Doktorarbeit / Dissertation, 2003
148 Seiten, Note: Magna cum laude
EINLEITUNG
THEORETISCHER TEIL
1. DIE PANIKSTÖRUNG
1.1. DEFINITION UND DIAGNOSEKRITERIEN
1.2. EPIDEMIOLOGIE UND VERLAUF
1.3. NEUROBIOLOGISCHE GRUNDLAGEN VON PANIKATTACKEN
1.4. PSYCHOPHYSIOLOGISCHE BESONDERHEITEN DER PANIKSTÖRUNG
2. PSYCHOPHYSIOLOGISCHE GRUNDLAGEN
2.1. EVOZIERTE POTENTIALE
2.1.1. P3 UND POSITIVE SLOW WAVE (PSW)
2.1.2. CONTINGENT NEGATIVE VARIATION (CNV)
2.2. STARTLE-REFLEX
2.3. HAUTLEITFÄHIGKEIT
3. EMOTIONSTHEORIEN
3.1. ÜBERSICHT
3.2. DIE EMOTIONSTHEORIE VON LANG
3.2.1. GRUNDLAGEN
3.2.2. METHODIK
3.2.3. BEFUNDE ZUR EMOTIONALEN BILDBETRACHTUNG BEI GESUNDEN PERSONEN
3.2.4. BEFUNDE ZUR VERARBEITUNG EMOTIONALER REIZE BEI HOCHÄNGSTLICHEN PERSONEN UND PERSONEN MIT ANGSTSTÖRUNGEN
4. THEORIEN ZUR ENTSTEHUNG DER PANIKSTÖRUNG
4.1. KONDITIONIERUNGSTHEORIEN
4.1.1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
4.1.2. BEFUNDE ZUR DEN KONDITIONIERUNGSTHEORIEN
4.2. KOGNITIVE THEORIEN
4.2.1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
4.2.2. BEFUNDE ZU DEN KOGNITIVEN THEORIEN
4.3. DIE THEORIE DER ANXIETY SENSITIVITY
5. DER COVARIATION BIAS
5.1. BEGRIFFSBESTIMMUNG UND THEORETISCHER HINTERGRUND
5.2. DAS PARADIGMA DER ILLUSORISCHEN KORRELATION: BEFUNDE
5.2.1. COVARIATION BIAS BEI HOCHÄNGSTLICHEN PROBANDEN UND ANGSTPATIENTEN
5.2.2. COVARIATION BIAS UND STARTLE-REFLEX
5.3. COVARIATION BIAS UND CONTINGENT NEGATIVE VARIATION (CNV)
5.3.1. BEFUNDE ZUR CNV BEI ANGSTPATIENTEN
5.3.2. BEFUNDE ZUM ZUSAMMENHANG VON COVARIATION BIAS UND CNV
6. RISIKOFAKTOREN FÜR ENTSTEHUNG UND VERLAUF DER PANIKSTÖRUNG
6.1. ÜBERBLICK ÜBER MÖGLICHE RISIKOFAKTOREN
6.2. ANXIETY SENSITIVITY ALS RISIKOFAKTOR FÜR ENTSTEHUNG UND VERLAUF DER PANIKSTÖRUNG
6.2.1. DER ANXIETY SENSITIVITY INDEX (ASI)
6.2.2. ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ANXIETY SENSITIVITY UND PANIKATTACKEN
6.2.3. ANXIETY SENSITIVITY ALS PRÄDIKTOR FÜR PANIKATTACKEN BEI GESUNDEN
6.2.4. ANXIETY SENSITIVITY ALS PRÄDIKTOR FÜR DEN VERLAUF DER PANIKSTÖRUNG
6.2.5. DIE ROLLE DER ANXIETY SENSITIVITY BEI DER REAKTION AUF STREßINDUKTION UND PANIKPROVOKATION
6.2.6. PARALLELEN ZWISCHEN HOHER ANXIETY SENSITIVITY UND PANIKATTACKEN
6.2.6.1. Kognitive Verarbeitungsprozesse bei hoher Anxiety Sensitivity
6.2.6.2. Beeinflussung von Anxiety Sensitivity durch Therapie
6.2.7. ZUSAMMENFASSUNG
6.3. NICHT-KLINISCHE PANIKATTACKEN ALS RISIKOFAKTOR FÜR DIE PANIKSTÖRUNG
6.3.1. KOGNITIVE VERARBEITUNGSPROZESSE BEI PERSONEN MIT NICHT-KLINISCHER PANIK
6.3.2. REAKTION AUF STREßINDUKTION UND PANIKPROVOKATION BEI PERSONEN MIT NICHT-KLINISCHER PANIK
6.3.3. ZUSAMMENFASSUNG
7. ZIELSETZUNG UND ALLGEMEINE HYPOTHESEN
EMPIRISCHER TEIL
8. VORVERSUCH: MODULATION PSYCHOPHYSIOLOGISCHER VARIABLEN DURCH EMOTIONALE BILDREIZE BEI GESUNDEN PROBANDEN
8.1. ZIELSETZUNG
8.2. METHODIK
8.2.1. REKRUTIERUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER
