Masterarbeit, 2022
78 Seiten, Note: 12,5
A) Einführung
I. Anlass und Ziel der Untersuchung
II. Methodik und Gang der Untersuchung
B) Europarechtliche Vorgaben
I. Das Recht auf ein faires Verfahren gemäß Art. 6 EMRK
II. Das Urteil Salduz vs. Türkei
III. Der europäische Fahrplan zur Stärkung der Beschuldigtenrechte
IV. Richtlinie (EU) 2013/48
V. Richtlinie (EU) 2016/1919
VI. Richtlinie (EU) 2016/800
C) Die Ausgangsituation im deutschen Recht
I. Das Recht auf ein faires Verfahren
II. Das Institut der notwendigen Verteidigung und seine Abgrenzung zur Prozesskostenhilfe
D) Die Umsetzung der Richtlinien in nationales deutsches Recht
I. Gesetz zur Neuregelung des Rechts der notwendigen Verteidigung
1. Grundlagen
2. § 140 StPO: Notwendige Verteidigung
a) § 140 Abs. 1 StPO: Katalog
b) § 140 Abs. 2 StPO: Generalklausel
3. § 141 StPO: Zeitpunkt der Bestellung eines Pflichtverteidigers
a) § 141 Abs. 1 StPO: Antrag des Beschuldigten
b) § 141 Abs. 2 StPO: Bestellung von Amts wegen
4. § 141a StPO: Vernehmung und Gegenüberstellungen vor der Bestellung eines Pflichtverteidigers im Vorverfahren
5. § 142 StPO: Zuständigkeiten und Bestellungsverfahren
II. Gesetz zur Stärkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten im Jugendstrafverfahren
1. Grundlagen
2. § 68 JGG: Notwendige Verteidigung
3. § 68a JGG: Zeitpunkt der Bestellung eines Pflichtverteidigers
4. § 68b JGG: Vernehmung und Gegenüberstellung vor der Bestellung eines Pflichtverteidigers
III. Autonomie und Pflichtverteidigung
E) Exemplarische Rechtsvergleichung
I. Österreich
II. Niederlande
III. Litauen
IV. Systemvergleich
F) Auswirkungen auf die polizeiliche Sachbearbeitung
I. Die Problematik der erforderlichen Sanktionsprognose
II. Erzieherische Einwirkung auf den Beschuldigten im Jugendstrafverfahren
III. Der Grundsatz der Beschleunigung im Strafverfahren
IV. Die Bearbeitung von Eilfällen
V. Die erforderliche Belehrung über die Möglichkeit der Pflichtverteidigerbestellung
VI. Die Einschränkung der Aussagefreiheit
VII. Audiovisuelle Aufzeichnung von Vernehmungen
G) Fazit und Ausblick
Die Master-Thesis untersucht die Auswirkungen der Umsetzung der EU-Richtlinien zur notwendigen Verteidigung und zu Verfahrensrechten Jugendlicher auf die polizeiliche Sachbearbeitung in Deutschland. Die Forschungsfrage fokussiert dabei insbesondere auf die praktische Umsetzbarkeit der Vorverlagerung der Pflichtverteidigerbestellung in das Ermittlungsverfahren und die damit verbundenen Herausforderungen für die Ermittlungsbehörden.
II. Das Urteil Salduz vs. Türkei
Im Fahrplan zur Stärkung der Verfahrensrechte von Verdächtigen oder Beschuldigten im Strafverfahren nimmt der Europäische Rat direkt Bezug auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und damit auf das Urteil Salduz vs. Türkei vom 27.11.2008, dass in diesem Zusammenhang einer eingehenderen Betrachtung bedarf, da es als Ausgangspunkt des o.g. Fahrplans und der daraus resultierenden und zwischenzeitlich größtenteils umgesetzten gesetzgeberischen Maßnahmen betrachtet werden kann.
Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Der 17-jährige Kläger war Ende Mai 2001 von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Ihm wurde vorgeworfen an einer verbotenen Demonstration teilgenommen und ein illegales Transparent aufgehängt zu haben. Im Einklang mit den türkischen Sicherheitsgesetzen wurden ihm bei der folgenden polizeilichen Befragung kein Anwalt zur Verfügung gestellt. Der Kläger unterzeichnete jedoch eine Erklärung, in der er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestätigte und auf sein Schweigerecht verzichtete. Bei der am Tag darauf stattfindenden Befragung durch den Ermittlungsrichter stritt er die Vorwürfe ab, widerrief sein Geständnis und gab an, dies sei unter Zwang entstanden. Der Beschuldigte wurde in Untersuchungshaft genommen und später, maßgeblich auf Grundlage des widerrufenen Geständnisses, zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Große Kammer des EGMR stellte in der vorliegenden Sache ein Verstoß gegen Art. 6 Abs. 1, S. 1, Abs. 3 lit. c) EMRK fest.
