Diplomarbeit, 2008
83 Seiten, Note: gut
1. Einleitung: Die erste globale Epidemie des neuen Jahrhunderts
2. Vorstellung relevanter Studien
2.1 Die KiGGS-Studie – Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
2.2 Die HBSC-Studie – “Health Behaviour in School-aged Children”
2.3 Die NVS II – Die zweite nationale Verzehrsstudie
2.4 Die KOPS-Studie – Kiel Obesity Prevention Study
2.5 Die DONALD-Studie – Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study
3. Definition von Übergewicht und Adipositas
3.1 Der Body Mass Index
3.2 Alters- und geschlechtsspezifische Perzentilwerte
3.3 Das Dilemma des Referenzsystems
4. Aktuelle Prävalenzraten von Übergewicht und Adipositas in Deutschland
5. Übergewicht als psychosoziales Problem
6. Methodische Anmerkungen
6.1 Allgemeine methodische Probleme
6.2 Besondere Anforderungen der empirischen Sozialwissenschaft bei Heranwachsenden
6.3 Methoden und Probleme der empirischen Ernährungsforschung
6.3.1 Probleme von Ernährungserhebungen
6.3.2 Verfahren der empirischen Ernährungsforschung
6.3.2.1 Retrospektive Erhebungen
6.3.2.2 Prospektive Verfahren
7. Einfluss- und Risikofaktoren von Übergewicht und Adipositas
7.1 Die Rolle der Genetik
7.2 Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen
7.2.1 Habitualisierung des Gesundheitsverhaltens bei Heranwachsenden
7.2.2 Diskrepanz zwischen Ernährungswissen und –Verhalten
7.2.3 Energiebilanz und gesunde Ernährung
7.2.4 Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
7.2.4.1 Die EsKiMo-Studie (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul)
7.2.4.2 Eskimo-Ergebnisse: Lebensmittelverzehr bei Heranwachsenden
7.2.4.3 Trends im Lebensmittelverzehr bei Heranwachsenden
7.2.5 Die Korrelationsproblematik
7.2.6 Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Übergewicht
7.3 Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
7.3.1 Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen
7.3.2 Erkenntnisse zur körperlich-sportlichen Aktivität
7.3.2.1 Sportliche Aktivität von Kindern
7.3.2.2 Körperlich-sportliche Aktivität von Jugendlichen
7.3.2.3 Zusammenfassung und Vergleich der KiGGS-Ergebnisse mit der HBSC-Studie
7.3.3 Medienrezeption und Inaktivität
7.3.3.1 Soziodemographische Unterschiede in der Mediennutzung
7.3.3.2 Zusammenhang zwischen Medienrezeption und körperlich-sportlicher Aktivität
7.3.3.3 Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Übergewicht
8. Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen
8.1 Soziale Ungleichheit
8.2 Aufwachsen unter ungünstigen Lebensumständen
8.3 Übergewicht und sozialer Status
9. Ausblick
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die aktuelle Ausbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland darzustellen. Dabei wird insbesondere das komplexe Gefüge aus Ernährungs- und Bewegungsverhalten in den Fokus gerückt, wobei auch die Rolle der sozialen Ungleichheit analysiert wird, um ein tieferes Verständnis für die multifaktoriellen Ursachen dieses gesundheitspolitischen Problems zu gewinnen.
1. Einleitung: Die erste globale Epidemie des neuen Jahrhunderts
In der populären Phantasiewelt des Schlaraffenlandes spucken Käse- und Nudelvulkane Fertiggerichte auf den Tisch, fette Gänse und Schweine laufen gebraten herum, Fische schwimmen in die ausgestreckten Hände und gebratene Tauben in die offenen Münder (vgl. Richter 1984, S.30ff). Heute hat man häufig das Gefühl, dass die Utopie vom Schlaraffenland in unserer Gesellschaft Realität geworden ist. Statt aus Vulkanen kommen die Fertiggerichte sekundenschnell aus der Mikrowelle, die gebratenen Schweine laufen zwar nicht durch die Gegend, sind aber quasi, zumindest im urbanen Raum, an jeder Ecke in portionierter Weise verfügbar. Verführerisch inszenierte Produktpräsentationen in Verbindung mit einem, auch akustisch, einladenden Ambiente am Point of Sale locken den Konsumenten mit erschwinglichen Preisen. Insbesondere hochkalorische Lebensmittel werden an jeder Ecke angeboten, meist günstiger als Obst oder Gemüse. Die Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich darin, dass der prozentuale Anteil übergewichtiger Menschen in der Bevölkerung westlicher Industrieländer seit einigen Jahrzehnten stetig zunimmt. Ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht abzusehen (vgl. Benecke; Vogel 2005, S.7). Insgesamt sind in Deutschland 66% der Männer und 50,6% der Frauen (18-80 Jahre) übergewichtig oder adipös (vgl. Max Rubner Institut 2008b, S.81*). Auf der anderen Seite kann man Gesundheit, Ernährung und Fitness mittlerweile als „Megatrend“ – sowohl in ökonomischer, als auch in sozialer und kultureller Hinsicht – bezeichnen (vgl. Eberle 2004, S.9*).
