Diplomarbeit, 2008
104 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Theoretische Grundlegung
1.1 Die Kategorie „Geschlecht“
1.2 Gender Mainstreaming
1.3 Geschlechtsspezifische Jugendarbeit
1.3.1 Mädchenarbeit
1.3.2 Jungenarbeit
1.3.2.1 Definition von Jungenarbeit
1.3.2.2 Enstehungsgeschichte und Entwicklung
2. Grundlegende Begriffe
2.1 Doing Gender
2.2 Männlichkeit
2.3 Mannsein
2.4 Männlicher Habitus
3. Relevanz der Jungenarbeit
3.1 Männliche Sozialisation
3.2 Männliche Identität
3.3 Exkurs: Konzept der hegemonialen Männlichkeit
4. Möglichkeiten der Jungenarbeit
4.1. Grundlagen geschlechtsbezogener Jungenarbeit
4.1.1 Ziele, Ansätze und Basistheorien
4.1.2 Männer- und Jungenforschung
4.1.3 Institutionen der Jungenarbeit
4.2 Praxis geschlechtsbezogener Jungenarbeit
4.2.1 „Neue Wege für Jungs“ – Ein Projekt des BMFSFJ
4.2.2 Das Gewaltpräventionsprojekt „Anti-Aggressivitäts-Training“
4.2.3 Kommunikations- und Konflikttraining für Jungen an Schulen
4.2.4 „Die Nacht des Feuers“ – Projekt zur Firmvorbereitung
4.2.5 „Kräfte bündeln – Kräfte rauslassen“ – Projekt Jungentag
4.2.6 MFM-Projekt „Agenten auf dem Weg …“
5. Schwierigkeiten der Jungenarbeit
5.1 Grenzen in der Praxis von Jungenarbeit
5.1.1 Geschlechtshomogene vs. geschlechtsheterogene Jungenarbeit
5.1.2 Herausforderungen im pädagogischen Bezug
5.1.3 Institutionelle Grenzen
5.2 Wissenschaft–Praxis-Defizit
III. Schluss
Die Diplomarbeit untersucht die Relevanz, Möglichkeiten und Schwierigkeiten der pädagogischen Jungenarbeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und veränderter Anforderungen an Männlichkeit. Sie hinterfragt die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Angebote, um Jungen bei der Identitätsentwicklung und bei Sozialisationsproblemen zu unterstützen, und evaluiert bestehende Praxisansätze.
3.1 Männliche Sozialisation
Was genau ist die männliche Sozialisation? Wie sieht diese typischerweise aus? Warum scheint sie besonders heutzutage so problematisch zu sein?
Nach Bentheim sind mit „männlicher Sozialisation“ die Prozesse gemeint, die in unserer Gesellschaft aus einem als männlich geborenen Kind einen handlungsfähigen Mann machen (Bentheim u.a. 2004, S. 31). Dabei bleibt jedoch einerseits die Frage unbeantwortet „ob vor dem Hintergrund von Individualisierungs- und Pluralisierungsprozessen überhaupt noch von ‚der’ männlichen Sozialisation gesprochen werden kann – und soll“ (ebd.). Auf der anderen Seite sind „gerade im Zusammenhang mit der ‚männlichen Seite’ des Jungeseins und Mannwerdens Themen und Schwierigkeiten erkennbar, die mit dem Männlichsein in der späten Moderne zusammen hängen“ (ebd.). Diese Problemfelder werden später noch behandelt, zunächst soll aber eine allgemeine Definition von Sozialisation gegeben werden. Böhnisch bezeichnet diese „als Prozess des Aufwachsens und der Lebensgestaltung in Auseinandersetzung mit der Umwelt und mit sich selbst“ (Böhnisch 2004, S. 81). Er fügt aber an, dass diese Grundformel der Sozialisation nicht mehr zeitgemäß erscheint. Vielmehr spricht er von zwei Ebenen der männlichen Sozialisation, die er Sozialisation I und Sozialisation II nennt. Dabei meint Sozialisation I die Auseinandersetzung des Jungen mit seiner sozialen Umwelt und mit sich selbst. Dahingegen bezieht sich Sozialisation II auf den sog. „digitalkapitalistischen Vergesellschaftungsprozess“ (ebd.). Damit sind die technisch-ökonomischen und warenästhetischen Aufforderungen an Maskulinität gemeint, d.h. die männliche Sozialisation wird durch Technik, Ökonomie und Medien dahingehend beeinflusst, dass ein bestimmtes Bild von Männlichkeit angeboten wird. Von den Jungen und Männern wird nicht zwangsläufig eine aktive Auseinandersetzung mit ihrem Mannsein erwartet, diese können vielmehr ein Männerbild bzw. eine männliche Konstruktion unreflektiert für sich übernehmen (ebd.). Problematisch ist dies v.a. deshalb, weil zum einen keine interaktive Auseinandersetzung mehr notwendig erscheint und zum anderen die medial vorgegebenen Anforderungen an einen „richtigen“ Mann zu erheblichen Problemen bei der Sozialisation der Jungen führen können.