Examensarbeit, 1998
150 Seiten, Note: 1,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
1. Einleitung
1.1. Zentrale Fragestellung, Aufbau der Arbeit, Abgrenzung des Themas
1.2. Angaben zum Forschungsstand
1.2.1. Forschungsstand und Quellenlage in bezug auf die Gießener Schwarzen und die Unbedingten
1.2.2. Einordnungsproblematik und Forschungsstand zur Untersuchung der Lyrik der Unbedingten
1.3. Erläuterung der Arbeitsweise
Teil I: Die Unbedingten als Kerngruppe der Gießener Schwarzen – eine Skizze der Umstände ihrer Entstehung und ihrer Ideologie
2. Historische und geistige Voraussetzungen für die frühe Turn – und Studentenbewegung in Gießen
2.1. Die politische Situation in Hessen bis 1815
2.2. Die Beschlüsse des Wiener Kongresses – die Situation in Hessen (1815 - 1820)
2.3. Die geistige Situation
2.3.1 Exkurs: Die Entwicklung der national-patriotischen Bewegung in Deutschland 1806-1814
2.3.2. Erste Organisationsformen der neuen geistigen Entwicklung
2.3.3. Die geistige Entwicklung in Gießen: der Einfluß Friedrich Gottlieb Welckers auf die späteren Führer der Unbedingten
2.3.4 Die geistige Situation 1814/15: die Deutschen Gesellschaften und der Hoffmannsche Bund
3. Die Organisationsformen der Gießener Schwarzen 1814-1818 und ihre Funktionen
3.1 Die Teutsche Lesegesellschaft zur Erreichung vaterländisch-wissenschaftlicher Zwecke
3.2. Die Germania
3.3. Der Deutsche Bildungs- und Freundschaftsverein
3.4. Der Ehrenspiegel und die Christlich-teutsche Burschenschaft
3.5. Exkurs: Die Bedeutung des Turnens und seine Funktionalisierung
3.5.1. Die Schwarzen als Initiatoren des Turnens in Gießen – Erweiterung des Wirkungskreises
3.5.2 Die Funktion des Turnens
3.5.3. Die Rezeption der Lyrik der Unbedingten
3.5.4. Die weitere Ausdehung der Gießener Turnbewegung
4. Geschichtsbetrachtung und Bedeutung der Gemeinschaft
4.1. Identität und Gemeinschaftsbildung durch Rückgriffe auf Traditionen
4.2. Die Bedeutung der Gemeinschaft
5. Die Unbedingten
5.1. Der Kreis um Follen: Konstituierung der Unbedingten und Politische Ansichten
5.2. Die Grundzüge für eine zukünftige teutsche Reichsverfassung
5.3. Der Grundsatz der Unbedingten
5.4. Die Belehrung des Volkes als Grundlage für eine politische Veränderung
5.5 Publikationsformen: Mittel und Medien der Erziehung
5.5.1. Petitionen
5.5.2. Zeitungen
5.5.3. Flugschriften
5.5.4. Lyrik
5.6. Verbreitung der Gesinnung an anderen Hochschulen und im Volk – Ausweitung des Wirkungskreises
Teil II.: Die Lyrik der Unbedingten
6. Das Liederbuch der Freyen Stimmen frischer Jugend
6.1. Entstehung
6.2. Verbreitung
6.3. Allgemeiner Aufbau
6.3.1. Form und Inhalt der Liedgruppen
6.4. Das Volkslied als literarische Gattung
6.5. Merkmale und Kriterien politischer Lyrik/des politischen (Volks-)Liedes
6.6. Fragestellung
7. Analyse exemplarischer Lieder
7.1. Turnlied: Turnreihen (Karl Heinrich Hoffmann)
7.1.1. Formaler Aufbau
7.1.2. Funktion des Inhalts und formaler Besonderheiten
7.1.3. Sprache
7.1.4. Gattungsmerkmale
7.2. Turnlied: Turnbekenntnis (Karl Follen)
7.2.1. Formaler Aufbau
7.2.2. Inhalt und Funktion formaler Mittel
7.2.3. Sprache
7.2.4. Gattungsmerkmale
7.3. Freiheitslied: Bundeslied der Schweizer auf dem Rütli (Karl Follen)
7.3.1. Formaler Aufbau
7.3.2. Funktion des Inhalts
