Bachelorarbeit, 2020
65 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Klimamigration oder umweltbedingte Migration?
2.1 Historischer Überblick
2.2 Definitionslage
2.3 Wissenschaftliche Meinungen
3. Theorien und Konzepte
3.1 Menschenrecht & Asylrecht
3.1.1 Kontextualisierung der Menschenrechte
3.1.2 Kontextualisierung des Asylrechts
3.1.3 Hannah Arendt als Vorreiterin des „Rechtes, Rechte zu haben“
3.2 Kulturelle Hegemonie
3.3. Grenzsoziologie
3.3.1 Allgemeine Definition
3.3.2 Klima als Grenze
3.3.3 Das mediale Bild des Mittelmeeres als Grenzraum
4. Methodik: kritische Diskursanalyse
4.1 Nach Siegfried Jäger
4.2 Struktur und Analyse von Diskursen
4.3 Der Materialkorpus
5. Mediale Berichterstattung umweltbedingter Migration
5.1 Internationale Berichterstattung
5.2 Deutschsprachige Berichterstattung
5.3 Analyse und Auswertung
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht kritisch die mediale Darstellung der Klimamigration nach einem richtungsweisenden Beschluss des UN-Menschenrechtsausschusses. Ziel ist es, Machtstrukturen und hegemoniale Diskurse in internationalen Online- und Printmedien aufzudecken, die den Umgang mit umweltbedingter Migration prägen.
3.1.3 Hannah Arendt als Vorreiterin des „Rechtes, Rechte zu haben“
Hannah Arendt schrieb 1955 über Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, also zu einer Zeit, in der Staatenlosigkeit ein immenses Problem darstellte und die Menschenrechte als Völkerrecht noch am Anfang standen. Durch die Auflösung und Neuschaffung von Staaten nach dem Ersten Weltkrieg befanden sich Millionen von Menschen in einer Situation, die nie zuvor so in ihrem Maße aufgetreten ist. Millionen von Menschen hatten keinen Staat mehr oder wurden in einem Staat vereint, den sie nicht duldeten oder der sie nicht duldete. All diese Menschen unterlagen daher keinem Recht, denn sie waren staatenlos. Dieser Status war nicht mit den Menschenrechten vereinbar und bedeutete somit ein Leben ohne den Schutz des Rechts sowie ein Leben unterhalb einer anerkannten Menschenwürde für Betroffene. Arendt schrieb dazu:
Wen immer die Ereignisse aus der alten Dreieinigkeit von Volk-Territorium-Staat, auf der die Nation geruht hatte, herausgeschlagen hatten, blieb heimat- und staatenlos; wer immer einmal die Rechte verloren hatte, blieb rechtlos. (Arendt 1955: 560)
Zu dieser Zeit gab es kein Zurück aus der Staatenlosigkeit. Weiter führt sie aus: Die Anomalie der Minderheiten auf der einen, der Flüchtlinge und Staatenlose auf der anderen Seite bestand darin, daß sie von keinem Staat offiziell repräsentiert und geschützt wurden und daher entweder, wie die Minderheiten, unter Ausnahmegesetzen lebten, welche als Minderheitenverträge international garantiert und von allen betroffenen Regierungen (mit Ausnahme der Tschechoslowakei) unter Protest unterzeichnet worden waren, oder, wie die Staatenlosen, für die eine solche internationale Regelung nicht mehr möglich war, überhaupt außerhalb aller Gesetze standen und auf Duldung angewiesen waren. (Arendt 1955: 562)
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Klimamigration und die Forschungsfrage zur medialen Darstellung der UN-Entscheidung.
2. Klimamigration oder umweltbedingte Migration?: Historischer Überblick und kritische Auseinandersetzung mit der Definitionslage sowie wissenschaftlichen Meinungen zur Klimamigration.
3. Theorien und Konzepte: Theoretische Rahmung durch Menschen- und Asylrecht, kulturelle Hegemonie nach Gramsci und grenzsoziologische Perspektiven.
4. Methodik: kritische Diskursanalyse: Durchführung der Untersuchung mittels der Methode der kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger inklusive Vorstellung des Materialkorpus.
5. Mediale Berichterstattung umweltbedingter Migration: Analyse ausgewählter internationaler und deutschsprachiger Online-Artikel sowie Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Machtverhältnissen.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Überlegungen zu zukünftigen Forschungsansätzen.
Klimamigration, Umweltbedingte Migration, Menschenrechte, Asylrecht, Kritische Diskursanalyse, Kulturelle Hegemonie, Grenzsoziologie, Machtverhältnisse, UN-Menschenrechtsausschuss, Medienanalyse, Politische Verantwortung, Souveränität, Flüchtlingskonvention, Diskurs, Westliche Welt.
Die Bachelorarbeit untersucht, wie der UN-Beschluss vom Januar 2020, der Asylansprüche im Kontext des Klimawandels diskutiert, in internationalen Medien dargestellt wird und welche machtpolitischen Diskurse dabei zum Tragen kommen.
Die zentralen Themen umfassen Klimamigration, Grenzsoziologie, die Funktion von Menschen- und Asylrechten sowie die Machtdynamiken zwischen industriellen westlichen Staaten und betroffenen Regionen im globalen Süden.
Die Forschungsfrage lautet: Wie wird der UN-Beschluss und die Frage der Klimamigration in internationalen Online- sowie Printmedien dargestellt, unter besonderer Berücksichtigung von Konzepten wie Grenze und kultureller Hegemonie?
Die Autorin verwendet die Methode der kritischen Diskursanalyse (KDA) nach Siegfried Jäger, um die sprachliche Konstruktion von Macht und Ideologie in medialen Texten freizulegen.
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Fundierung (Recht, Hegemonie, Grenzsoziologie) über die methodische Darlegung bis hin zur konkreten Analyse von 9 internationalen Online-Artikeln aus dem Zeitraum Januar bis März 2020.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Klimamigration, kulturelle Hegemonie, Grenzsoziologie, kritische Diskursanalyse und Machtverhältnisse in der internationalen Zusammenarbeit.
Hannah Arendt dient als theoretische Vorreiterin für das Konzept des "Rechtes, Rechte zu haben", was genutzt wird, um die Rechtlosigkeit von Staatenlosen und Klimaflüchtlingen im heutigen globalen System zu problematisieren.
Die Analyse zeigt, dass internationale Medien (insb. aus Asien/Arabien) den Beschluss oft optimistischer und als Anlass zu notwendigem politischem Handeln begreifen, während deutsche Medien eher skeptisch bleiben und die Problematik teilweise durch eine "Festungs-Mentalität" relativieren.
Die Arbeit betont, dass Prognosen von "200 Millionen Klimaflüchtlingen" wissenschaftlich unzureichend belegt sind und primär politisch instrumentalisiert werden, um entweder restriktives Vorgehen oder nationale Interessen zu legitimieren.
Die Pandemie führte dazu, dass andere Themen - insbesondere langfristige Krisen wie die Klimamigration - ab März 2020 in der medialen Priorität zurückgedrängt wurden, was die empirische Materiallage für den Untersuchungszeitraum beeinflusste.
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