Magisterarbeit, 2000
106 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Der Forschungsprozess/Methoden
3. Die wirtschaftliche Gesamtsituation in Indonesien zur Zeit der Feldforschung
4. Tanjung Dua – ein Fischerdorf im Lingga Archipel
4.1 Die Provinz Riau und das Wachstumsdreieck Singapur-Johor-Riau
4.2 Das Lingga-Archipel und die Insel Selayar
4.3 Klimatische und ökologische Bedingungen in der Untersuchungsregion
4.4 Das Fischerdorf Tanjung Dua
4.5 Zusammenfassung
5. Die Fischerei als besondere Wirtschaftsform – eine theoretische Darstellung
6. Die Fischer von Tanjung Dua
6.1 Die Organisation der Fischerei
6.2 Technik und Ergologie
6.3 Die Vermarktung des Fanges
6.4 Das Einkommen der Fischer
6.5 Problemkreise
6.5.1 Überfischung
6.5.2 Arbeitskräftemangel und Migration
6.5.3 Nachhaltigkeit und Entwicklung
6.5.4 Weltmarktabhängigkeit
6.6 Zusammenfassung
7. Das Sozialgefüge der Gesellschaft und seine politische Dimension
7.1 Haushalt, Familie und Verwandtschaft
7.2 Wie stabil ist das Sozialgefüge? Unterschiede reicher und armer Haushalte
7.3 Der Islam im Dorfkontext
7.4 Dorf- und Weltpolitik – Die Wahrnehmung politischer Transformationsprozesse
7.5 Zusammenfassung
8. Die Nachhaltigkeit einer marktorientierten Fischerei auf Haushaltsbasis
8.1 Von der häuslichen Produktionsweise zur Verflechtung von Produktionssektoren
8.2 Ökologisch-ökonomische Vernunft oder Müßiggang?
8.3 Beständigkeit in der Krise
8.4 Bedrohungen und Hoffnungen
8.5 Zusammenfassung
9. Schluss
Die Arbeit untersucht die sozioökonomische Struktur des Fischerdorfes Tanjung Dua im Lingga-Archipel und analysiert, wie diese Gemeinschaft trotz der Herausforderungen durch die asiatische Wirtschaftskrise und globale Marktintegration ihre Stabilität bewahrt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Fischereiwirtschaft sowie auf die Frage, ob deren Erfolg eher durch ökologisch-ökonomische Anpassung oder durch soziale Resilienz begründet ist.
Die Organisation der Fischerei
In vielen anthropologischen Arbeiten über die Fischerei spielt die Zusammensetzung der Netzgruppen und dadurch auftretende Konflikte eine gewichtige Rolle (vgl. Diamond 1969: 15, Fraser 1960: 39ff, Acheson 1981: 279f). Die Netzgruppe wird als wichtiges Element der Organisation der Fischerei und teilweise auch als soziale Einheit dargestellt. Ähnlich kompliziert wie die Zusammensetzung der Netzgruppen ist dann meist auch die Technik der Fischerei, oder aber sie bedarf extrem vieler Arbeitskräfte (Eichborn 1999: 14). Beides trifft auf die maritime Arbeitsweise der Fischer von Tanjung Dua nicht zu, ein maximaler Arbeitskräfteeinsatz von zwei bis drei Männern reicht aus, und so bedarf es keiner ausgesprochen Formung einer größeren Arbeitsgruppe. Zumeist tritt ein Haushalt als Arbeitseinheit auf, und bei Bedarf wird ein weiterer Fischer angestellt, der entweder aus dem Familienumkreis oder aus einer Familie kommt, die nicht im Besitz einer Fischfalle (kelong) oder eines Bootes (motor) ist.
