Bachelorarbeit, 2012
48 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Spracheinstellungsforschung
a. Gründe für die Spracheinstellungsforschung
b. Begriffe der Spracheinstellungsforschung
i. Zum Begriff Einstellung
ii. Zum Begriff Spracheinstellung
III. Sprachverfall oder Sprachwandel?
a. Sprachverfall – Sprache als geschlossenes System
b. Sprachwandel – Sprache als offenes System
i. ökonomisch kommunikative Bedürfnisse von Sprache
ii. Sprachvariation
IV. Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?
a. Die ‚Anglifizierung‘ des Deutschen
b. Die Anglizismenkritik
i. Das Sprachbild der Anglizismenkritiker
ii. Die Thesen der Anglizismenkritiker
1. Anglizismen sind überflüssig und verdrängen die deutsche Sprache
2. Anglizismen erschweren die Verständigung
V. Kiezdeutsch
a. Kiezdeutsch – eine Sprachverarmung
b. Kiezdeutsch – eine Sprachinnovation
i. Eine multiethnolektale Jugendsprache
ii. Grammatische Kennzeichen
iii. Kiezdeutsch als Identitätsakt
iv. Spracheinstellungen zum Kiezdeutsch
VI. Umfrage zu Tendenzen der Gegenwartssprache
a. Abstract
b. These
c. Korpusbeschreibung
d. Korpusanalyse
i. Ergebnisauswertung
ii. Ergebnisanalyse
VI. Fazit
Diese Arbeit untersucht den Diskurs um Sprachwandel und Sprachverfall in der Öffentlichkeit, um zu analysieren, welche Faktoren eine skeptische Einstellung gegenüber Sprachwandelphänomenen wie Anglizismen und Kiezdeutsch fördern. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass negative Sprachurteile maßgeblich auf subjektiven, außerlinguistischen Faktoren und Stereotypisierungsprozessen basieren, anstatt linguistisch begründet zu sein.
i. Zum Begriff Einstellung
„This concept represents the judgements that people tend to make and generalise about an object (social or otherwise) outside themselves“ (Gallois 2007: 596). Dieser Definition von Einstellungen sind drei Variablen zu entnehmen: Einstellungsträger, Einstellungsobjekt und Einstellungsreaktion. Sie stehen in folgendem Abhängigkeitsverhältnis: Einstellungen ergeben sich durch den Einstellungsträger, die sich durch seine Reaktionen gegenüber einem Einstellungsobjekt konstituieren. Für die Einstellungsbildung werden drei Bewertungskomponente aktiviert: die kognitive, konative und affektive (vgl. Neuland 1993: 728).
Die kognitive Dimension stellt in der Einstellungsbildung und –erhaltung die bewussten Vorstellungen und die Gedanken einer Person bezüglich eines Objektes dar. Diese können weder positive noch negative Wertungen beinhalten (vgl. Gallois 2007: 596). Es handelt sich lediglich um bestimmte klassifizierende Vorstellungen von sprachlichen Kategorien, also begrifflich verarbeitete Erfahrungen, wie z.B. „schwäbeln“, „wie im Dorf sprechen“ (vgl. Neuland 1993: 728). Die konative Dimension beschreibt bestimmte Verhaltenskomponenten, die aus Handlungsprädispositionen herrühren. Dabei können z.B. bestimmte Handlungen übernommen oder abgelehnt werden (vgl. Neuland 1993: 728). Die affektive Bewertungskomponente umfasst die emotionale Reaktion, die positiv oder negativ ausfallen kann. Bei positiver Reaktion wird Sympathie empfunden, bei negativer Abneigung.
Die drei Komponenten stehen zwar in Beziehung zueinander, sind aber nicht notwendigerweise miteinander verknüpft (vgl. Gallois 2007: 596). Dass sieht man daran, dass sie koexistieren und variieren können. Beispielsweise kann jemand negative Gefühle für Personen haben, die einen bestimmten Akzent gebrauchen. Er glaubt dann, dass sie unehrlich sind. Wenn er nun intensiven Kontakt zu einer Person dieser Sprechergruppe hat, kann er dennoch positive Gefühle für sie entwickeln. Seine Ansicht über das Einstellungsobjekt, die Sprechergruppe, muss sich dabei aber nicht zwangsläufig ändern. Er kann sie trotzdem weiterhin als unehrlich einstufen.