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle mediale Debatte über „Problem-Jungen“ und verdeutlicht die Notwendigkeit von Jungenarbeit zur Unterstützung bei der Identitätsfindung.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlegungen zu Geschlecht und Jungenarbeit, die Definition zentraler Begriffe, eine Relevanzprüfung durch Sozialisations- und Identitätsanalysen, die Darstellung von Praxismöglichkeiten anhand von Projekten sowie eine kritische Untersuchung der Schwierigkeiten und Grenzen der Jungenarbeit.
III. Schluss: Das Fazit beantwortet die Leitfrage der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer qualitativen Weiterentwicklung der Jungenarbeit sowie einer wissenschaftlich fundierten Begleitung.
Jungenarbeit, Männlichkeit, Sozialisation, Identität, Geschlechtsspezifische Pädagogik, Gender Mainstreaming, Gewaltprävention, Identitätsorientierung, Emanzipatorische Jungenarbeit, Antisexistische Jungenarbeit, Jungenforschung, Mannsein, Hegemoniale Männlichkeit, Institutionelle Grenzen, Praxis-Wissenschaft-Defizit
Die Diplomarbeit widmet sich dem Fachgebiet der Pädagogik und untersucht die Relevanz sowie die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Jungenarbeit in Deutschland.
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung von Geschlecht und Männlichkeit, die männliche Sozialisation, die Identitätssuche von Jungen sowie konkrete Ansätze und Projekte in der pädagogischen Praxis.
Das Ziel ist es, den aktuellen Stellenwert der Jungenarbeit zu beleuchten, bestehende Praxisansätze kritisch zu reflektieren und die Herausforderungen (wie Ressourcenmangel und theoretische Defizite) aufzuzeigen, um eine qualitativ hochwertige Jungenarbeit zu fördern.
Die Arbeit stützt sich auf sozialisationstheoretische Konzepte, die Männer- und Jungenforschung sowie Ansätze der Geschlechterforschung, wie etwa das Konzept der hegemonialen Männlichkeit.
Der Hauptteil umfasst theoretische Definitionen, die Analyse der Relevanz von Jungenarbeit (Sozialisation/Identität), eine Darstellung verschiedener theoretischer Ansätze (identitätsorientiert, emanzipatorisch, antisexistisch) und eine detaillierte Auswertung von Praxisprojekten.
Schlüsselbegriffe sind Jungenarbeit, Männlichkeit, Identität, Sozialisation, Doing Gender, Gender Mainstreaming und die verschiedenen theoretischen Strömungen der Jungenpädagogik.
Der Autor betont, dass das Fehlen oder die emotionale Abwesenheit von Vätern als Vorbild eine diffuse Identitätsentwicklung bei Jungen verstärkt. Männliche Bezugspersonen bzw. Pädagogen als Identifikationsfiguren sind daher in der Jungenarbeit von entscheidender Bedeutung.
Der Autor thematisiert die Schule als einen Ort, an dem Jungen häufig als „Versager“ wahrgenommen werden, und diskutiert, wie schulische Strukturen die männliche Sozialisation beeinflussen und warum hier ein spezifischer pädagogischer Förderbedarf besteht.
Neben dem Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen hebt der Autor das „Wissenschaft-Praxis-Defizit“ hervor, also das Fehlen einer empirisch fundierten, flächendeckenden theoretischen Basis für die praktische Arbeit.
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