Examensarbeit, 2008
97 Seiten, Note: 2,0
I. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts
1. Einleitung
2. Historischer Überblick über den Wandel des Frauenbildes
3. Die Frauenfrage in Deutschland um die Jahrhundertwende
3.1. Die Frauenemanzipation und ihre ersten Verfechter
3.2. Die Rolle der Frau in Ehe und Familie
3.3. Ein Streifzug durch die deutsche Frauenbewegung
4. Theodor Fontane und die Frauen: Frauenbild und Frauengestalten
II. Effi Briest und ihr Scheitern an der gesellschaftlich-adeligen Konvention
1. Effi Briest – Fontanes „liebenswürdigste Gestalt“
2. Die Verlobung: „Denn Effi wird im Grunde verkauft...“
3. Zwischen Anpassung und Protest: Effis Ehe mit Innstetten
3.1. Ich klettere [...] und schaukle mich lieber...“ – Naturkind contra Formelmensch
3.2. Frostige Vornehmheit und „adelige Kühle“ – Baron Geert von Innstetten
3.3. „Du bist ein entzückendes, liebes Geschöpf [...]“ – Das Frauenbild eines Karrieremachers
3.4. Innstetten als „geborene[r] Pädagog“: Der Spuk als repressives Erziehungsmittel
4. Vom Naturkind zum Gesellschaftsobjekt: Effis Ehebruch als Rebellion
5. „Ich habe keine Wahl. Ich muss.“ – Mord aus Prinzip im Duell
6. Effis Ende – Ein stilles Glück der Resignation
7. Kontrastive Frauenbilder an Effis Seite
7.1. Die Dame der Gesellschaft: Luise von Briest
7.2. Die Inkarnation ursprünglicher Menschlichkeit: Roswitha
7.3. Emanzipiertes Künstlertum: Marietta Trippelli
8. Effi Briest – Ein kritischer Spiegel der Gesellschaft um 1880
III. Emma Bovary und Anna Karenina – Effis europäische Schwestern?
1. Zwischen Illusion und Wirklichkeit – Emma Bovary
2. Zwischen Leidenschaft und Moral – Anna Karenina
3. Zusammenschau
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstfindung der Titelfigur Effi Briest in Theodor Fontanes gleichnamigem Roman unter Berücksichtigung der strengen gesellschaftlichen Normen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, wie die Protagonistin an den rigiden adeligen Konventionen und dem rigiden Ehrbegriff ihres Ehemannes scheitert, und es wird der Frage nachgegangen, inwiefern dies eine generelle Unmöglichkeit für Frauen darstellt, ihre Individualität in einem repressiven System zu entfalten.
1. Effi Briest – Fontanes „liebenswürdigste Gestalt“
„In Front […] des von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen, fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während […] ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten auf ein großes, […] in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr […] besetztes Rondell warf. […] Fronthaus, Seitenflügel und Kirchhofsmauer bildeten ein einen kleinen Ziergarten umschließendes Hufeisen, an dessen offener Seite man eines Teiches mit Wassersteg und angeketteltem Boot und dicht daneben einer Schaukel gewahr wurde, deren horizontal gelegtes Brett zu Häupten und Füßen an je zwei Stricken hing – die Pfosten der Balkenlage schon etwas schief stehend. Zwischen Teich und Rondell aber und die Schaukel halb versteckend standen ein paar mächtige alte Platanen.“ (EB 5)
Von Kindertagen an kennt Effi Briest nur die ihr vertraute Umgebung Hohen-Cremmens, wo sie verwöhnt und behütet im Schutz des elterlichen Hauses aufwächst. Effi, die dem Adel entstammt, verbringt hier unbeschwerte, glückliche Tage, geprägt von Ruhe und Geborgenheit. Als einziges Kind, wohl verwahrt in ihrer nach außen hin abgeschlossenen Lebenswelt, konzentriert sich die ungeteilte Liebe ihrer Eltern auf Effi, die sich den Himmel nicht schöner denken kann. (EB 24) Man gestattet ihr jegliche Freiheit und Ungebundenheit, sodass Effi gänzlich unbelastet von gesellschaftlichen Zwängen und Verpflichtungen mit ihren Freundinnen Bertha, Hertha und Hulda im Garten spielen kann.
I. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel bietet einen historischen Überblick über den Wandel des Frauenbildes von der Renaissance bis zur Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts und beleuchtet Fontanes Haltung zur Frauenfrage.
II. Effi Briest und ihr Scheitern an der gesellschaftlich-adeligen Konvention: Hier wird der Eheroman als Gesellschaftsroman analysiert, wobei Effis Weg vom unbeschwerten Naturkind bis zu ihrem durch gesellschaftliche Zwänge besiegelten tragischen Ende detailliert nachgezeichnet wird.
III. Emma Bovary und Anna Karenina – Effis europäische Schwestern?: Der abschließende Teil vergleicht Effis Schicksal mit dem von Flauberts Emma Bovary und Tolstois Anna Karenina, um die universellen Probleme von Frauen in patriarchalischen Gesellschaften herauszuarbeiten.
Effi Briest, Theodor Fontane, 19. Jahrhundert, Frauenbild, Emanzipation, Gesellschaftskritik, Ehebruch, adelige Konvention, Ehe, Ehrbegriff, Schuld, tragisches Schicksal, Naturkind, literarischer Vergleich, Gesellschaftsnormen.
Die Arbeit untersucht das Scheitern der Protagonistin Effi Briest in Theodor Fontanes gleichnamigem Roman an den gesellschaftlichen Normen und adeligen Konventionen ihrer Zeit.
Zentrale Themen sind die soziale Rolle der Frau im 19. Jahrhundert, die Ehe als „Zweckgemeinschaft“, der repressiven Umgang mit Ehebruch sowie der Vergleich mit europäischen Klassikern der Ehebruchsthematik.
Die Arbeit fragt nach den Gründen für Effi Briests gescheiterte Selbstfindung und untersucht, inwiefern die adelige Gesellschaftsordnung die Freiheit und Identität des Einzelnen systematisch unterdrückt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanent arbeitet, ergänzt durch historische und sozialgeschichtliche Kontextualisierungen sowie komparatistische Aspekte.
Der Hauptteil analysiert Effis Ehe mit Innstetten, ihre psychologische Entwicklung unter dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen und die manipulative Macht, die das soziale Umfeld auf ihr Handeln ausübt.
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Ehebruch, gesellschaftliche Konvention, Adel, weibliche Emanzipation, soziale Unterdrückung und psychische Fremdbestimmung.
Die Autorin betont, dass Fontane eine tiefe Zuneigung zu Effi hegt und sie als eine „liebenswürdige“ und natürliche Figur zeichnet, deren Schwäche und tragisches Schicksal in direkter Korrelation zur Unnachgiebigkeit der Gesellschaft stehen.
Der Spuk wird als ein von Innstetten bewusst eingesetztes „erzieherisches Instrument“ interpretiert, das dazu dient, die junge Effi zu kontrollieren und ihren „Eigensinn“ sowie ihre natürlichen Impulse zu unterdrücken.
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