
3 Theorien zu Gesellschaftsstruktur und Lebenswelt sozial schwacher junger Menschen und deren Handlungsrelevanz im Hinblick auf Partizipationsprojekte
3.1 Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital und deren Einflüsse auf die Chancen zur Partizipation
3.1.1 Analyse der Sozialstruktur nach Pierre Bourdieu:
3.1.2 Relevanz im Hinblick auf den Zugang zu Partizipationsprojekten
3.2 Die Lebenswelt sozial schwacher junger Menschen und deren Auswirkungen auf ihr Partizipationsverhalten
3.2.1 Die Lebensumstände junger Menschen aus der Unterschicht
3.2.2 Besonderheiten von jungen Migranten
4 Kritik der aktuellen Partizipationsansätze
4.1 Generelle Schwierigkeiten sozial schwacher junger Menschen beim Zugang zu Partizipationsprojekten
4.2 Das Qualifikationsprogramm der Bertelsmannstiftung „mitWirkung!“
4.3 Die Lebenswelt der erwachsenen Akteure - Wie viel Partizipation ist tatsächlich erwünscht?
5 Neue Wege in der politischen Partizipation: „Wir reden mit“ - Ein Beispielprojekt aus der Sozialen Arbeit
5.1 Ausgangssituation
5.2 Startphase
5.3 Arbeitsphase
5.4 Ergebnisse
5.5 Erkenntnisse für die weitere politische Arbeit
6 Zusammenfassung der Erkenntnisse für Partizipationsprojekte mit sozial schwachen Jugendlichen
6.1 Konzept eines integrativen Partizipationsprojektes
6.1.1 Herangehensweise
6.1.2 Durchführung
6.1.3 Nachhaltige Wirkung
6.2 Fazit
Diese Diplomarbeit zielt darauf ab, die Partizipationschancen von benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen an politischen und lebensraumbezogenen Entscheidungsprozessen zu untersuchen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Faktoren, die als Hürden für die Teilhabe wirken, und leitet daraus Ansätze für die Soziale Arbeit ab, um diese Zielgruppen erfolgreich zu integrieren.
Die Lebenswelt der erwachsenen Akteure - Wie viel Partizipation ist tatsächlich erwünscht?
Neben der diese Arbeit durchdringenden Fragestellung, wie Partizipationsprojekte durch Sozialarbeiter und andere Akteure gestaltet werden sollten, um sie allen Schichten zugänglich zu machen, geht es beim Thema Partizipation junger Menschen auch immer um deren Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Andere in Entscheidungsprozesse einzubinden, bedeutet für die Herrschenden, dass sie etwas von ihrer Macht abgeben müssen. Das allerdings ist etwas, was nicht unbedingt jeder, der einmal Macht erlangt hat, gerne tut.
Es gibt eine Repräsentationslücke Unterprivilegierter in der Politik, da die politischen Akteure nicht zu dieser Schicht gehören. Der im Zuge der Globalisierung gestiegene Leistungsdruck durch die Hartz-Gesetze, die Agenda 2010 und der Abbau von Arbeitplätzen durch Kapitalabwanderung kommen bei der Unterschicht an. Die Maßnahmen, nämlich erhöhter Druck auf diese Schicht durch 1-Euro-Jobs, verschärfte Sanktionen der Arbeitsämter bei mangelnder Kooperation und immer noch schlechte Chancen, eine erfolgreiche Weiterbildung zu absolvieren, vermitteln ihnen nicht den Eindruck, als würde ihre Situation von Seiten der Politik zu ihren Gunsten geändert. Insofern wird von ihnen auch wahrgenommen, dass sie keine eigene Lobby haben. Der Versuch, an dieser Situation durch Einwirken auf die Politik etwas zu ändern, wird als schlecht oder gar nicht möglich eingeschätzt, zumal oft genau die selben Hürden im Weg stehen wie bei der Suche nach Arbeitsplätzen.
Daraus entsteht Demotivation und Frust bei den Adressaten von Partizipationsprojekten, welche diese den Projekten fernbleiben lässt. An dieser Stelle ist die Politik gefragt. Es geht nicht nur um die selbstständige Auswahl eines Spielgerätes für den neuen Spielplatz nebenan, sondern um gesellschaftliche Veränderungen größeren Ausmaßes, eine echte Umverteilung von Reichtum und Entscheidungskompetenzen von oben nach unten.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Situation der Partizipation junger Menschen in Deutschland und führt in die Problemstellung sowie die Forschungsfragen ein.