In der menschlichen Evolutionsgeschichte haben sich die Fähigkeiten einer effektiven Energienutzung und -Speicherung als wichtiger Überlebensvorteil in Nahrungsnotzeiten herausgestellt. Die Gene und der dadurch gesteuerte Stoffwechsel sind aufgrund dessen gut darauf eingerichtet, Situationen des Energiemangels, nicht aber solche der Überernährung zu bewältigen (vgl. Pudel 2003a, S.2). Adipositas, als extreme Form von Übergewicht, kann man i.d.S. auch als eine natürliche, physiologische Reaktion auf eine chronisch-positive Energiebilanz sehen. Diese evolutionsbiologisch angelegte Überlebensstrategie kann sich allerdings in der heutigen Zeit des Nahrungsüberflusses schnell „zum genetischen Bumerang“ (Kersting 2005, S.62) entwickeln, da das menschliche Genom immer noch dem des Jägers und Sammlers entspricht.
1. Einleitung: Die erste globale Epidemie des neuen Jahrhunderts: Einführung in die Thematik von Übergewicht als moderne Herausforderung und evolutionäres Dilemma.
2. Vorstellung relevanter Studien: Überblick über zentrale epidemiologische Studien wie KiGGS, HBSC und NVS II zur Datengrundlage.
3. Definition von Übergewicht und Adipositas: Erläuterung der BMI-Metrik sowie der Bedeutung alters- und geschlechtsspezifischer Perzentilwerte.
4. Aktuelle Prävalenzraten von Übergewicht und Adipositas in Deutschland: Darstellung der aktuellen statistischen Verbreitung von Übergewicht in verschiedenen Altersgruppen.
5. Übergewicht als psychosoziales Problem: Analyse der gesellschaftlichen Stigmatisierung und der Auswirkungen auf das Selbstbild Heranwachsender.
6. Methodische Anmerkungen: Erörterung der Schwierigkeiten bei der empirischen Erhebung von Ernährungs- und Bewegungsdaten.
7. Einfluss- und Risikofaktoren von Übergewicht und Adipositas: Analyse genetischer, ernährungsphysiologischer, bewegungsbezogener und medialer Einflussfaktoren.
8. Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen: Untersuchung der Korrelation zwischen sozialem Status und gesundheitlichem Risiko.
9. Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Forderungen an die zukünftige gesundheitspolitische Präventionsstrategie.
Übergewicht, Adipositas, KiGGS, Ernährungsverhalten, Bewegungsmangel, soziale Ungleichheit, Prävalenzraten, Body Mass Index, Gesundheitsverhalten, Public Health, Kinder, Jugendliche, Medienkonsum, Ernährungserziehung, Sozialstatus
Die Diplomarbeit untersucht die aktuelle Situation und die Ursachen für die zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland anhand einer Sekundäranalyse.
Die zentralen Themenfelder umfassen die epidemiologische Datenlage, die Definition von Gewichtsstatus, die Rolle genetischer Faktoren, Ernährungs- und Bewegungsverhalten, sowie die soziologische Dimension gesundheitlicher Ungleichheit.
Das Hauptziel ist es, die aktuelle Ausbreitung von Adipositas aufzuzeigen und das komplexe Ursachengeflecht aus individuellem Verhalten und sozialen Rahmenbedingungen zu beleuchten.
Der Autor führt eine Sekundäranalyse aktueller empirischer Studien (u.a. KiGGS, HBSC, NVS II) durch, um den Forschungsstand zusammenzuführen und auftretende Datenlücken zu interpretieren.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Definition von Übergewicht, der Vorstellung relevanter Studien, methodischen Herausforderungen bei der Datenerhebung sowie den Einflussfaktoren Ernährung, Bewegung und Medienrezeption.
Die zentralen Begriffe sind Übergewicht, Adipositas, KiGGS, soziale Ungleichheit, Ernährungsverhalten, Bewegungsmangel und Public Health.
Der Autor untersucht Medienrezeption, da diese oft als Mitverursacher für Inaktivität und Übergewicht diskutiert wird und einen zentralen Bestandteil des heutigen Freizeitverhaltens von Jugendlichen darstellt.
Die Arbeit zeigt einen signifikanten inversen sozialen Gradienten: Kinder aus Familien mit niedrigerem Sozialstatus weisen statistisch ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas auf.
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