Forschungsarbeit, 2009
36 Seiten
1 Einleitung
2 Arbeitsmodell
3 Interpretation von Sparschuhs „Der Zimmerspringbrunnen“
3.1 Die „Wende“ als Ambivalenzerfahrung: Das Wendebild des Romans „Der Zimmerspringbrunnen“
3.1.1 Charakteristika in der inhaltlichen Darstellung der Ambivalenzerfahrung
3.1.1.1 Die Euphorie des beruflichen Neuanfangs
3.1.1.2 Kennenlernen neuer beruflicher Strukturen und Mechanismen
3.1.1.3 Erste praktische Berufserfahrungen / Verkaufsversuche
3.1.1.4 Auswirkungen des beruflichen Erfolges auf das Privatleben
3.1.1.5 Die Kreation des Neuen
3.1.1.6 Absatzsteigerung durch Eigeninitiative und neue Verkaufsstrategien
3.1.1.7 Die Suche nach Vollkommenheit
3.1.2 Erzählverfahren
4 Fazit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das in Jens Sparschuhs Roman „Der Zimmerspringbrunnen“ gezeichnete Wendebild tiefgehend zu interpretieren, indem sie den Protagonisten Hinrich Lobek als prototypischen DDR-Bürger analysiert, der die gesellschaftlichen Transformationsprozesse nach der Wiedervereinigung als ambivalente Erfahrung von beruflichem Aufstieg und privatem Scheitern durchlebt.
3.1.1.3 Erste praktische Berufserfahrungen / Verkaufsversuche
Erste praktische Verkaufserfahrungen sammelt Lobek bei einer gemeinsamen Verkaufstour mit Strüver durch die Metropole Berlin, die neben der Abwicklung des Stammkundengeschäftes auch der Erschließung von Neukunden zur Steigerung des Produktabsatzes in den neuen Bundesländern dienen soll. Dabei erweist sich Lobeks Beitrag, dieses Ziel mithilfe der Nutzung von Kundenlisten – die seiner ehemaligen Berufstätigkeit als Mitarbeiter bei der Ostberliner Kommunalen Wohnungsverwaltung entstammen – zu unterstützen, als unbrauchbar (vgl. Z: 71-72). Deshalb schlägt Strüver einen Wechsel der Verkaufsstrategie – die Strategie der „[…] Spontanbesuche […]“ (Z: 72) – vor, um das gesetzte Ziel der Verkaufstour erreichen zu können:
Strüver hatte diesen Kurswechsel sofort verordnet, als wir [Strüver und Lobek nach dem gescheiterten Verkaufsgespräch mit Herrn Wunschke; S. B.] wieder unten auf der Straße standen: Man müsse nach solch einem Anfangsfehlschlag einfach völlig neu ansetzen, das Schädlichste sei jetzt eine zermürbende Fehlerdiskussion. Also – wir gingen auf gut Glück los, und wir schienen zunächst auch Glück damit zu haben … (ebd.)
Jedoch lassen sich mit dieser neuen Verkaufsstrategie zunächst keine Verkaufserfolge erzielen, wie anhand von zwei Verkaufssituationen deutlich wird: Einmal besuchen Lobek und Strüver einen Alkoholiker, dem sie keinen Zimmerspringbrunnen verkaufen, sondern von sich aus das Gespräch abbrechen, weil der Verkauf von Zimmerspringbrunnen „[…] ethische[n] Grenzen […]“ (Z: 74) unterliegt. In einer anderen Situation werden die beiden Vertreter von einem Rentnerehepaar nach kurzer ‚Verhandlung‘ abgewiesen (vgl. Z: 75).
1 Einleitung: Diese Einleitung verortet das Werk im Kontext der literarischen Auseinandersetzung mit der deutschen Einheit nach 1990 und thematisiert den innerdeutschen Literaturstreit sowie den Wenderoman als Gattung.
2 Arbeitsmodell: Dieses Kapitel etabliert die methodische Grundlage für die Interpretation, indem es die Bedeutung der Rezeption des Lesers und die Funktion literarischer Form bei der Vermittlung historischer Erfahrung betont.
3 Interpretation von Sparschuhs „Der Zimmerspringbrunnen“: Der Hauptteil analysiert die Erfahrungen des Protagonisten Hinrich Lobek, beleuchtet seine berufliche Entwicklung, die privaten Krisen, die Rolle des Zimmerspringbrunnens als Kompensationsmittel sowie das verwendete Erzählverfahren.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Interpretation zusammen und betont, dass Sparschuhs Roman erfolgreich die Ambivalenzen der Nachwendezeit durch Satire und Ironie sowie die sprachlichen Barrieren zwischen Ost und West abbildet.
Jens Sparschuh, Der Zimmerspringbrunnen, Deutsche Einheit, Wende, Nachwendezeit, Ambivalenzerfahrung, Hinrich Lobek, Ost-West-Verhältnis, Wendeliteratur, Identitätskrise, Satire, Rezeptionsästhetik, Heimatroman, Transformationsprozess.
Die Arbeit befasst sich mit der Interpretation des Romans „Der Zimmerspringbrunnen“ von Jens Sparschuh und untersucht, wie das darin dargestellte Wendebild die Erfahrungen der deutschen Einheit widerspiegelt.
Die zentralen Themen umfassen die Ambivalenz des beruflichen Erfolgs gegenüber privatem Scheitern, die ostdeutsche Identität nach 1990 sowie die kommunikativen Barrieren zwischen West- und Ostdeutschen.
Das primäre Ziel ist es, das durch die Figur Hinrich Lobek entfaltete Wendebild zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Sparschuh durch den Roman eine Auseinandersetzung mit den Folgen der Wiedervereinigung ermöglicht.
Die Arbeit stützt sich auf ein rezeptionsästhetisches Arbeitsmodell, das die aktive Rolle des Lesers bei der Deutung fiktionaler Welten und deren Form in der Wendeliteratur betont.
Im Hauptteil werden die einzelnen Phasen von Lobeks beruflicher Neuorientierung, seine Ehekrise, die psychologischen Hintergründe seines Handelns und die ironisch-satirische Erzählweise des Autors detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wende, Zimmerspringbrunnen, Identität, Ambivalenz, Ost-West-Verhältnis, Satire und Transformation.
Die Entwicklung des Modells ATLANTIS dient als Kompensationslösung für das als unvollkommen empfundene Leben Lobeks und symbolisiert gleichzeitig die Bewältigung des Heimatverlustes vieler Ostdeutscher.
Dieses Ereignis führt Lobek an die Grenze seiner Belastbarkeit und lässt ihn kurzzeitig überlegen, seine Vertretertätigkeit komplett aufzugeben, was den persönlichen Leidensdruck im neuen System verdeutlicht.
Der Zimmerspringbrunnen fungiert sowohl als Werkzeug zur Satire des westdeutschen Verkäuferwahns als auch als Identitätsobjekt, das spezifische kulturelle Erinnerungen an die DDR wachruft.
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