Bachelorarbeit, 2022
43 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Unzureichende Schmutzdefinition und Vorgehen
2. Schmutzkommunikation und die Verwandlung in Schmutz
3. Die verwehrte Beschmutzung des Beamten Klamm
4. Vernichtende Reinheit: In Schloß, Proceß und Verwandlung
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, dass Figuren in Franz Kafkas Werken – insbesondere im Roman "Das Schloß", aber auch vergleichend im "Proceß" und in der "Verwandlung" – nicht lediglich als schmutzig wahrgenommen werden, sondern innerhalb der textinternen Ordnungen den Status von "Schmutz" zugeschrieben bekommen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie diese Zuschreibung die Kommunikation, die soziale Hierarchie und die Möglichkeiten zur Reinigung oder Rehabilitation der betroffenen Figuren beeinflusst.
1. Einleitung
Die erste These dieser Arbeit offenbart sich bereits in ihrem Titel; sie zu verifizieren, wird Teil der Analyse der ausgewählten Werke Franz Kafkas sein. Die These lautet, dass es Figuren in seinen Werken gibt, die nicht nur als schmutzig gelten, sondern innerhalb der Texte den Status von Schmutz zugeschrieben bekommen und sich teilweise selbst zuschreiben. Diese vorsichtige Formulierung weist schon auf die Konkretion der Annahme hin. Denn es wird nicht behauptet, dass die Figuren, die zum Gegenstand der Analyse werden, Schmutz sind. Diese Arbeit identifiziert keine Figuren als Schmutz, sondern zeigt auf, dass andere Figuren in den Texten dies tuen, oder, dass aufgrund der in den Texten entworfenen Ordnungen und Gesetze, Figuren als Schmutz gelten.
Daraus, dass Figuren in Kafkas Werken als Schmutz eingeordnet werden, ergeben sich dann weitreichende Implikationen. Die Auswirkungen des Schmutzes auf die Kommunikation, die Funktion der Hierarchie und die Gefahr der Befleckung sind zentrale Themen für diese Arbeit, die vor allem im Schloß untersucht und mit dem Proceß und der Verwandlung verglichen werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Reinigung gelegt. Sie markiert einen gewichtigen Unterschied zwischen einer schmutzigen und einer Schmutzfigur. Denn es kann nur eine Reinigung von dem Schmutz geben, hingegen ist die Reinigung des Schmutzes unmöglich. Ein Fleck kann entfernt und somit der Befleckte gereinigt werden, doch der Fleck selbst ist damit vernichtet. Reinigung bedeutet für den Schmutz also Vernichtung und Verschwinden.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die These auf, dass bestimmte Figuren in Kafkas Werk als "Schmutz" konstruiert werden, und erläutert die methodische Abgrenzung zu bestehenden Schmutzdefinitionen von Autoren wie Mary Douglas oder Christian Enzensberger.
1.1 Unzureichende Schmutzdefinition und Vorgehen: Dieses Unterkapitel kritisiert die Anwendbarkeit externer Schmutzbegriffe auf Kafkas Werk und begründet das Vorgehen, die Schmutzordnungen direkt aus den textinhärenten Strukturen der Romane abzuleiten.
2. Schmutzkommunikation und die Verwandlung in Schmutz: Das Kapitel analysiert die dysfunktionalen Kommunikationswege im Roman "Das Schloß" und wie die Hierarchie als Schutzmittel dient, um Beamte vor der "Infektion" durch Schmutzfiguren zu bewahren.
3. Die verwehrte Beschmutzung des Beamten Klamm: Hier werden die Versuche des Protagonisten K. untersucht, durch direkten Kontakt eine Verbindung zum Beamten Klamm herzustellen, und wie das System diese Annäherung als Gefahr abwehrt und K. als Schmutz isoliert.
4. Vernichtende Reinheit: In Schloß, Proceß und Verwandlung: Dieses Kapitel vergleicht die Beseitigungsprozesse in allen drei Werken, wobei die "Reinigung" stets radikal als Vernichtung der Figur konzipiert ist.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Revolution des Schmutzes, also die Einordnung des Schmutzes in das Zentrum einer neuen Ordnung, in allen analysierten Werken scheitert.
Franz Kafka, Das Schloß, Der Proceß, Die Verwandlung, Schmutz, Reinheit, Hierarchie, Kommunikation, soziale Ausgrenzung, Reinigung, Ambivalenz, Institutionen, Macht, Marginalisierung, Existenzbehauptung
Die Arbeit untersucht die spezifische Verwendung des Schmutzbegriffs bei Franz Kafka und analysiert, wie Figuren durch textinterne Ordnungen den Status von "Schmutz" zugeschrieben bekommen.
Zu den zentralen Themen gehören die strukturelle Funktion von Schmutz innerhalb der sozialen Hierarchien in Kafkas Romanen, die Unterbindung jeglicher Kommunikation zwischen "Schmutzfiguren" und den Repräsentanten der Macht sowie die Unmöglichkeit der Wiedereingliederung.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Schmutz bei Kafka nicht als bloße Eigenschaft, sondern als existenzgefährdender Status fungiert, der Reinigung durch Vernichtung erzwingt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Schmutztheorien von Mary Douglas und Christian Enzensberger mit einer spezifischen Textanalyse kafkaesker Ordnungen konfrontiert, um die internen Logiken der Romanwelten freizulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Schmutzkommunikation und dem Schutz der Beamten, die verwehrten Annäherungsversuche des Protagonisten K. und schließlich einen Vergleich zwischen den drei Werken hinsichtlich der Mechanismen zur Reinigung und Vernichtung von Schmutzfiguren.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Schmutztheorie, soziale Hierarchie, institutionelle Ausgrenzung, existenzielle Vernichtung und kompromisslose Reinigung aus.
Die Arbeit stellt heraus, dass eine Person zwar "schmutzig" sein kann, was im Rahmen einer Ordnung durch Reinigung reversibel ist, aber der Status als "Schmutz" eine essenzielle Zuschreibung darstellt, die nur durch das Verschwinden oder die Vernichtung der gesamten Figur beendet werden kann.
Der Brief verdeutlicht die kontraintuitive Schmutzordnung: Was außerhalb der Ordnung als Schmutz gelten würde, wird von den Beamten als "sauber" intentiert, was die dysfunktionale Brücke zwischen den sozialen Schichten symbolisiert.
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