A) Einführung: Das Kapitel erläutert den Anlass der Arbeit durch die Umsetzung diverser EU-Richtlinien in das deutsche Recht und definiert die methodische Vorgehensweise.
B) Europarechtliche Vorgaben: Hier werden die Grundlagen des Rechts auf ein faires Verfahren nach der EMRK sowie die maßgeblichen EU-Richtlinien und das Salduz-Urteil analysiert.
C) Die Ausgangsituation im deutschen Recht: Dieses Kapitel beschreibt den Status quo des deutschen Rechts bezüglich des fairen Verfahrens und des Instituts der notwendigen Verteidigung vor der Neuregelung.
D) Die Umsetzung der Richtlinien in nationales deutsches Recht: Eine detaillierte Aufarbeitung der Gesetzesänderungen zur Pflichtverteidigung sowohl in der StPO als auch im Jugendgerichtsgesetz (JGG).
E) Exemplarische Rechtsvergleichung: Ein Vergleich mit Österreich, den Niederlanden und Litauen verdeutlicht die deutsche Sonderstellung durch den vollständigen Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung.
F) Auswirkungen auf die polizeiliche Sachbearbeitung: Zentrale Analyse der praktischen Probleme wie der Sanktionsprognose, der Belehrungspflichten und der Verfahrensverzögerung durch Pflichtverteidigerbestellungen.
G) Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Neuregelungen und Ausblick auf die Notwendigkeit nachbessernder, praxisorientierter Reformen.
Pflichtverteidigung, Ermittlungsverfahren, EU-Verfahrensrechtsrichtlinien, Sanktionsprognose, Strafprozessrecht, Jugendstrafrecht, Salduz-Urteil, Prozesskostenhilfe, polizeiliche Sachbearbeitung, Beschleunigungsgebot, Verteidigerbestellung, Beweisverwertungsverbot, Autonomie des Beschuldigten, Verfahrensfairness, Recht auf Rechtsbeistand.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der gesetzlichen Neuregelungen zur Pflichtverteidigung, die infolge europäischer Richtlinien in das deutsche Straf- und Jugendstrafrecht implementiert wurden, auf die tägliche polizeiliche Ermittlungsarbeit.
Im Zentrum stehen die Vorverlagerung der Pflichtverteidigerbestellung, die Problematik der Sanktionsprognose bei unklarer Informationslage im Ermittlungsverfahren sowie die Vereinbarkeit der neuen Regelungen mit dem Erziehungsgedanken im Jugendstrafrecht.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Neuregelungen auf die Effektivität und Handhabbarkeit polizeilicher Ermittlungen auswirken und ob die befürchteten negativen Konsequenzen für die Praxis eingetreten sind.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einer rechtsdogmatischen Analyse der Gesetzgebungsmaterialien und Normen sowie einer rechtsvergleichenden Betrachtung ausgewählter EU-Staaten zur Einordnung der deutschen Umsetzung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Neuregelungen (StPO/JGG), einen Rechtsvergleich mit Österreich, den Niederlanden und Litauen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der polizeilichen Umsetzung, inklusive Themen wie der Sanktionsprognose und der audiovisuellen Vernehmung.
Zentrale Begriffe sind die "Pflichtverteidigung ab der ersten Stunde", die "Sanktionsprognose", das "Recht auf ein faires Verfahren" sowie die praktischen "Auswirkungen auf die polizeiliche Sachbearbeitung".
Polizeibeamte müssen bereits bei der Vernehmung entscheiden, ob ein Fall notwendiger Verteidigung vorliegt, was oft eine Prognose über die zu erwartende Strafe oder das zuständige Gericht erfordert, obwohl zum Zeitpunkt des ersten Zugriffs die Faktenlage noch unklar ist.
Im Jugendstrafrecht sind die Auswirkungen durch die obligatorische und weitgehende Pflichtverteidigerbestellung aufgrund pädagogischer Zielsetzungen noch gravierender, da sie die polizeiliche Arbeit und erzieherische Einwirkungsmöglichkeit im Vergleich zum Erwachsenenstrafrecht noch stärker einschränken.
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