Masterarbeit, 2022
161 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Forschungsgegenstand
1.3 Erkenntnisinteresse
1.4 Forschungsliteratur
1.5 Forschungsfragestellungen
1.6 Aufbau der Arbeit
2 Forschungskonzept
2.1 Qualitative Sozialforschung
2.2 Erhebungsmethoden qualitativer Forschung
2.2.1 ExpertInneninterviews zur Datengewinnung
2.3 Von der Datensammlung zu interpretierbaren Daten
2.3.1 Datenauswertung nach Meuser und Nagel (1991)
3 Theoretische Grundlagen zum Forschungsgegenstand
3.1 Sozialisations- und Geschlechterforschung
3.2 Wann ist ein Mann ein Mann?
3.2.1 Habitualisierung von Männlichkeit
3.2.2 Tiefenpsychologische Dimensionen männlicher Sozialisation
3.2.3 Rollenerwartungen
3.3 Sexualisierte Gewalt | Sexueller Missbrauch
3.3.1 Historischer Abriss
3.3.2 Sexueller Missbrauch – ein umstrittener Begriff
3.3.3 Das Ausmaß sexualisierter Gewalt an Jungen und Männern durch Frauen
3.4 Tabu, Scham und Schuld
3.4.1 Tabu
3.4.2 Scham
3.4.3 Schuld
3.5 Wer sind die Täterinnen?
3.5.1 Typologie
3.5.2 Tatmuster und Strategien
3.5.3 Auslöser und Tatmotive
3.5.4 Gesellschaftliche Wahrnehmung von Täterinnen sexualisierter Gewalt
3.6 Aufdeckung/Disclosure
3.6.1 Aufdeckungsprozesse und deren Dimensionen
3.6.1.1 Hemmnisse in Aufdeckungsprozessen männlicher Betroffener von sexualisierter Gewalt
3.6.2 Aufdeckungsverläufe männlicher Betroffener von sexualisierter Gewalt
3.6.3 Hilfreiche Faktoren in Aufdeckungsprozessen männlicher Betroffener von sexualisierter Gewalt
4 Empirische Forschung
4.1 Der qualitative Forschungszugang
4.2 Interviews mit professionell an Aufdeckungsprozessen Beteiligten (ExpertInneninterviews)
4.3 Datenauswertung in Anlehnung an Meuser und Nagel (1991)
4.4 Darstellung der Ergebnisse
4.4.1 Besondere Hemmnisse in Aufdeckungsprozessen männlicher Betroffener von sexualisierter Gewalt durch Frauen
4.4.2 Worauf sind diese besonderen Hemmnisse zurückzuführen?
4.4.3 Vor welchen Herausforderungen stehen professionell an Aufdeckungsprozessen Beteiligte
4.5 Diskussion
5 Fazit und möglicher Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die spezifischen Hemmnisse bei Aufdeckungsprozessen von sexualisierter Gewalt, die Frauen gegen Jungen und Männer ausüben. Ziel ist es, die gesellschaftlichen und psychologischen Barrieren zu identifizieren, die eine Offenlegung dieser Gewaltkonstellation erschweren, und notwendige Rahmenbedingungen für eine professionelle sozialpädagogische Praxis zu definieren.
