Bachelorarbeit, 2022
74 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die digitale Plattform als empirische Grundlage
2.1 Arbeit in der Plattformökonomie: Anknüpfungspunkte der Forschungsdebatte
2.1.1 Der Uber-Zentrismus der Gigwork-Forschung
2.1.2 Die Risikoarbeit deutscher Coreworker
3. Kununus evaluative Infrastruktur für Arbeitgeberbewertungen
3.1 Walkthrough-Analyse der algorithmischen Bewertungsstruktur
3.2 Reflektion der Datenqualität nutzerbasierter, öffentlicher Jobbewertungen
4. Methodologie der Analyse
4.1 Datenerhebung und Samplegestaltung
4.2 Arbeitsschritte der qualitativen Inhaltsanalyse
4.3 Drittvariablenkontrolle
5. Lieferando als exemplarisches Fallbeispiel
5.1. Gesamteindrücke des Bewertungssamples
5.2 Bewertungsstruktur der Gigworker
5.3 Bewertungsstruktur der Coreworker
5.4 Exkurs: Weitere Anknüpfungspunkte zur digitalen Arbeitsforschung
5.5 Divergierende Bewertungspraktiken: Ein zusammenfassender Vergleich der Perspektiven
6. Forschungslimitationen und Gütekriterien
7. Potentiale für die Plattformarbeitsforschung: Zwischen Imagination und empirischer Realität
8. Fazit
Die vorliegende Bachelorthesis untersucht, inwiefern Online-Bewertungsdaten von der Plattform Kununu einen empirisch wertvollen Beitrag zur Forschung über Arbeit in der Plattformökonomie leisten können. Dabei wird ein explorativer Forschungsansatz gewählt, der die Potenziale öffentlicher Arbeitgeberbewertungen nutzt, um spezifische Arbeitsplatzeigenschaften der oft unterbelichteten Beschäftigungsgruppen zu analysieren.
2.1.1 Der Uber-Zentrismus der Gigwork-Forschung
Gerade die Fachdiskussion zur so genannten „gigwork economy“ (vgl. Schmidt, 2016) konnte in den vergangenen Jahren eine besondere Aufmerksamkeit genießen. Im Zentrum stehen ortsgebundene Dienstleistungen (Gigs) wie Personentransporte oder Kurierfahrten, die von soloselbstständigen Arbeitern mit privaten Fahrzeugen und Arbeitsmaterialien über Plattformen an Kunden vermittelt werden. Plattformorganisatoren wie Uber, Lyft oder Deliveroo lassen dabei ihre Arbeiter in einem „business-to-business“ Verhältnis in der Peripherie der Plattform anknüpfen. Dabei kommt der Plattform nach Evans und Gawner (2016) eine Typisierung als „transaction platform“ zugute, in der die primäre Wertschöpfung durch eine Verknüpfung von Angebot und Nachfrage Externer zustande kommt.
Das Angebot derartiger „platform-mediated work“ (Kirchner, Dittmar & Ziegler 2021, i.e.: 9-10) auf digitalen Marktplätzen lockt externe Gigworker meist durch eine attraktiv wirkende Arbeitsautonomie und Flexibilität, während andererseits Ansprüche auf sozialpolitische Schutzmaßnahmen wie den Mindestlohn, Urlaub, einen betriebsinternen Sozial-, Renten-, oder Unfallversicherungsschutz, sowie Optionen einer kollektiven Interessenvertretung zu schwinden drohen (vgl. Schmidt, 2016). Weitere meist negativ diskutierte Charakteristika bestehen aus dem privaten Besitz der benötigten Arbeitsmaterialien, dem Umstand, das volle Risiko der Arbeitsweise zu tragen, einen Entgeltbetrag pro absolvierter Dienstleistung statt regulärem Stundenlohn zu erhalten und zur Gewährleistung eines ausreichenden Qualitätsstandards von den Endkunden per Rankingverfahren bewertet werden zu können (ebds.).