8.2.2. VERSUCHSMATERIAL
8.2.3. VERSUCHSABLAUF UND VERSUCHSDESIGN
8.2.4. AUFZEICHNUNG UND VORAUSWERTUNG DER PSYCHOPHYSIOLOGISCHEN DATEN
8.2.5. STATISTISCHE ANALYSE
8.3. HYPOTHESEN
8.4. ERGEBNISSE
8.4.1. BESCHREIBUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER
8.4.2. VALENZ- UND AROUSALRATINGS UND BETRACHTUNGSZEIT
8.4.3. EEG-DATEN
8.4.4. STARTLE-REFLEX
8.4.5. SCR
8.4.6. KORRELATIONEN ZWISCHEN SUBJEKTIVEN UND PSYCHOPHYSIOLOGISCHEN VARIABLEN
8.5. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
9. HAUPTVERSUCH I: VERARBEITUNG EMOTIONALER REIZE BEI RISIKOGRUPPEN FÜR DIE PANIKSTÖRUNG
9.1. ZIELSETZUNG
9.2. METHODIK
9.2.1. REKRUTIERUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER
9.2.2. AUSWAHLKRITERIEN
9.2.3. VERSUCHSMATERIAL
9.2.4. VERSUCHSABLAUF UND VERSUCHSDESIGN
9.2.5. AUFZEICHNUNG UND VORAUSWERTUNG DER PSYCHOPHYSIOLOGISCHEN DATEN
9.2.6. STATISTISCHE ANALYSE
9.3. HYPOTHESEN
9.4. ERGEBNISSE
9.4.1. BESCHREIBUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER
9.4.2. ASI-DATEN
9.4.3. TRAIT-VARIABLEN
9.4.4. ALLGEMEINE UND KÖRPERBEZOGENE ÄNGSTE WÄHREND DES VERSUCHS
9.4.5. VALENZRATINGS
9.4.6. AROUSALRATINGS
9.4.7. BETRACHTUNGSZEIT
9.4.8. HÄUFIGKEIT DER BILDER UND UNANGENEHMHEIT DES STARTLE-TONS
9.4.9. KOVARIATIONSSCHÄTZUNGEN
9.4.10. EEG
9.4.11. STARTLE-REFLEX
9.4.12. SCR
9.5. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
9.5.1. FRAGEBOGENDATEN
9.5.2. SUBJEKTIVE MAßE ZU DEN EINZELNEN BILDKATEGORIEN
9.5.3. PSYCHOPHYSIOLOGISCHE MAßE
9.5.4. FAZIT
10. HAUPTVERSUCH II: VERÄNDERTE ZUSAMMENHANGSERWARTUNGEN FÜR PANIKRELEVANTE REIZE BEI PANIKPATIENTEN
10.1. ZIELSETZUNG
10.2. METHODIK
10.2.1. REKRUTIERUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER UND AUSWAHLKRITERIEN
10.2.2. VERSUCHSMATERIAL
10.2.3. VERSUCHSABLAUF UND VERSUCHSDESIGN
10.2.4. AUFZEICHNUNG UND VORAUSWERTUNG DER PSYCHOPHYSIOLOGISCHEN DATEN
10.2.5. STATISTISCHE ANALYSE
10.3. HYPOTHESEN
10.4. ERGEBNISSE
10.4.1. BESCHREIBUNG DER VERSUCHSTEILNEHMER
10.4.2. EXPECTANCY RATINGS
10.4.3. ERSTER BLOCK
10.4.3.1. Häufigkeit der Bilder und Unangenehmheit des Startle-Tons
10.4.3.2. Kovariationsschätzungen
10.4.3.3. EEG-Daten
10.4.3.4. Startle-Reflex
10.4.3.5. SCR-Kennwerte
10.4.4. ZWEITER BLOCK
10.4.4.1. Häufigkeit der Bilder und Unangenehmheit des Startle-Tons
10.4.4.2. Kovariationsschätzungen
10.4.4.3. EEG-Daten
10.4.4.4. Peripherphysiologische Daten
10.4.5. DRITTER BLOCK
10.4.5.1. Häufigkeit der Bilder und Unangenehmheit des Startle-Tons
10.4.5.2. Kovariationsschätzungen
10.4.5.3. EEG-Daten
10.4.5.4. Peripherphysiologische Daten
10.5. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
10.5.1. ERSTER BLOCK
10.5.2. ZWEITER UND DRITTER BLOCK
10.5.3. METHODISCHE GESICHTSPUNKTE
10.5.4. FAZIT
11. ALLGEMEINE DISKUSSION UND AUSBLICK
11.1. RELEVANZ DER STUDIENERGEBNISSE
