Examensarbeit, 2022
67 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Seele des Menschen
2.1 Aristoteles
2.2 René Descartes
2.3 John Locke
2.4 Gottfried Wilhelm Leibniz
2.5 Immanuel Kant
2.6 Johann Friedrich Herbart
2.7 Philosophie und Psychologie am Scheidepunkt
3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse
3.1 Ich/Es/Über-Ich
3.1.1 Das Ich und das Es
3.1.2 Das Ich und das Über-Ich
3.2 Freuds Anthropologie und Kulturkritik
3.3 Die Ethik des (Kultur-)Über-Ichs
3.4 Von Freud zu Fromm
4 Erich Fromm – Intellektuelle Kurzbiographie
4.1 Erich Fromm – Psychoanalyse und Ethik
4.1.1 Humanistische Ethik als Kunst des Lebens
4.1.2 Die Natur des Menschen
4.1.3 Existenzielle und historische Dichotomien
4.2 Humanistische Charakterologie
4.2.1 Die nicht-produktiven Charakterorientierungen
4.2.2 Die produktiven Charakterorientierungen
4.3 Das Prinzip der humanistischen Ethik
4.4 Utopischer Humanismus
5 John Dewey
5.1 John Dewey und die menschliche Natur
5.1.1 Impulse, Habit und Deliberation
5.1.2 Menschliches Verhalten und Werturteile
5.2 John Deweys Ethik
5.3 Erich Fromm und John Dewey – Die menschliche Natur und Ethik
6 Philosophie und Psychologie – Ein Fazit
7 Erich Fromms humanistische Pädagogik
8 Wolfgang Klafki
9 Fachdidaktische Perspektive
9.1 Wozu Philosophie?
9.2 Philosophieren als Kulturtechnik
9.3 Erich Fromm im Lichte von Martens‘ Philosophiedidaktik
9.3.1 Humanistische Ethik als Weltanschauung
9.3.2 Humanistische Ethik als Lebenskunst
9.3.3 Humanistische Ethik als Kulturtechnik
10 Humanistische Ethik in der Schule
11 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung des humanistischen Ethikentwurfs von Erich Fromm für den Ethikunterricht in der gymnasialen Oberstufe. Dabei wird insbesondere analysiert, wie psychoanalytische Erkenntnisse zur Reflexion über menschliches Handeln und gesellschaftliche Normen beitragen können, wobei Fromms Ansatz mit dem von John Dewey kontrastiert und didaktisch reflektiert wird.
Die Natur des Menschen
Für Fromm ist im Gegensatz zu Locke der Mensch keine tabula rasa, sondern „ein Wesen, das mit Energien ausgestattet und in besonderer Weise strukturiert ist“. Es sei weder grenzenlos formbar noch völlig starr:
„Der Mensch kann sich fast allen kulturellen Verhältnissen anpassen; stehen diese aber im Widerspruch zu seiner Natur, dann stellen sich seelische und emotionale Störungen ein, die ihn allmählich zwingen, diese Verhältnisse zu ändern, da er seine Natur nicht ändern kann.“
Daraus ergibt sich nach Fromm die Methode zur Erfassung der menschlichen Natur. Sie untersuche „die Reaktionen des Menschen auf verschiedene individuelle und gesellschaftliche Bedingungen“ und könne anhand dieser Reaktionen Aussagen zur menschlichen Natur treffen. Das Wesen des Menschen sei allerdings von einer Vielzahl individueller Faktoren beeinflusst und könne nur begrenzt auf einen Kern dessen, was das Wesen aller Menschen ausmacht, zurückgeführt werden. Die Vielfältigkeit historischer Versuche anderer Philosophen, die Natur des Menschen auf einen Wesenszug zu reduzieren (animal rationale, homo faber, zoon politikon), beweise lediglich, dass das Wesen des Menschen auf diesem Wege nicht adäquat erfassbar sei. Fromm schlägt stattdessen vor, das Wesen des Menschen von seiner Widersprüchlichkeit her zu denken: Der Dichotomien im Menschen.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Emanzipation der Psychologie von der Philosophie und formuliert die Forschungsfrage zur didaktischen Relevanz von Erich Fromms humanistischer Ethik.
2 Die Seele des Menschen: Dieses Kapitel zeichnet die philosophiehistorische Entwicklung psychologischer Fragestellungen von Aristoteles bis Herbart nach.
