Bachelorarbeit, 2022
34 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Das Vierkasussystem des Deutschen
2.1. Die Klassifizierung der Kasus als morphosyntaktische Kategorie
2.2. Die Art der Kasuszuweisung
2.3. Die Funktion der Kasus
3. Empirische Befunde zum Erwerbsverlauf der Kasusfähigkeiten
3.1. Exkurs: Erwerbsmodelle
3.2. Die Darstellung der empirischen Befunde
3.2.1. Annahmen zum Erwerbsablauf und beeinflussenden Faktoren
3.2.2. Zeitliche Verortung
4. Die diagnostische Erfassung von Kasusfähigkeiten
5. Die empirischen Befunde
5.1. Proband:innen
5.2. MuSE-Pro
5.2.1. Subtests zum Kasus in der Nominalphrase
5.2.2. Subtests zum Kasus in der Präpositionalphrase
5.3. Durchführung
5.4. Forschungsfrage 1: Das durchschnittliche Korrektheitsniveau
5.5. Forschungsfrage 2: Die Erwerbsreihenfolge der Kasus
5.6. Forschungsfrage 3: Der Erwerb des strukturellen und des lexikalischen Kasus
5.7. Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellung 1
5.8. Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellung 2
5.9. Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellung 3
5.10. Methodenkritische Reflexion
5.11. Diskussion der Ergebnisse
5.11.1. Diskussion der Ergebnisse zur Fragestellung 1
5.11.2. Diskussion der Ergebnisse zur Fragestellung 2
5.11.3. Diskussion der Ergebnisse zur Fragestellung 3
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Kasuserwerb monolingual deutschsprachiger Kinder unter besonderer Berücksichtigung des Testverfahrens MuSE-Pro. Ziel ist es, den zeitlichen Verlauf und die Reihenfolge des Erwerbs von Akkusativ und Dativ sowie den Einfluss der Kasuszuweisungsart (strukturell vs. lexikalisch) empirisch zu analysieren und mit bestehenden Spracherwerbstheorien abzugleichen.
2.1. Die Klassifizierung der Kasus als morphosyntaktische Kategorie
Dass der Kasus als grammatische Kategorie eine Schnittstelle zwischen Morphologie und Syntax besetzt, wird weithin angenommen. (Vgl. Cholewa, Mantey 2008, S.16; Ulrich 2017, S.200) Es erscheint zunächst jedoch fraglich, inwieweit die Charakterisierung der Kasus als primär morphologisch zu Tage tretende Kategorie noch gerechtfertigt ist: An Substantiven kommt es kaum noch zu eindeutigen Markierungen der Kasus, Homonymie und der Zusammenfall mit Flexionsmorphemen anderer Kategorien, wie dem Genus oder Numerus, sowie der Kasusverfall, der sich insbesondere auf die Genitivmarkierungen auswirkt und in der mündlichen Sprache in größerem Maße fortgeschritten ist, sorgen dafür. (Vgl. Ulrich 2017, S.208f.; Wegener 1995, S.143f. i.V.m. S.155, S.166f.) An den verbleibenden deklinierenden Wortarten, den Determinantien, Adjektiven und Pronomina, werden die Kasusmarkierungen jedoch regulärer, eindeutiger und in salienterer Weise vollzogen, weshalb der Kasus nach wie vor als eine grammatische Kategorie gelten kann, die sich morphologisch äußert. (Vgl. Cholewa, Mantey 2008, S.86; Wegener 1995, S.153f.) Ihre Relevanz in Bezug auf die Syntax haben die Kasus durch ihre Funktion, den Nominalphrasen syntaktische Rollen zuzuweisen; dies wird nachfolgend besprochen. (Vgl. Kapitel 2.3.)
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Sprachentwicklung bei Kindern ein und stellt die drei Forschungsfragen zum Kasuserwerb, zum Erwerbsverlauf und zum Einfluss der Kasuszuweisung vor.
2. Das Vierkasussystem des Deutschen: Es werden linguistische Grundlagen zur Kasusklassifizierung, zur Kasuszuweisung und zur funktionalen Rolle der Kasus im Deutschen dargelegt.
3. Empirische Befunde zum Erwerbsverlauf der Kasusfähigkeiten: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Erwerbsmodelle und bisherige Forschungsergebnisse zum Kasuserwerb im Kindesalter.
4. Die diagnostische Erfassung von Kasusfähigkeiten: Hier werden verschiedene diagnostische Verfahren zur Erfassung grammatischer Fähigkeiten, insbesondere evozierte Sprachproben, diskutiert.
5. Die empirischen Befunde: Das zentrale Kapitel stellt die Stichprobe, das Testverfahren MuSE-Pro und die Durchführung der empirischen Erhebung vor, präsentiert die Ergebnisse zu den drei Forschungsfragen und diskutiert diese kritisch.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die zeigen, dass beim Kasuserwerb keine starren Zeitpunkte postuliert werden können und keine eindeutige Überlegenheit einer Zuweisungsart existiert.
Kasuserwerb, Grammatikentwicklung, MuSE-Pro, Sprachentwicklung, monolingual, Akkusativ, Dativ, struktureller Kasus, lexikalischer Kasus, Rektion, Kindersprache, linguistische Diagnostik, Erwerbssequenz, Erwerbsmodell, Sprachtherapie.
Die Arbeit untersucht den Erwerb des deutschen Vierkasussystems bei monolingual aufwachsenden Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren, wobei der Fokus auf dem produktiven Gebrauch von Akkusativ und Dativ liegt.
Die Arbeit verknüpft linguistische Grundlagen mit der diagnostischen Praxis und untersucht empirisch den Erwerbsverlauf, die Reihenfolge der Kasus sowie den Einfluss der Zuweisungsart.
Ziel ist es zu klären, ob der Kasuserwerb einem generalisierbaren zeitlichen Muster folgt, ob der Akkusativ zwingend vor dem Dativ erworben wird und ob strukturelle Kasus leichter erlernbar sind als lexikalische.
Die Arbeit nutzt die Ergebnisse von 50 monolingualen Kindern, deren Sprachfertigkeiten mittels des Testverfahrens MuSE-Pro erhoben wurden, und wertet diese deskriptiv sowie inferenzstatistisch (u.a. mit abhängigen t-Tests) aus.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, diagnostische Überlegungen und die eigentliche empirische Untersuchung, in der Daten zu den drei Forschungsfragen ausgewertet und interpretiert werden.
Wesentliche Begriffe sind Kasuserwerb, MuSE-Pro, grammatische Entwicklung, strukturelle und lexikalische Kasuszuweisung sowie produktive Sprachfähigkeiten.
Die Autorin reflektiert kritisch, dass die Datenerhebung während der Pandemie stattfand, was durch den Wegfall sozialer Kontakte in Kitas und Schulen die Sprach- und Grammatikentwicklung der Kinder beeinflusst haben könnte.
Die Arbeit widerlegt die Annahme einer starren Erwerbssequenz, da auch Gruppen von Kindern identifiziert wurden, die den Dativ vor oder ohne den Akkusativ korrekt anwenden können.
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