11.2. GRENZEN UND METHODISCHE KRITIKPUNKTE DER STUDIEN
11.3. AUSBLICK
Die vorliegende Dissertation untersucht die psychophysiologischen und kognitiven Mechanismen, die der Verarbeitung emotionaler und insbesondere panikrelevanter Reize bei Patienten mit einer Panikstörung sowie bei Personen mit einem erhöhten Risiko für die Erkrankung zugrunde liegen.
3.2. Die Emotionstheorie von Lang
Die Emotionstheorie von Lang (Lang, 1985; Lang et al., 1998) geht von zwei basalen Motivationssystemen, einem Annäherungs- und einem Vermeidungssystem, aus. Diese haben sich nach Lang herausgebildet, da sie vorteilhaft für das Überleben des Individuums sind. Beide Motivationssysteme werden durch das Arousal, definiert als metabolische oder mentale Aktivierung der beiden Systeme, moduliert. Als Belege für sein Modell führt Lang an, daß unkonditionierte Reflexe sich in appetitive und aversive Reflexe einteilen lassen (Konorski, 1967), und daß die Beurteilung einer großen Anzahl von emotionalen Wörtern durch sehr viele Personen eine eindeutige Verteilung entlang der zwei Dimensionen „Annäherung – Vermeidung“ und „Arousal“ ergab (Osgood, Suci & Tannenbaum, 1957).
Lang nimmt an, daß es für appetitives und aversives Verhalten spezifische neuronale Schaltkreise gibt, die die sensorische Reizaufnahme und -verarbeitung, die Reizbewertung sowie autonome und motorische Verhaltensantworten steuern. Emotionen stellen in Lang’s Theorie Handlungsdispositionen dar. Dies bedeutet, daß durch eine bestimmte Emotion bestimmte neuronale Schaltkreise aktiviert werden, wodurch die Auftretenswahrscheinlichkeit für zugehörige efferente Prozesse (Gedanken, autonome und motorische Reaktionen) erhöht wird („Priming“), während die Auftretenswahrscheinlichkeit für zu diesem Schaltkreis inkongruente Prozesse verringert wird. Emotionen steuern somit auch die Aufmerksamkeit, die wiederum die Auswahl und Bewertung motivational bedeutsamer Reize reguliert. Allerdings ist für das Auftreten emotionaler Bewertungsprozesse nach Lang nicht unbedingt bewußtes Erkennen eines Reizes notwendig.
Lang konzipiert die Dimensionen Valenz und Arousal als grundlegende, „strategische“ Dimensionen des emotionalen Empfindens und Handelns, die jedoch aufgrund verschiedener Aspekte der jeweiligen Situation moduliert werden, und so erst zu einem spezifischen emotionalen Zustand führen. Bestimmte emotionale Reiz-Reaktionsverbindungen sind in diesem Modell genetisch determiniert, die weitere Spezifizierung in bestimmten Kontexten wird durch Lernprozesse moduliert.
1. Die Panikstörung: Einführung in Diagnosekriterien, Epidemiologie, neurobiologische Grundlagen und psychophysiologische Besonderheiten der Panikstörung.
2. Psychophysiologische Grundlagen: Erläuterung der Methoden wie evozierte Potentiale, Startle-Reflex und Hautleitfähigkeit, die für die empirischen Untersuchungen zentral sind.