Die mangelnde Spiegelung von Gefühlen
Für den Prozess des Spiegelns von Gefühlen männlicher Kindern, stellt Süfke folgende These auf:
„Negative Gefühle bei Jungen werden von ihren Bezugspersonen nicht in dem Maße gespiegelt, wie dies bei Mädchen der Fall ist. Daher können Jungen negative Gefühle nicht als zu ihrer Persönlichkeit zugehörig verinnerlichen. [...] Dementsprechend schwer fällt ihnen später, als erwachsene Männer, die Wahrnehmung von und der Umgang mit negativen Gefühlen.“ (Süfke 2008: 38)
Der Autor erläutert, dass Mütter, die auch aktuell in den meisten Fällen die primäre Bezugsperson für sowohl weibliche als auch männliche Kinder darstellen, zwar auf positive Gefühle ihrer männlichen Säuglinge reagieren, allerdings dazu neigen, negative Emotionen von Jungen nicht zurückzuspiegeln. Sie antworten auf diese negativen Gefühlsregungen vielmehr mit gespiegelter Verwunderung, was wohl als Versuch männliche Säuglinge abzulenken oder zu beruhigen verstanden werden kann. Süfke erklärt dieses instinktive mütterliche Verhalten mit bereits zu diesem frühen Zeitpunkt aktiv werdenden stereotypen Geschlechtervorstellungen bei den Eltern. Dementsprechend werden solche Gefühlsregungen schließlich einfach übergangen. Die oben angeführte These entspricht den Alltagserfahrungen vieler Jungen. Sie erfahren, dass mit ihren Gefühlen von Hilflosigkeit, Kränkung, Trauer, Überforderung und Verletzlichkeit nicht adäquat umgegangen wird. Wenn männliche Kinder dieser Art direkt und offen ausdrücken, erleben sie häufig Ärger und Sanktionen anstatt Trost und Zuspruch. Negative Gefühle werden nicht gespiegelt, somit nicht für normal und angemessen erklärt. Folglich können sie von Jungen nicht als Teil ihrer Innenwelt integriert werden. Allgemein bekannte Aussagen wie Ein Indianer kennt keinen Schmerz oder Ein Junge weint nicht vermitteln Gefühlsverneinung und tragen dazu bei, dass die betreffenden Emotionen nicht nur nicht angenommen, sondern abgewertet und als identitätsbedrohlich bewertet werden (vgl. Süfke 2008: 36ff.).
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage sowie das Forschungsinteresse bezüglich der meist unsichtbaren Konstellation männlicher Betroffener und weiblicher Täter.
2 Forschungskonzept: Erläutert das gewählte qualitative Forschungsdesign, das auf problemzentrierten ExpertInneninterviews basiert und nach Meuser und Nagel ausgewertet wird.
3 Theoretische Grundlagen zum Forschungsgegenstand: Bietet eine tiefgehende Analyse von Sozialisationsaspekten, dem Männlichkeitsbegriff und theoretischen Konzepten zu sexualisierter Gewalt sowie den Tabus um weibliche Täterschaft.
4 Empirische Forschung: Präsentiert die Ergebnisse der Interviews, wobei die spezifischen Hemmnisse bei der Aufdeckung sexualisierter Gewalt durch Frauen herausgearbeitet werden.
5 Fazit und möglicher Ausblick: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet Empfehlungen für eine adäquatere, geschlechtersensible sozialpädagogische Praxis ab.
Sexualisierte Gewalt, Männliche Betroffene, Weibliche Täterschaft, Aufdeckungsprozess, Geschlechterrolle, Sozialisation, Tabu, Scham, Schuld, Hilfesystem, Männlichkeit, Professionelle Praxis, Psychosoziale Beratung, Gewaltkonstellation
Die Arbeit untersucht, warum männliche Betroffene von sexualisierter Gewalt durch Frauen Schwierigkeiten haben, diese Erlebnisse aufzudecken, und welche Barrieren dabei im sozialen Umfeld sowie bei professionellen Hilfskräften bestehen.
Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen Geschlechterbilder, die männliche Identitätsfindung, psychologische Aspekte wie Scham und Schuld sowie die Schwierigkeit der Anerkennung weiblicher Täterschaft.
Das primäre Ziel ist es, die Hemmnisse in Aufdeckungsprozessen zu identifizieren und Empfehlungen für eine sozialpädagogische Praxis zu formulieren, die diese spezifische Gewaltkonstellation besser adressieren kann.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf ExpertInneninterviews mit Fachkräften aus einschlägigen Beratungsstellen basiert und nach Meuser und Nagel ausgewertet wurde.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Männlichkeit und Sozialisation sowie eine detaillierte empirische Auswertung von ExpertInneninterviews zu Ursachen von Hemmnissen.
Männlichkeit, Tabubruch, Aufdeckungsprozesse.
Die Arbeit beleuchtet, dass aufgrund tief verwurzelter Mütterbilder das Ausüben von Gewalt durch Frauen an Söhnen besonders schwer als solche erkannt wird, was die Aufdeckung erheblich erschwert.
Scham fungiert oft als massives Hindernis, da das Erlebte als Widerspruch zur traditionell männlichen Rolle – die als stark und souverän konstruiert wird – empfunden wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

