Doktorarbeit / Dissertation, 2007
276 Seiten, Note: Sehr gut
Teil I: Paraguays Geschichte seit der Unabhängigkeit (1813): eine lange Tradition von Diktaturen
1. Paraguays Weg zur Unabhängigkeit
2. Die Regierung der Diktatoren
2.1. Dr. Francia
2.2. Carlos Antonio López
2.3. Francisco Solano López
3. Der Tripel-Allianz-Krieg (1864-70) – Ende des paraguayischen Sonderweges
4. Der langsame Wiederaufstieg – Die erste Colorado-Ära (1870-1904)
5. Die liberale Ära (1904-1940)
6. Der Chaco-Krieg (1932-35)
7. Die Februarrevolution von 1936
8. Die Morínigo-Ära (1940-48)
9. Die Rückkehr der Colorados an die Macht
10. Die Diktatur Aflredo Stroessners
10.1. Der Aufstieg Alfredo Stroessners
10.2. Die Konsolidierung der Macht
10.3. Stroessners Stützen der Macht – Armee und Colorados
10.3.1. Die Armee
10.3.2. Die Partei
10.4. Die Opposition
10.5. Wirtschaftsentwicklung
10.6. Repression und Menschenrechtsverletzungen
10.7. Merkmale der Stroessner-Herrschaft
10.8. Das Ende der Herrschaft Stroessners
11. Die Demokratisierung Paraguays 1989-2005
Teil II: Geschichte und Gedächtnis
1. Gedächtniskonjunktur
2. Gedächtnistheorien – die sozialen Rahmen der Erinnerung
2.1. Das kollektive Gedächtnis
2.2. Das kommunikative und das kulturelle Gedächtnis
2.3. Erinnerungsbilder und –figuren
2.4. Der "floating gap"
2.5. Funktions- und Speichergedächtnis
3. Psychoanalytische Ansätze der Geschichtswissenschaft
4. Ziele und Strategien der "Vergangenheitsaufarbeitung"
4.1. Zur Begrifflichkeit
4.2. Ziele und Strategien der Vergangenheitsaufarbeitung
Teil III: Das Archivo del Terror
1. Die Entdeckung des Archivs
2. Die anderen Archive
3. Archivierung und Klassifizierung
4. Das Archiv in Zahlen
5. Der Inhalt des Archivs anhand einiger exemplarischer Fälle
5.1. Die Pyragüés
5.2. Die Operation Cóndor
5.2.1. Fälle der Operation Cóndor
5.2.1.1. Der Fall Agustín Goiburú Giménez
5.2.1.2. Die Überstellung von fünf ArgentinierInnen und Uruguayern
5.2.1.3. Gladys Meilinger de Sannemann
5.2.1.4. Andere Dokumente
5.3. Die Unterstützung durch die USA
5.4. Die Ligas Agrarias Cristianas
5.4.1. Der Fall Jejuí
5.4.2. Der Fall Caaguazú
5.5. Die OPM
5.5.1. Der Fall Mario Schaerer Prono
5.5.2. Widersprüchlichkeiten des Archivs
5.6. Die Ermordung Somozas in Asunción
5.7. Exkurs: Mythos Martin Bormann in Paraguay
Teil IV. Die Rolle des Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung
1. Die öffentlich/politische Debatte
1.1. Der mediale Diskurs
1.2. Der politische Diskurs
2. Die juristische Bedeutung des Archivs
2.1. Prozesse gegen Menschenrechtsverbrecher
3. Die Bedeutung des Archivs für die Entschädigungszahlungen
3.1. Entschädigungen – eine neue internationale Moral?
3.2. Entschädigungen in Paraguay – ein erfolgreiches Modell?
4. Das Archiv als Gedenkstätte
4.1. Andere Gedächtnisorte
4.1.1. Testimonio-Literatur
4.1.2. Año de la Memoria Histórica und Museum
4.1.3. Plätze, Straßen u.a.
4.1.4. 3. November, Fecha feliz
5. Die Comisión de Verdad y Justicia
Schlussbetrachtung: Defizitäre Vergangenheitsaufarbeitung trotz Archivo del Terror
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang der paraguayischen Gesellschaft mit der fast 35-jährigen Militärdiktatur unter Alfredo Stroessner. Im Zentrum steht die Analyse des "Archivo del Terror" als zentraler Faktor der Vergangenheitsaufarbeitung, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, welche Rolle das Archiv in der Aufarbeitungsdebatte einnimmt und ob es effektiv zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Regime beitragen konnte.