3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse: Die Darstellung konzentriert sich auf Freuds Triebtheorie, das Strukturmodell der Seele und seine kulturkritischen Überlegungen.
4 Erich Fromm – Intellektuelle Kurzbiographie: Neben biographischen Eckdaten wird die Entwicklung von Fromms humanistischem Ansatz und seine Abgrenzung von orthodoxen freudschen Lehren erläutert.
5 John Dewey: Dieser Abschnitt analysiert Deweys pragmatische Ethik und vergleicht dessen naturphilosophische Grundlagen mit denen von Fromm.
6 Philosophie und Psychologie – Ein Fazit: Das Kapitel zieht ein Zwischenfazit zur Notwendigkeit einer interdisziplinären Ethik in der Gegenwart.
7 Erich Fromms humanistische Pädagogik: Es werden Fromms Positionen zu Autorität, Ungehorsam und Erziehung rekonstruiert.
8 Wolfgang Klafki: Das Kapitel führt Klafkis Konzept der kategorialen Bildung ein, um Kriterien für die Auswahl ethischer Unterrichtsinhalte zu gewinnen.
9 Fachdidaktische Perspektive: Unter Einbezug von Martens’ Philosophiedidaktik wird geprüft, wie Fromms Ethik im Unterricht zum Philosophieren als Kulturtechnik führen kann.
10 Humanistische Ethik in der Schule: Es wird diskutiert, wie Fromms Ethik konkret zur Sensibilisierung und Persönlichkeitsbildung in der Schule beitragen kann.
11 Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und bekräftigt die Bedeutung eines individuellen Zugangs zu Fromms Theorie für den Unterricht.
Psychoanalyse, Erich Fromm, Humanistische Ethik, John Dewey, Moralphilosophie, Kategoriale Bildung, Wolfgang Klafki, Kulturtechnik, Sigmund Freud, Ungehorsam, Interdisziplinarität, Charakterologie, Selbstverwirklichung, Existenzielle Dichotomien, Pragmatismus.
Die Arbeit untersucht, ob und wie Erich Fromms Konzept einer humanistischen Ethik als Unterrichtsstoff in der gymnasialen Oberstufe geeignet ist, um eine Brücke zwischen psychologischen Erkenntnissen und ethischen Fragestellungen zu schlagen.
Die zentralen Themen sind die Psychoanalyse nach Freud, die Ethikentwürfe von Fromm und Dewey, die kategoriale Bildung nach Klafki sowie die fachdidaktische Integration von Philosophie als Kulturtechnik mittels der Konzepte von Ekkehard Martens.
Das Ziel ist es, zu begründen, dass Erich Fromms Ansatz eine geeignete Grundlage bietet, um Schülerinnen und Schüler zu einem selbstständigen ethischen Urteilsvermögen zu befähigen und dabei die interdisziplinäre Natur von Ethik und Psychologie erfahrbar zu machen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die methodisch durch eine philosophiegeschichtliche Analyse, den Vergleich zweier ethischer Strömungen (Fromm und Dewey) sowie eine fachdidaktische Untersuchung auf Basis der Konzepte von Wolfgang Klafki und Ekkehard Martens strukturiert ist.
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen (Seelenkunde in der Philosophiegeschichte, Freudsche Psychoanalyse) und die spezifische Auseinandersetzung mit der Frommschen Identitätsethik sowie deren didaktische Erschließung für den schulischen Kontext.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie humanistische Ethik, produktiver Charakter, psychologische Determination, interdisziplinäre Pädagogik und kategoriale Bildung geprägt.
Fromm sieht den Ungehorsam als einen notwendigen Akt zur Menschwerdung und Emanzipation von autoritären Strukturen. Für die Schule bedeutet das eine kritische Reflexion gegenüber bloßer Anpassung an äußere Regeln zugunsten einer eigenständigen, vernunftgeleiteten Persönlichkeitsentwicklung.
Während traditionelle Ethiken häufig durch starre Normkataloge gekennzeichnet sind, basiert Fromms humanistische Ethik auf der empirischen Ergründung der menschlichen Natur und strebt nicht nach Anpassung an bestehende gesellschaftliche Normen, sondern nach der Entfaltung des Individuums.
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