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel moderner Beschäftigungsverhältnisse und die Herausforderungen der empirischen Forschung durch die Intransparenz digitaler Plattformen, wobei Kununu als potenzieller Datenimpulsgeber eingeführt wird.
2. Die digitale Plattform als empirische Grundlage: Dieses Kapitel verortet das Forschungsthema in der Plattformökonomie, diskutiert den "Uber-Zentrismus" der bisherigen Forschung und erläutert die Arbeitsbedingungen von Gigworkern sowie die Rolle der "Coreworker".
3. Kununus evaluative Infrastruktur für Arbeitgeberbewertungen: Hier wird das Bewertungsinstrument Kununu analysiert, seine algorithmischen Strukturen beleuchtet und eine methodische Reflexion zur Datenqualität der nutzerbasierten Bewertungen vorgenommen.
4. Methodologie der Analyse: Das Kapitel beschreibt das Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz, die Datenerhebung via Webscraping bei Lieferando und die spezifische Samplegestaltung.
5. Lieferando als exemplarisches Fallbeispiel: Der Hauptteil bietet eine detaillierte Analyse der Arbeitsplatzeigenschaften für Kuriere (Gigworker) und Büroangestellte (Coreworker) unter Anwendung der sieben induktiven Kernkategorien.
6. Forschungslimitationen und Gütekriterien: Der Autor thematisiert hier kritisch die Grenzen der Untersuchung, insbesondere in Bezug auf die Repräsentativität und die Verzerrungsrisiken durch Drittvariablen bei der Interpretation.
7. Potentiale für die Plattformarbeitsforschung: Zwischen Imagination und empirischer Realität: Dieses Kapitel diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Forschungsfragen und bewertet den Nutzen von Kununu-Daten für die soziologische Forschung.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen Paradigmenwechsel bei der Nutzung neuartiger Datenquellen in der Plattformarbeitsforschung.
Plattformökonomie, Gigwork, Coreworker, Lieferando, Kununu, Arbeitsplatzeigenschaften, qualitative Inhaltsanalyse, digitale Plattformorganisation, Bewertungsdaten, Arbeitsforschung, Plattformkapitalismus, Risikokapital, Arbeitsmarkt, Arbeitgeberbewertung, Transaktionsplattform.
Die Arbeit untersucht, wie Arbeitssituationen innerhalb von Plattformunternehmen durch Online-Bewertungsdaten von der Plattform Kununu abgebildet und erforscht werden können.
Die zentralen Themen umfassen die Plattformökonomie, die Untersuchung von Arbeitsplatzeigenschaften bei digitalen Diensten und die Analyse von Arbeitnehmerbewertungen als datengestützte Informationsquelle.
Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Kununu-Daten an blinde Flecken der bisherigen Plattformarbeitsforschung anknüpfen können, um ein präziseres Bild von Arbeitsbedingungen bei Firmen wie Lieferando zu zeichnen.
Die Autorin wendet die qualitative Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz an, um Nutzerbewertungen systematisch in Kernkategorien zu verdichten und auszuwerten.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Arbeitsplatzeigenschaften der Essenslieferanten (Gigworker) und der im Headquarter tätigen Angestellten (Coreworker) bei Lieferando.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die "plattform-employed labor", "Risikoarbeit", Bewertungskulturen und die algorithmische Infrastruktur von Plattformen.
Die Bedingungen sind geprägt durch hohe Flexibilität bei der Schichtplanung, aber auch durch eine Zersplitterung in Arbeitsgruppen, Eigenverantwortung bei der Ausstattung und eine teils dysfunktionale Kommunikation via App.
Die Coreworker werden als hochqualifizierte Beschäftigte im Headquarter betrachtet, die zwar von einer höheren Autonomie in ihrer Arbeitsgestaltung berichten, aber auch von "Hire-and-Fire"-Politiken und oft intransparenten Beförderungsstrukturen betroffen sind.
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