7.3.3. Die Funktion formaler Ausdrucksmittel
7.3.4. Pathos und Sprache
7.3.5. Gattungsmerkmale
7.4. Helden- und Trostlieder
8. Die wichtigsten Einzelfunktionen der Lieder
8.1. Verwirklichung gesellschaftspolitischer Ideen und Ziele
8.2 Aktivierung der Opferbereitschaft – Die Bildung und Begründung einer Überzeugung
8.3 Bewußtseinsbildung als Voraussetzung für die Änderung der politischen Institution
8.4. Historische Legitimation – Bedeutung der Rückgriffe auf Traditionen
8.5. Gemeinschaftsbildung
8.6. Erzeugung von Emotionen
8.7. Die Funktionalisierung des Turnens
9. Die Form der Lyrik der Unbedingten
10. Fazit
11. Schlußbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Form und Funktion der Lyrik der Gießener "Unbedingten" im Kontext der frühen Turn- und Studentenbewegung des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, zu ergründen, warum und mit welcher Absicht diese politisch aktive Gruppe gezielt die Form des Liedes nutzte, um ihre Ideologie und gesellschaftspolitischen Visionen zu verbreiten.
7.1. Turnlied: Turnreihen (Karl Heinrich Hoffmann)
Die Übernahme einer bereits bekannten Melodie (Odenwälder Kuhreihen) deutet darauf hin, daß es sich bei diesem Gedicht um ein Volkslied handeln könnte. Auch der formale Aufbau der Strophen verweist auf die Merkmale volkstümlicher Dichtung:
Das Grundgerüst des Liedes bilden sechs Strophen zu je vier Versen. Die Strophen erscheinen als liedhafte, vierzeilige Volksliedstrophen mit alternierenden Verslängen in den ersten beiden Zeilen:
Hier wechseln jeweils jambischer Vierheber mit männlicher und jambischer Dreiheber mit weiblicher Kadenz. Dieses volkstümliche Versmaß gehört zu den beliebtesten und sehr häufig gebrauchten deutschen Versmaßen. Das jambische Grundmetrum soll die frisch, fromm, fröhlich freie Turnergesinnung formal zum Ausdruck bringen.
In der dritten Zeile ist eine Abweichung vom Metrum zu konstatieren. Die Erweiterung des Versmaßes (dem jambischen Vierheber folgt nun ein weiterer jambischer Vierheber mit männlicher Endung) verleiht dem Vers durch die männliche Kadenz und die reinen Reime (vgl. unten) einen prägnanteren Klang. Diese Prägnanz wird in der vierten Zeile nochmals gesteigert, da nun eine weitere Abweichung vom Metrum erfolgt: Zwei aneinandergereihte trochäische Dreiheber verweisen auf die kurze prägnante Aussage, die durch ein Ausrufezeichen den Charakter eines Aus- bzw. Aufrufesatzes oder einer Aufforderung erhält. Die inhaltlich dargestellte Entschlossenheit der Turner soll dadurch formal unterstützt werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung und den Forschungsstand bezüglich der Gießener Schwarzen und der Lyrik der Unbedingten, welche bislang kaum literaturwissenschaftlich aufgearbeitet wurde.
2. Historische und geistige Voraussetzungen für die frühe Turn – und Studentenbewegung in Gießen: Das Kapitel beleuchtet die politische und geistige Ausgangslage in Hessen nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress, die zur Entstehung oppositioneller Gruppen führte.
3. Die Organisationsformen der Gießener Schwarzen 1814-1818 und ihre Funktionen: Hier werden die verschiedenen studentischen Vereinigungen und die Bedeutung des Turnens als politisches Instrument in Gießen dargestellt.