3. Emotionstheorien: Detaillierte Beschreibung der Emotionstheorie von Lang und deren Bedeutung für die Konzeption emotionaler Bildbetrachtungen.
4. Theorien zur Entstehung der Panikstörung: Überblick über Konditionierungstheorien, kognitive Modelle und die Rolle der Anxiety Sensitivity.
5. Der Covariation Bias: Untersuchung der kognitiven Verzerrung bei der Einschätzung von Zusammenhängen zwischen Reizen und Konsequenzen.
6. Risikofaktoren für Entstehung und Verlauf der Panikstörung: Analyse der Bedeutung von hoher Anxiety Sensitivity und nicht-klinischen Panikattacken für die spätere Erkrankung.
7. Zielsetzung und allgemeine Hypothesen: Formulierung der Forschungsfragen für die drei empirischen Studien der Dissertation.
8. Vorversuch: Modulation psychophysiologischer Variablen durch emotionale Bildreize bei gesunden Probanden: Überprüfung der Methodik an gesunden Probanden zur Sicherstellung der Messbarkeit emotionaler Reaktionen.
9. Hauptversuch I: Verarbeitung emotionaler Reize bei Risikogruppen für die Panikstörung: Empirische Untersuchung von Personen mit erhöhtem Risiko (hohe AS, nicht-klinische Panikattacken) hinsichtlich ihrer Reaktion auf panikrelevante Bilder.
10. Hauptversuch II: Veränderte Zusammenhangserwartungen für panikrelevante Reize bei Panikpatienten: Untersuchung von Covariation Bias und physiologischen Korrelaten bei Patienten mit Panikstörung.
11. Allgemeine Diskussion und Ausblick: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse der drei Studien und Implikationen für weitere Forschung.
Panikstörung, Anxiety Sensitivity, Covariation Bias, Psychophysiologie, Angststörung, Startle-Reflex, CNV, EEG, emotionale Reizverarbeitung, nicht-klinische Panikattacken, Expectancy Bias, kognitive Verhaltenstherapie, Risikofaktoren, Emotionstheorie, IAPS
Die Arbeit untersucht psychophysiologische und subjektive Besonderheiten bei der Verarbeitung emotionaler und panikrelevanter Bilder bei Patienten mit einer Panikstörung sowie bei Personen mit einem erhöhten Risiko für diese Erkrankung.
Die Themen umfassen die Entstehung und Aufrechterhaltung von Panikstörungen, die Theorie der Anxiety Sensitivity, kognitive Verzerrungen (wie den Covariation Bias) sowie physiologische Indikatoren wie den Startle-Reflex und die CNV.
Ziel ist es, Mechanismen aufzudecken, die das Risiko für eine Panikstörung erhöhen, und zu verstehen, wie betroffene Gruppen auf angstrelevante Reize reagieren, um so Ansätze für Prävention und Therapie zu verbessern.
Die Autorin kombiniert subjektive Erhebungen (Fragebögen, Ratings) mit psychophysiologischen Messungen, darunter EEG (P3, CNV), Startle-Reflex-Messung (EMG) und Hautleitfähigkeitsmessungen (SCR).
Der Hauptteil gliedert sich in einen Vorversuch mit Gesunden und zwei Hauptversuche: eine Studie an Risikogruppen (hohe Anxiety Sensitivity und nicht-klinische Panikattacken) und eine Studie an diagnostizierten Panikpatienten.
Wichtige Begriffe sind Panikstörung, Anxiety Sensitivity, Covariation Bias, psychophysiologische Korrelate (CNV, Startle-Reflex), emotionale Reizverarbeitung und das IAPS (International Affective Picture System).
Laut den Ergebnissen zeigen Personen mit nicht-klinischen Panikattacken in einigen Maßen stärkere Ähnlichkeiten zu manifesten Panikpatienten als Personen, die "nur" eine hohe Anxiety Sensitivity aufweisen.
Überraschenderweise konnte im zweiten Hauptversuch kein subjektiver Covariation Bias nachgewiesen werden, was möglicherweise auf methodische Faktoren oder eine geringe Symptomschwere der unmedizierten Probanden zurückzuführen ist.
Die CNV (Contingent Negative Variation) dient als physiologischer Indikator für die Erwartung unangenehmer Konsequenzen und zeigte bei Panikpatienten im Vergleich zur Kontrollgruppe Besonderheiten bei der Verarbeitung panikrelevanter Bilder.
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