2 Vorstellung der aktuellen Erhebungen und Handlungsansätze: Dieses Kapitel stellt zentrale Jugendstudien sowie Initiativen wie „mitWirkung!“ vor, um den Forschungsstand zur Lebenswelt und zum Partizipationsverhalten zu erfassen.
3 Theorien zu Gesellschaftsstruktur und Lebenswelt sozial schwacher junger Menschen und deren Handlungsrelevanz im Hinblick auf Partizipationsprojekte: Auf Basis von Pierre Bourdieus Kapitaltheorie wird analysiert, wie soziale Ungleichheit und fehlende Ressourcen den Zugang zu Beteiligungsprozessen strukturell behindern.
4 Kritik der aktuellen Partizipationsansätze: Das Kapitel hinterfragt kritisch bestehende Förderprogramme und verdeutlicht, warum diese an der Lebenswelt sozial benachteiligter Jugendlicher oft vorbeigehen.
5 Neue Wege in der politischen Partizipation: „Wir reden mit“ - Ein Beispielprojekt aus der Sozialen Arbeit: Anhand des Projekts „Wir reden mit“ wird aufgezeigt, wie durch erlebnisorientierte Angebote Partizipation bei benachteiligten Zielgruppen gelingen kann.
6 Zusammenfassung der Erkenntnisse für Partizipationsprojekte mit sozial schwachen Jugendlichen: Das abschließende Kapitel fasst die theoretischen und praktischen Ergebnisse zusammen und leitet ein integratives Konzept für die Soziale Arbeit ab.
Partizipation, Jugendbeteiligung, Soziale Arbeit, Benachteiligte Jugendliche, Lebenswelt, Sozialstruktur, Bourdieu, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Politische Bildung, Empowerment, Integration, Chancengleichheit, Jugendstudie, Kommunale Jugendpolitik
Die Arbeit untersucht, warum sozial benachteiligte Jugendliche an politischen Entscheidungsprozessen kaum teilhaben und wie die Soziale Arbeit diese Gruppe besser in Partizipationsprojekte einbinden kann.
Zentral sind die Lebenswelt von Jugendlichen aus der Unterschicht, der Einfluss von Kapitalarten nach Bourdieu, die Kritik an bestehenden politischen Beteiligungsangeboten und neue Ansätze der politischen Bildung.
Das Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die die Motivation zur Partizipation beeinflussen, und ein Konzept zu entwickeln, das Barrieren für sozial benachteiligte Gruppen bei der politischen Mitbestimmung abbaut.
Die Arbeit kombiniert eine Sekundäranalyse aktueller Jugendstudien (z.B. Shell-Studie) mit einer qualitativen Auswertung eines eigenen Praxisprojekts („Wir reden mit“).
Der Hauptteil analysiert theoretisch die Ursachen für ungleiche Partizipationschancen (Kapitaltheorie) und stellt anschließend das Modellprojekt „Wir reden mit“ als Handlungsbeispiel vor.
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Partizipation, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, Empowerment und lebensweltorientierte Soziale Arbeit beschreiben.
Im Gegensatz zu formellen, langwierigen Gremien setzt das Konzept auf erlebnisorientierte, niedrigschwellige Projektarbeit, die direkt in der Lebenswelt der Jugendlichen ansetzt und sofortige Erfolge ermöglicht.
Laut Autor wirken diese Angebote oft abschreckend, weil sie institutionalisiert und intellektuell formell gestaltet sind, was bei Jugendlichen ohne entsprechendes kulturelles Kapital zu Frustration und Distanz führt.
Der Autor würdigt die Forschungsarbeit der Stiftung („mitWirkung!“), hinterfragt jedoch kritisch deren Einfluss auf neoliberale Reformen in der öffentlichen Verwaltung.
Ein Freundeskreis, der ebenfalls partizipationsorientiert ist, wirkt laut Untersuchung stark motivierend; in benachteiligten Milieus fehlt dieser jedoch oft, weshalb das Projekt selbst diesen Rahmen erst schaffen muss.
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