4. Geschichtsbetrachtung und Bedeutung der Gemeinschaft: Das Kapitel analysiert, wie durch Rückgriffe auf germanische Traditionen Identität gestiftet und die Gemeinschaft der Schwarzen als Elite konstituiert wurde.
5. Die Unbedingten: Diese Sektion widmet sich dem inneren Kern der Gruppe, ihrer Ideologie, dem Reichsverfassungsentwurf und ihren Medien zur politischen Erziehung.
6. Das Liederbuch der Freyen Stimmen frischer Jugend: Das Kapitel analysiert die Entstehung und den Aufbau dieser Anthologie, die als wichtigstes publizistisches Medium der Unbedingten gilt.
7. Analyse exemplarischer Lieder: Hier wird anhand konkreter Texte untersucht, wie Form und Funktion der Lyrik zur Vermittlung politischer und religiöser Ziele beitragen.
8. Die wichtigsten Einzelfunktionen der Lieder: Diese Zusammenfassung zeigt, wie die Lieder als Mittel zur Verwirklichung gesellschaftspolitischer Ziele, zur Erzeugung von Emotionen und zur Gemeinschaftsbildung dienten.
9. Die Form der Lyrik der Unbedingten: Ein systematischer Rückblick, der die Lieder als intentional politische Lyrik und Gemeinschaftslyrik einordnet.
10. Fazit: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Lyrik der Unbedingten als radikale, vorrevolutionäre Dichtung würdigt.
11. Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Gruppe als Keimzelle der Vormärz-Demokratie und den Mangel an bisheriger wissenschaftlicher Beachtung.
Unbedingte, Gießener Schwarze, politische Lyrik, Karl Follen, Burschenschaften, Turnerbewegung, Vormärz, Gemeinschaftsbildung, intentional politische Lyrik, Volksliedtradition, Nationalismus, radikaler Demokratismus, ideologische Erziehung, Geschichtsbetrachtung, Opfertod-Motiv.
Die Arbeit untersucht die bisher wenig beachtete Lyrik der Gießener „Unbedingten“ und deren Funktion im Kontext der politisch motivierten studentischen Turn- und Burschenschaftsbewegung zwischen 1815 und 1820.
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Ideologie einer studentischen Elite, der Instrumentalisierung von Turnen und Lyrik für staatspolitische Ziele sowie der Identitätsstiftung durch historische und christliche Rückgriffe.
Die zentrale Frage ist, warum die „Unbedingten“ Lyrik als Medium wählten und welche Absichten sie mit der spezifischen Form des Liedes verfolgten, um ihre politischen Ziele und gesellschaftlichen Visionen im Volk zu verbreiten.
Der Autor nutzt eine induktive Vorgehensweise, kombiniert mit einer historischen Kontextualisierung sowie einer detaillierten formalen und inhaltlichen Textanalyse ausgewählter Lieder aus der Anthologie „Freye Stimmen frischer Jugend“.
Der Hauptteil analysiert zunächst die politischen und geistigen Bedingungen in Gießen, beschreibt die Organisationsformen (Schwarze, Germania, Unbedingte) und untersucht schließlich in Teil II detailliert die Lyrik hinsichtlich ihrer Funktion, Sprache und Form.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „intentional politische Lyrik“, „Gießener Unbedingte“, „Gemeinschaftsbildung“, „religiöse Legitimation“ und „vorkonstitutioneller Radikalismus“ kennzeichnen.
Religion dient den Unbedingten nicht als Selbstzweck, sondern als ethisches und ideologisches Legitimationsinstrument. Politischer Kampf und Opfertod für das Vaterland werden als christlicher Dienst und sittliche Pflicht umgedeutet.
Die Lieder werden als aktives Medium der „Volkserziehung“ und Propaganda eingestuft. Sie dienten dazu, das Bewusstsein der Mitglieder zu radikalisieren und die Gemeinschaft durch emotionale Mobilisierung fester an die politischen Ziele zu binden.
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