Diplomarbeit, 2008
99 Seiten, Note: Sehr Gut
1 Problemstellung und Vorgehensweise
2 Begriffsbildungen zu Alter und Altersdelinquenz
2.1 Erörterung des Begriffs „alt“ bzw „Alter“
2.2 Definitionen zur Alters- und Spätkriminalität
3 Ausmaß der Altersdelinquenz
3.1 Umfang, Entwicklungen und Strukturen im Hellfeld
3.1.1 Besonderheiten der Alterskriminalität
3.1.2 Umfang und Entwicklung anhand der PKS
3.1.3 Umfang und Entwicklung anhand der Verurteiltenstatistiken
3.1.4 Analyse der Deliktsstruktur der Alterskriminalität
3.1.4.1 Einfacher Diebstahl
3.1.4.2 Betrug
3.1.4.3 Aggressionsdelikte
3.1.4.3.1 Beleidigung
3.1.4.3.2 Leichte Körperverletzung
3.1.4.3.3 Sonstige Aggressionsdelikte der Männer
3.1.4.4 Verkehrsdelikte
3.2 Das Dunkelfeld der Altersdelinquenz
3.2.1 Die Problematik des Dunkelfelds im Überblick
3.2.2 Altersdelikte und ihre (Un-)Sichtbarkeit
3.2.2.1 Allgemeine Thesen zum Dunkelfeld
3.2.2.2 Theoretische Ansätze zum Dunkelfeld
3.2.2.2.1 Kontrolltheoretischer Ansatz
3.2.2.2.2 Labeling approach
4 Erklärungsversuche zur Altersdelinquenz
4.1 Erklärungen zu den Ursachen der (Spät-)Kriminalität von Senioren
4.1.1 Biologische bzw medizinische Erklärungen
4.1.2 Psychologische Erklärungen
4.1.2.1 Frustrations-Aggressions-Hypothese
4.1.2.2 Lebenszufriedenheit
4.1.3 Sozialpsychologische Erklärungen
4.1.3.1 Halttheorie
4.1.3.2 Bindungstheorie
4.1.4 Soziologische Erklärungen
4.1.4.1 Ausgewählte Lebensbereiche von Senioren
4.1.4.1.1 Familienstand
4.1.4.1.2 Alltagsgestaltung
4.1.4.2 Lebensstile von Senioren
4.2 Erklärungen zu den Ursachen des Rückgangs der Kriminalität im Alter
4.2.1 Die Schwächetheorie
4.2.2 Die „Burn-out“-Theorie
5 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das Ausmaß und die Ursachen der Altersdelinquenz in Deutschland und Österreich, um das vernachlässigte Forschungsgebiet der Kriminalität älterer Menschen ins gesellschaftliche und wissenschaftliche Interesse zu rücken und Erklärungsmodelle für ihr delinquentes Verhalten sowie den Rückgang der Kriminalität im Alter aufzuzeigen.
3.1.4 Analyse der Deliktsstruktur der Alterskriminalität
Die Deliktsstruktur der Alterskriminalität stellt sich bei den polizeilich registrierten Straftaten in Deutschland für das Jahr 2006 folgendermaßen dar:
Wie in Abbildung 4 grafisch dargestellt wird, macht der einfache Diebstahl bei den männlichen Senioren 1/3 (32.925 von 100.810 Tatverdächtigen) und bei den Frauen dieser Altersgruppe etwas mehr als die Hälfte (21.964 von 42.922 Tatverdächtigen) der in der PKS ausgewiesenen Seniorenkriminalität aus. Mit beträchtlichem Abstand folgen der Betrug mit 12,2 % bei den Männern (12.339) und 11 % bei den Frauen (4.723) sowie Beleidigung mit 11,5 % (11.553) und 10,7 % (4.591). An vierter Stelle liegt die einfache – bzw vorsätzliche leichte – Körperverletzung, die bei den Männern mit 10,6 % (10.671) ebenfalls die 10 %-Hürde überschreitet; bei den Frauen dagegen liegt sie bei 5,4 % (2.312).
