Bachelorarbeit, 2009
31 Seiten, Note: 2,0
1. Mehr Preisoptionen und weniger Zufriedenheit?
2. Verständnis für Preiskomplexität
2.1 Entstehung, Merkmale und Definition
2.2 Wahrnehmungspsychologische Theorien
2.2.1 Überblick
2.2.2 Theorie der kognitiven Dissonanz
3. Subjektive Wahrnehmung des Kunden
3.1 Überlastung und Folgen
3.2 Preisfairness- & Preisgünstigkeitsurteile
3.3 Kundenzufriedenheit
4. Implikationen für den Unternehmenserfolg
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die kundenseitige Wahrnehmung von Preiskomplexität und deren Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten. Dabei wird analysiert, wie komplexe Preissysteme die Kaufentscheidung beeinflussen, welche psychologischen Mechanismen bei der Bewertung von Preisen greifen und welche Konsequenzen dies für die Kundenzufriedenheit und den Unternehmenserfolg hat.
1. Mehr Preisoptionen und weniger Zufriedenheit?
Mobilfunk-, Energie- und Finanzmarkt – Nur ein kleiner Ausschnitt der Branchen, in denen Konsumenten seit einigen Jahren mit äußerst komplexen Preissystemen konfrontiert sind. Die Angebote unterscheiden sich oft nur im Detail. Diverse Studien belegen den „Preisdschungel“ des Finanzmarktes, z. B. im Bereich der Investmentfonds (vgl. Hortaçsu/Syverson 2004) und Leibrenten (vgl. Mitchell et al. 1999). Auch Bahnreisende sind schon seit langem über das undurchsichtige Preissystem der Deutschen Bahn verärgert (vgl. z. B. Reichardt 2009; Wieschowski 2008). Engelmann (2005, S. 137) stellte fest, dass man im September 2004 bei den vier Hauptanbietern auf dem deutschen Mobilfunkmarkt eine Kombination aus über 2000 Tarifen zusammenstellen konnte. Hier zeigt sich in den letzten Jahren allerdings eine gegenläufige Entwicklung, die Grund zur Annahme negativer Auswirkungen der Preiskomplexität gibt. So wirbt die E-Plus-Tochter simyo mit dem Slogan „Weil einfach einfach einfach ist“ und bietet SMS und Gespräche in sämtliche deutsche Netze für 9 Cent pro Minute an. Demgegenüber steht jedoch neben vielen Discounter-Angeboten die unüberschaubare Anzahl an Neugründungen von Unternehmen wie simyo.
Für den Verbraucher gilt es stets das für ihn optimale Tarifmodell zu finden. Nach der klassischen Mikroökonomie erhöht eine größere Auswahl den Nutzen und der Konsument sollte zwischen einem gebündelten Gesamtpreis und der gleichwertigen Summe vieler Einzelpreise indifferent sein. Die Verhaltensforschung beweist jedoch, dass diese Vereinfachung keinesfalls immer angenommen werden darf (vgl. Estelami 1997; Maxwell 2005) und impliziert dabei die Wichtigkeit des Behavioral Pricing für die Unternehmensseite. Varian (1989, S. 647) erkennt schon früh komplexe Preissysteme als Ursache für falsche Entscheidungen. Auswirkungen auf die wahrgenommene Preisgünstigkeit und Preisfairness (vgl. Burmana/Biswas 2007) sind in diesem Kontext nicht zu vernachlässigen. Daneben macht sich auch die Überforderung der Konsumenten, einhergehend mit psychischem Stress, bemerkbar. Folgen können u. a. eine geringe Kundenzufriedenheit und im folgenreichen Falle negatives Word of Mouth (~Mundpropaganda) – als wichtige Informationsgrundlage potenzieller Kunden – sein (vgl. Lehmann 1998; Turnbull/Leek/Ying 2000).
1. Mehr Preisoptionen und weniger Zufriedenheit?: Das Kapitel führt in die Problematik komplexer Preissysteme ein, die durch eine Vielzahl von Angeboten entstehen und oft zu Überforderung sowie negativen Auswirkungen auf den Konsumenten führen.
2. Verständnis für Preiskomplexität: Hier werden die konzeptionellen Grundlagen der Preiskomplexität sowie relevante wahrnehmungspsychologische Theorien wie die kognitive Dissonanztheorie erläutert.
3. Subjektive Wahrnehmung des Kunden: Dieses Kapitel untersucht die konkreten Auswirkungen von Preiskomplexität auf den Kunden, insbesondere in Bezug auf kognitive Überlastung, Fairnessurteile und die daraus resultierende Kundenzufriedenheit.
4. Implikationen für den Unternehmenserfolg: Es werden Handlungsempfehlungen für Unternehmen abgeleitet, um die negativen Folgen von Preiskomplexität zu reduzieren und die Kundenbeziehung zu stärken.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der wichtigsten Erkenntnisse zur objektiven und subjektiven Preiskomplexität und identifiziert weiteren Forschungsbedarf.
Preiskomplexität, Preisdifferenzierung, Konsumentenverhalten, Behavioral Pricing, Kaufentscheidung, Preisfairness, Kundenzufriedenheit, Informationsüberlastung, kognitive Dissonanz, Equity Theorie, Preisgünstigkeit, Bedürfnis, Strategie, Produktkomplexität, Auswahlmöglichkeiten.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen komplexer Preissysteme auf die Wahrnehmung und das Entscheidungsverhalten von Konsumenten in verschiedenen Märkten.
Zentrale Themen sind die psychologischen Aspekte der Preiswahrnehmung, die Folgen von Informationsüberlastung sowie der Zusammenhang zwischen Preiskomplexität und Kundenreaktionen.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für den Einfluss von Preiskomplexität auf den Kunden zu schaffen und daraus Implikationen für Unternehmen zur Gestaltung attraktiverer Preissysteme abzuleiten.
Die Arbeit stützt sich primär auf verhaltenswissenschaftliche Ansätze, darunter die Theorie der kognitiven Dissonanz, die Equity Theorie, die Anker- und Anpassungsheuristik sowie Theorien zum Mental Accounting.
Der Hauptteil behandelt die Entstehung von Preiskomplexität, die psychologischen Theorien zur Kundenwahrnehmung, die Auswirkungen von Überlastung und Fairnessurteilen sowie unternehmerische Strategien zur Reduktion dieser Komplexität.
Preiskomplexität, Preisfairness, Kundenzufriedenheit, kognitive Überlastung und Behavioral Pricing sind zentrale Begriffe, die die Arbeit maßgeblich beschreiben.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da ein objektiv komplexes System (viele Optionen) nicht zwingend vom Kunden als schwierig wahrgenommen werden muss; entscheidend für das Verhalten ist jedoch die subjektive Empfindung des Kunden.
Eine Beteiligung des Kunden an der Preisgestaltung kann die wahrgenommene Fairness ("deservedness") erhöhen und somit die negativen Effekte einer hohen Komplexität abmildern.
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