Magisterarbeit, 2007
104 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
1. Wittgensteins Konzeption des Bedeutungsverstehens
1.1 Wittgensteins Anliegen und Vorgehen in den Philosophischen Untersuchungen
1.2 Bedeutung und Verstehen in den Philosophischen Untersuchungen
1.2.1 Die Kritik der ‚Gegenstandstheorie der Bedeutung’ und der Rekurs auf den Gebrauch
1.2.2 Wittgensteins Konzeption sozialer Sprachspiele in Lebensformen
1.2.3 Das Auffinden von ‚Familienähnlichkeiten’ statt der Suche nach dem ‚Wesen’ des Verstehens
1.2.4 Die Regelhaftigkeit des Verstehens
1.2.5 Private Sprache – ein Widerspruch in sich
1.2.6 Der konkrete Verstehensvollzug
1.3 Bedingungen des Verstehens in Über Gewißheit
1.4 Zusammenfassung und Ausblick auf Gadamer
2. Gadamers Konzeption des Äußerungsverstehens
2.1 Grundzüge der Texthermeneutik Gadamers
2.1.1 Der Zirkel des Verstehens
2.1.2 Vorurteile als Bedingungen des Verstehens
2.1.3 Die Situiertheit des Verstehens und das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein
2.1.4 Tradition und Autorität
2.1.5 Der Anwendungs- und Fragecharakter des Verstehens
2.2 „Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache.“
2.2.1 Sprache als Medium des Verstehens
2.2.2 Sprache im Gespräch
2.2.3 Hermeneutik: die Kunst, sich etwas sagen zu lassen
3. Charakterisierung des Sprachverstehens
3.1 Die Bedingtheit des Sprachverstehens
3.1.1 Die ‚Übereinstimmung in den Urteilen’
3.1.2 Wittgenstein: ein ungeschichtlicher Denker?
3.2 Das praktische Moment des Sprachverstehens
3.2.1 Das ‚Beherrschen einer Technik’
3.2.2 Die ‚Kunst des Zuhörens’
3.2.3 Der Bezug auf das Innere
3.3 Verhältnisbestimmung von Bedeutungsverstehen und ‚hermeneutischem’ Verstehen
Schluss
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht den Begriff des Sprachverstehens unter Einbeziehung der philosophischen Ansätze von Ludwig Wittgenstein und Hans-Georg Gadamer. Ziel ist es, eine differenzierte Beziehung zwischen dem in der analytischen Philosophie zentralen Bedeutungsverstehen und dem hermeneutischen Verstehen herzustellen, um beide Ansätze als sich gegenseitig ergänzende Perspektiven auf das Sprachverstehen zu etablieren.
3.2.1 Das ‚Beherrschen einer Technik’
Wittgenstein geht es um die Frage, wie sprachliche Ausdrücke Bedeutung haben können und was es heißt, sie zu verstehen. Seine Antwort lässt sich zusammenfassen mit dem letzten Abschnitt des Paragraphen PU 199:
Einen Satz verstehen, heißt, eine Sprache verstehen. Eine Sprache verstehen, heißt, eine Technik beherrschen.
Nur im Zusammenhang der ganzen Sprache haben sprachliche Ausdrücke ihre Bedeutung. Was der Aussage voraus liegt, ist nicht das Vorsprachliche, sondern die Sprache als Bedeutungsganzes, als System. Aufgrund des innersprachlichen Verweisungszusammenhangs können die sprachlichen Ausdrücke im Gebrauch auf unterschiedliche Weise ihre Bedeutung haben.
Verstehen ist ein Können, ein praktisches Wissen, das an die Öffentlichkeit einer Sprechergemeinschaft gebunden ist. Durch implizite Regeln ist gegeben, dass sprachliche Zeichen immer wieder bedeutungsvoll verwendet und verstanden werden können. Es beinhaltet dabei keine Interpretation, die Bedeutungen der sprachlichen Ausdrücke zu verstehen. Dies geschieht weitgehend unreflektiert, indem wir ‚blind’ den Regeln der Sprachspiele folgen, die wir gelernt und verinnerlicht haben. Wir sprechen einfach und müssen unsere eigenen Äußerungen nicht deuten, um zu wissen, was wir meinen. Die Interpretation spielt erst dann eine Rolle, wenn wir versuchen, die Äußerungen eines anderen Sprechers als Hörer zu verstehen.