Weiters von Bedeutung sind die Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Diese betragen bei den (über) 60-jährigen Männern 8 % (8.084) ihrer registrierten Taten und setzen sich fast ausschließlich aus Nötigung (3.774) und Bedrohung (4.239) zusammen. Bei den älteren Frauen beträgt der Anteil dieser Deliktsgruppe dagegen nur noch 2,5 % (1.093), wobei 498 Tatverdächtige auf Nötigung und 530 auf Bedrohung entfallen. Geringfügig höher ist der Anteil der älteren weiblichen Tatverdächtigen bei der Sachbeschädigung. Von den insgesamt knapp 43.000 tatverdächtigen Seniorinnen entfallen nämlich 2,7% (1.171) auf dieses Delikt. Bei den Männern dagegen sind es zwar prozentuell mehr, nämlich 4,4 % (4.411 von 100.810), was aber nur etwa halb so viele wie bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit sind. Ebenfalls beachtenswert sind die Zahlen zur gefährlichen und schweren Körperverletzung mit 3,6 % (3.679) bei den Männern bzw 2,1 % (913) bei den Frauen, Unterschlagung mit 1,8 % (1.774) und 1,6 % (668) sowie schwerer Diebstahl mit 1,2 % (1.245) und 0,6 % (244).
1 Problemstellung und Vorgehensweise: Einführung in die demografische Relevanz der Altersdelinquenz und Darstellung des methodischen Vorgehens anhand von Kriminalstatistiken.
2 Begriffsbildungen zu Alter und Altersdelinquenz: Definition des Altersbegriffs sowie Abgrenzung der Alters- von der Spätkriminalität.
3 Ausmaß der Altersdelinquenz: Systematische Untersuchung des polizeilich erfassten Hellfelds, der Deliktsstrukturen sowie der Problematik des Dunkelfelds.
4 Erklärungsversuche zur Altersdelinquenz: Analyse der Ursachen kriminellen Verhaltens im Alter mittels biologischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Theorien.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung des Trends zur Veränderung des Kriminalitätsbildes bei Senioren.
Alterskriminalität, Spätkriminalität, Senioren, Kriminalstatistik, PKS, Deliktsstruktur, Diebstahl, Betrug, Aggressionsdelikte, Dunkelfeld, Schwächetheorie, Burn-out-Theorie, Ersttäter, Lebenszufriedenheit, Kriminologie.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem bisher wenig beachteten Forschungsgebiet der Alterskriminalität. Ziel ist es, das Ausmaß kriminellen Verhaltens von Menschen über 60 Jahren in Deutschland und Österreich zu analysieren.
Im Zentrum stehen die statistische Erfassung von Straftaten älterer Menschen, die Analyse der typischen Deliktsstrukturen sowie die theoretische Aufarbeitung der Ursachen für dieses abweichende Verhalten.
Das Ziel ist es, das Phänomen „Alter und Delinquenz“ strukturiert darzustellen, die geringe Kriminalitätsbelastung zu beleuchten und Erklärungen sowohl für das Auftreten als auch für das Nachlassen von Kriminalität im Alter zu finden.
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Analyse offizieller Kriminalstatistiken (PKS und Verurteiltenstatistiken) sowie einer theoretischen Diskussion verschiedener kriminologischer Ansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte deskriptive Analyse des Hellfelds und Dunkelfelds sowie eine tiefgehende Diskussion biologischer, psychologischer und sozialer Erklärungsmodelle für Alterskriminalität.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Alterskriminalität, Spätkriminalität, Kriminalstatistik, Deliktsstruktur, Dunkelfeld, Ersttäter und verschiedene kriminologische Theorien wie die Schwächetheorie.
Die Unterscheidung ist notwendig, da polizeiliche Statistiken (Hellfeld) nur einen Teil des tatsächlichen Kriminalitätsaufkommens abbilden. Das Dunkelfeld bei Senioren gilt aufgrund spezifischer Selektionsprozesse und der Art der Delikte als besonders groß.
Mangelnde Lebenszufriedenheit, Einsamkeit und soziale Ausgliederung werden als wichtige Faktoren identifiziert, die bei Senioren zu einer Destabilisierung des Verhaltens führen und etwa Diebstahl als eine Art Hilferuf oder Ersatzhandlung begünstigen können.
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