5.1. Die Pyragüés
Die Dokumente des Archivo del Terror geben ähnlich wie die Stasiakten interessante Einblicke, wie ein autoritäres Regime einen gut strukturierten und perfekt funktionierenden Beschattungsapparat durch Einbindung der Bevölkerung als InformantInnen und DenunziantInnen aufbauen konnte. Diese Bespitzelungsmaschinerie, wie sie in Paraguay während der Diktatur Stroessners umgesetzt wurde, ist keineswegs eine Erfindung und Besonderheit des Rubio, wie der Caudillo von seinen Landsleuten genannt wurde, und Beschattungen wurden schon in der Zeit vor Stroessner in Paraguay durchgeführt, wie das Archivo Pre-Stronista zeigt. Aber durch die Dokumente ist ersichtlich, auf welche Weise das Regime sich der Kollaboration der Bevölkerung bediente, um so kritische Personen und Gruppen besser kontrollieren und damit unterdrücken zu können.
InformantInnen, die sowohl inner- als auch außerhalb Paraguays tätig waren und die der Polizei regelmäßig von den Aktivitäten oppositioneller und verdächtiger Personen oder Organisationen berichteten, wurden Pyragüés genannt (stammt aus dem Guaraní und bedeutet wörtlich behaarter Fuß, also jemand, der leise gehen kann). Die Pyragüés waren keine professionellen GeheimspionInnen, sondern meistens DurchschnittsbürgerInnen, die sich durch den Dienst als InformantIn etwas dazuverdienten oder für ihre Informationen andere Privilegien erhielten. Die Bezeichnung Pyragüé erhielt jemand, der einen Tag lang das Haus einer beschatteten Person beobachtete oder sich in eine Organisation einschleuste und daraufhin der Polizei einen detaillierten Bericht überbrachte, von denen sich Tausende sowohl handgeschriebene als auch später maschinengeschriebene Berichte im Archivo del Terror befinden und meist mit Es mi informe unterzeichnet wurden.
Teil I: Paraguays Geschichte seit der Unabhängigkeit (1813): eine lange Tradition von Diktaturen: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über Paraguay von der Unabhängigkeit bis zur Diktatur Stroessners, wobei die politische Instabilität und autoritäre Herrschaftsformen im Vordergrund stehen.
Teil II: Geschichte und Gedächtnis: Hier werden theoretische Ansätze zur Vergangenheitsaufarbeitung sowie Theorien zum kollektiven Gedächtnis erörtert, um den Kontext der Erinnerungskultur zu schaffen.
Teil III: Das Archivo del Terror: Das Kapitel widmet sich der Entdeckung, Struktur und dem Inhalt des Archivs sowie exemplarischen Fällen wie der Operation Cóndor und der Überwachung durch die sogenannten Pyragüés.
Teil IV. Die Rolle des Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung: Dieses Kapitel analysiert, wie das Archiv in der politischen Debatte, in juristischen Prozessen, bei Entschädigungszahlungen und durch die Wahrheitskommission in Paraguay genutzt wird.
Paraguay, Stroessner-Diktatur, Archivo del Terror, Vergangenheitsaufarbeitung, Gedächtnis, Menschenrechte, Operation Cóndor, Pyragüés, Militärdiktatur, Kommission für Wahrheit und Gerechtigkeit, Erinnerungskultur, Repression, Ligas Agrarias, Opposition, Demokratisierung.
Die Arbeit untersucht den Umgang der paraguayischen Gesellschaft mit der militärischen Vergangenheit unter Alfredo Stroessner und die zentrale Bedeutung des "Archivo del Terror" bei diesem Aufarbeitungsprozess.
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte Paraguays, Gedächtnistheorien, die detaillierte Analyse des gefundenen Archivs der politischen Polizei sowie die gesellschaftliche und juristische Aufarbeitung der Diktatur.
Das primäre Ziel ist zu erforschen, welche Rolle das "Archivo del Terror" in der Aufarbeitungsdebatte über die Diktatur in Paraguay einnimmt und wie es als Motor für eine kritische Auseinandersetzung fungiert.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die Dokumente des Archivs, Zeitungsartikel, wissenschaftliche Literatur sowie eine Vielzahl qualitativer Interviews mit Zeitzeugen und Akteuren kombiniert.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Diktaturgeschichte, den theoretischen Aspekten der Erinnerung, der konkreten Entdeckung des Archivs sowie der Rolle dieses Archivs bei juristischen Prozessen und der Arbeit der Wahrheitskommission.
Schlüsselwörter wie Paraguay, Archivo del Terror, Stroessner-Diktatur, Vergangenheitsaufarbeitung, Gedächtnis und Operation Cóndor beschreiben den Kern der Arbeit.
Es ist das umfassendste und in dieser Form einzige Archiv eines rechten Militärregimes auf dem Kontinent, das detaillierte Beweise für Menschenrechtsverbrechen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit (Operation Cóndor) liefert.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Aufarbeitung trotz des Archivs defizitär bleibt, da die politische Elite weitgehend unangetastet blieb und das Archiv bisher nur begrenzt zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung beigetragen hat.
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