Die richtige Anwendung lernen wir in der Praxis, so dass uns abweichende Deutungen normalerweise gar nicht in den Sinn kommen. Die Grammatik der Sprache ist im lebendigen Sprechen meistens nicht bewusst, sie wird es erst dann, wenn einem etwas fremd oder merkwürdig vorkommt, wenn die Sprache nicht selbstverständlich ‚arbeitet’. Normalerweise fragen wir nicht nach der Bedeutung der Zeichen – dies ist nur dann nötig, wenn ein hinreichendes Verständnis nicht vorliegt. Dann muss die Bedeutung erklärt werden.
1. Wittgensteins Konzeption des Bedeutungsverstehens: Dieses Kapitel expliziert Wittgensteins Fokus auf das pragmatische Sprachverstehen als regelgeleitete Praxis innerhalb von Lebensformen und lehnt eine rein repräsentationale Bedeutungstheorie ab.
2. Gadamers Konzeption des Äußerungsverstehens: Hier wird Gadamers hermeneutische Philosophie vorgestellt, die Verstehen als einen geschichtlichen, durch Wirkungsgeschichte und Horizontverschmelzung geprägten Prozess begreift.
3. Charakterisierung des Sprachverstehens: Das abschließende Kapitel führt die Ansätze beider Denker zusammen, um das Sprachverstehen als gleichermaßen bedingte wie praktische Fähigkeit zu bestimmen und ein Verhältnis zwischen Bedeutungsverstehen und hermeneutischem Verstehen zu definieren.
Sprachverstehen, Wittgenstein, Gadamer, Bedeutungsverstehen, Hermeneutik, Sprachspiel, Lebensform, Wirkungsgeschichte, Horizontverschmelzung, Sprachlichkeit, Regelhaftigkeit, Praxis, Interpretation, Vorverständnis, Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Die Arbeit untersucht, wie Sprachverstehen charakterisiert werden kann, indem sie die Ansätze von Ludwig Wittgenstein und Hans-Georg Gadamer kontrastiert und miteinander vermittelt.
Die Themenfelder umfassen die sprachanalytische Philosophie, die philosophische Hermeneutik, die Bedeutung von Sprache im sozialen Kontext sowie die Bedingungen menschlichen Verstehens.
Das Ziel ist es, eine Beziehung zwischen dem pragmatischen Bedeutungsverstehen (Wittgenstein) und dem hermeneutischen Äußerungsverstehen (Gadamer) herzustellen, ohne die Ansätze unzulässig zu vereinfachen oder zu parallelisieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende philosophische Textanalyse und komparative Betrachtung der Hauptwerke von Wittgenstein (insb. Philosophische Untersuchungen) und Gadamer (Wahrheit und Methode).
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Wittgensteins Fokus auf Gebrauch und Lebensform, Gadamers hermeneutische Zirkelstruktur und den Vergleich beider Theorien hinsichtlich ihrer praktischen und geschichtlichen Dimensionen.
Zentrale Begriffe sind Sprachverstehen, Sprachspiel, Hermeneutik, Wirkungsgeschichte, Lebensform, Regelhaftigkeit und Vorverständnis.
Für Gadamer ist Sprache nicht bloß ein Werkzeug zur Benennung, sondern das universale Medium, in dem sich Welt überhaupt erst zeigt und Sein in seiner Verständlichkeit entfaltet.
Wittgenstein argumentiert, dass eine Sprache, deren Bedeutung nur auf internen, privaten mentalen Zuständen basiert, unmöglich ist, da für sprachliche Bedeutung eine öffentliche, soziale Praxis und Kontrollierbarkeit notwendig sind.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