In Tanjung Dua werden drei verschiedene Formen der Fischerei praktiziert. Die wirtschaftlich wichtigste Methode, und einst auch Anlass, hier ein Dorf zu gründen, ist das Aufstellen der Fischfallen (kelong) in den flachen Gewässern um das Dorf herum. Zu dem Dorf gehören 50 kelong, die im Besitz von 37 Haushalten sind. Fast die Hälfte der 80 Haushalte einen eigenen kelong und damit eine autarke Erwerbsquelle. Die wohlhabenden Familien besitzen zwei bis vier kelong. Die Plätze für die kelong bezeichnet man als jalar (von: schleichen, kriechen), sie sind im Besitz des Dorfes und werden vom Dorfvorsteher (kepala desa) den Besitzern zugewiesen. Dabei haben die alteingesessenen Familien die besten Standorte, neu hinzugezogene Bewohner haben kaum noch die Möglichkeit, einen günstigen Standort zu bekommen.
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsthema der Dorfwirtschaft von Tanjung Dua unter Berücksichtigung der asiatischen Wirtschaftskrise.
2. Der Forschungsprozess/Methoden: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, primär durch teilnehmende Beobachtung und qualitative Interviews.
3. Die wirtschaftliche Gesamtsituation in Indonesien zur Zeit der Feldforschung: Überblick über die makroökonomischen Bedingungen und die Auswirkungen der Krise auf Indonesien.
4. Tanjung Dua – ein Fischerdorf im Lingga Archipel: Beschreibung des geographischen und wirtschaftlichen Umfelds des Untersuchungsortes.
5. Die Fischerei als besondere Wirtschaftsform – eine theoretische Darstellung: Theoretische Einordnung der Fischerei als extraktive Wirtschaftsform im wirtschaftsanthropologischen Kontext.
6. Die Fischer von Tanjung Dua: Analyse der technischen und organisatorischen Grundlagen sowie der Vermarktung und Probleme der lokalen Fischerei.
7. Das Sozialgefüge der Gesellschaft und seine politische Dimension: Untersuchung der sozialen Strukturen, des Islam und des politischen Einflusses auf die dörfliche Ordnung.
8. Die Nachhaltigkeit einer marktorientierten Fischerei auf Haushaltsbasis: Bewertung der Zukunftsperspektiven der Dorfökonomie unter Anwendung wirtschaftsanthropologischer Konzepte.
9. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Fazit zur dynamischen Stabilität der dörflichen Fischerei.
Tanjung Dua, Wirtschaftsanthropologie, Kleinfischerei, Fischfallen, kelong, Indonesien, Asienkrise, Haushaltsproduktion, Marktintegration, Verflechtung, Nachhaltigkeit, Sozialgefüge, Weltmarkt, Marshall Sahlins, Treibnetzfischerei.
Die Untersuchung der Bedingungen einer dörflichen Fischereiwirtschaft an der Peripherie des Weltmarktes und deren Anpassungsfähigkeit während der asiatischen Wirtschaftskrise.
Wirtschaftliche Organisation, soziale Strukturen, politische Machtverhältnisse, religiöse Einflüsse und die theoretische Debatte um Unterproduktion versus marktorientiertes Handeln.
Zu verstehen, wie eine Gemeinschaft mit haushaltsorientierter Produktionsweise gleichzeitig erfolgreich in globale Märkte integriert sein kann und welche Auswirkungen dies auf ihre soziale Stabilität hat.
Der Autor nutzt wirtschaftsanthropologische Ansätze, basierend auf einer zehnwöchigen Feldforschung mit teilnehmender Beobachtung und qualitativen Interviews.
Die detaillierte Beschreibung der Fischereitechniken, die Vermarktungsprozesse über Zwischenhändler sowie die soziopolitische Struktur des Dorfes.
Tanjung Dua, Kleinfischerei, Wirtschaftsanthropologie, Haushaltsökonomie und globale Marktintegration.
Der kelong ist eine stationäre Fischfalle und bildet das wirtschaftliche Rückgrat der meisten Haushalte, bietet jedoch durch die Standortvergabe auch ein Instrument der sozialen Differenzierung.
Der Autor berichtet, dass die Fischer aufgrund der negativen Nachrichten über Massaker und Gewalt in Indonesien Angst vor dem demokratischen Transformationsprozess haben und stattdessen Stabilität und Sicherheit bevorzugen.
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