I. Einleitung: Die Arbeit führt in den öffentlichen Diskurs über Sprachwandel als vermeintlichen Sprachverfall ein und skizziert die methodische Ausrichtung sowie den Aufbau der Untersuchung.
II. Spracheinstellungsforschung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Spracheinstellungsforschung und definiert die drei Dimensionen von Einstellungen sowie deren Relevanz für die linguistische Forschung.
III. Sprachverfall oder Sprachwandel?: Hier werden die konträren Positionen zwischen der sprachpessimistischen Sicht als Sprachverfall und der sprachoptimistischen linguistischen Sicht als dynamischer Sprachwandel gegenübergestellt.
IV. Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?: Es wird der Einfluss des Englischen auf das Deutsche untersucht, wobei sowohl die Kritik als auch die linguistische Argumentation für eine funktionale und semantische Differenzierung beleuchtet werden.
V. Kiezdeutsch: Dieses Kapitel untersucht Kiezdeutsch als jugendsprachliche Varietät, beleuchtet sowohl die negative öffentliche Wahrnehmung als auch die grammatischen Innovationen und die soziolinguistische Funktion als Identitätsmerkmal.
VI. Umfrage zu Tendenzen der Gegenwartssprache: Der empirische Teil beschreibt die Anlage und Auswertung einer Umfrage unter Kölner Bürgern zur Einstellung gegenüber aktuellen Sprachtendenzen.
VI. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei bestätigt wird, dass die öffentliche Sprachkritik maßgeblich von subjektiven Einstellungskriterien und Stereotypisierungen gesteuert wird.
Sprachwandel, Spracheinstellungen, Sprachverfall, Anglizismen, Kiezdeutsch, Sprachvariation, Soziolinguistik, Identitätsakt, Stereotypisierung, Sprachnorm, Spracheinfluss, Sprachkritik, Sprachbewusstsein, Mehrsprachigkeit, Kommunikation.
Die Arbeit analysiert, warum die Öffentlichkeit Sprachwandelprozesse – insbesondere den Einfluss von Anglizismen und das Phänomen Kiezdeutsch – häufig als „Sprachverfall“ wahrnimmt, und stellt diesen subjektiven Urteilen sprachwissenschaftliche Perspektiven gegenüber.
Die zentralen Themen sind die Spracheinstellungsforschung, der theoretische Diskurs über Sprachwandel vs. Sprachverfall, die Rolle von Anglizismen sowie die Untersuchung der jugendsprachlichen Varietät Kiezdeutsch.
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren dazu führen, dass die Öffentlichkeit Sprachwandelphänomenen skeptisch gegenübersteht und ob diese Urteile linguistisch haltbar sind oder auf außerlinguistischen Kriterien basieren.
Neben einer ausführlichen theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse führt die Arbeit eine empirische Umfrage unter 58 Kölner Bürgern im Alter von 40-60 Jahren durch, um deren Spracheinstellungen gegenüber aktuellen Tendenzen zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die spezifische Analyse von Anglizismen und Kiezdeutsch sowie eine empirische Untersuchung, die Korpusbeschreibung und die anschließende Auswertung und Ergebnisanalyse.
Die Kernbegriffe umfassen Sprachwandel, Spracheinstellungen, Sprachverfallsmythen, Stereotypisierung und die soziolinguistische Bewertung von Sprachvarietäten.
Während Anglizismen in der Umfrage teilweise als Bereicherung toleriert werden, weil sie als Prestigesprache wahrgenommen werden, wird Kiezdeutsch deutlich negativer eingestuft, da es durch Stereotype mit negativen sozialen Implikationen verknüpft ist.
Die Studie deutet darauf hin, dass die ältere Alterskohorte der Probanden sprachkonservativer urteilt und wenig Identifikationspotenzial mit jugendsprachlichen Phänomenen wie Kiezdeutsch aufweist.
Ja, die Ergebnisse bestätigen, dass Sprachurteile der Öffentlichkeit stark von subjektiven Faktoren und Vorurteilen geprägt sind, selbst wenn die Befragten über einen hohen Bildungsgrad und Dialektkompetenz verfügen.
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