Wissenschaftliche Studie, 2009
156 Seiten
Vorbemerkung
A Geschichte und Umsetzung der Projektmethode
I. Historische Entwicklung des Projektunterrichtes
I.1 Die Anfänge des Projektunterrichtes
I.2 Der amerikanische Pragmatismus
I.2.1 John Dewey (1859 - 1952)
I.2.2 Wiliam Heard Kilpatrick (1871 – 1965)
I.3 Die deutsche Reformpädagogik
I.3.1 Berthold Otto (1859 – 1933)
I.3.2 Georg Kerschensteiner (1854 – 1932)
I.3.3 Peter Gaudig (1860 – 1923)
I.3.4 Peter Petersen (1884 – 1952)
I.4 Die „Innovationszeit“ und die Gegenwart
II. Begründungsebenen für Projektunterricht
II.1 Sozialisationstheoretische Ebene
II.2 Lernpsychologische Ebene
II.3 Bildungstheoretische Ebene
III. Phasen, Merkmale und Definition des Projektunterrichtes
III.1 Die Projektmethode von Karl Frey
III.1.1 Projektinitiative
III.1.2 Projektskizze
III.1.3 Projektplan
III.4 Aktivitäten im Betätigungsgebiet/ Projektdurchführung
III.5 Beendigung des Projektes
III.6 Fixpunkte und Metainteraktion
III.2 Der Projektunterricht nach Herbert Gudjons
III.2.1 Situationsbezug
III.2.2 Orientierung an den Interessen der Beteiligten
III.2.3 Gesellschaftliche Praxisrelevanz
III.2.4 Zielgerichtete Projektplanung
III.2.5 Selbstorganisation und Selbstverantwortung
III.2.6 Einbeziehen vieler Sinne
III.2.7 Soziales Lernen
III.2.8 Produktorientierung
III.2.9 Interdisziplinarität
III.2.10Grenzen des Projektunterrichts
III.3 Ein Versuch einer Definition
III.3.1 Die Rolle der SchülerInnen
III.3.2 Die Rolle der LehrerInnen
III.4 Leistungsbeobachtung und Leistungsbeurteilung im Projektunterricht
III.4.1 Position FÜR die Benotung im Projektunterricht
III.4.2 Position GEGEN die Benotung im Projektunterricht
III.4.3 Konsequenz
B Konzeption der Projekteinheit „Ein Ort mit doppelter Vergangenheit“
I. Allgemeine Voraussetzungen
I.1 Die Gedenkstätte Münchner Platz
I.2 Die Bedingungen durch den Lehrplan des Faches Geschichte
I.3 Lernzielsetzungen für das Projekt „Ein Ort mit doppelter Vergangenheit“
II. Das Projekt „Ein Ort mit doppelter Vergangenheit“ im Einzeln
II.1 Meine Vorbereitung
II.1.1 Das Zeitbudget
II.1.2 Kontakt zur Schulleitung, zu Eltern sowie zur Gedenkstätte
II.1.3 Der Einstieg
II.2 Ein Verlauf des Projektes
II.2.1 Projektplanung
II.2.2 Durchführung
II.2.2.1 Alojs Andricki
II.2.2.2 Gottfried Klenke
II.2.2.3 Hermann Flade
II.2.2.4 Dr. Margarete Blank
II.2.2.5 Wilhelm Grothaus
II.2.2.6 Arno Eckelmann
II.2.2.7 Karel Loewensohn
II.2.3 Tagesprotokoll, Lerntagebuch und Runder Tisch
II.2.4 Ein Produkt
II.2.4.1 Haltepunkt Schwurgerichtssaal
II.2.4.2 Haltepunkt Todeszellen
II.2.4.3 Haltepunkt Richthof
II.2.4.4 Haltepunkt Gedenkwand
II.2.4.5 Haltepunkt Bronzeschrift
II.2.4.6 Haltepunkt Gefängnishof/ Haftanstalt
II.2.5 Auswertung, Reflexion und Bewertung
III. Schlussbemerkung
C Anhang
I. Auswahlliste
II. Dokumente zu Alojs Andricki
III. Dokumente zu Gottfried Klenke
IV. Dokumente zu Hermann Flade
V. Dokumente zu Dr. Margarete Blank
VI. Dokumente zu Wilhelm Grothaus
VII. Dokumente zu Arno Eckelmann
VIII. Dokumente zu Karel Loewensohn
IX. Tagesprotokoll
X. Lerntagebuch
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Potenzial der Projektmethode für einen modernen, handlungsorientierten Geschichtsunterricht aufzuzeigen. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Kluft zwischen historischer Theorie und der Lebenswelt der SchülerInnen durch konkrete Projektarbeit überbrückt werden kann, um ein tiefgreifendes Geschichtsbewusstsein zu fördern.
I.1 Die Anfänge des Projektunterrichtes
Lange Zeit glaubte man in der pädagogischen Forschung, dass das Projekt und die damit verbundene Unterrichtsmethode, ihre Wurzeln in den USA des beginnenden 20. Jahrhunderts mit John Dewey (1859- 1952) und William Heard Kilpatrick (1871- 1965) hatte. Es ist der Arbeit Michael Knolls zu verdanken, dass wir heute wissen, dass die Projektmethode „kein Kind der Demokratie, sondern des Absolutismus“ ist.
Seinen Ausgangspunkt findet der Projektbegriff im Italien des 16. Jahrhunderts. Die italienischen Architekten forderten eine Professionalisierung ihrer Ausbildung. Sie wollten ihr handwerkliches Können, welches sie sich in einer Lehre, beispielsweise zum Steinmetz, angeeignet hatten, nun mit theoretischen Elementen anreichern, um so vom Handwerker zum Künstler, denn als dies sahen sich die Architekten, aufzusteigen. Um dies zu ermöglichen, war es von Nöten, die Architektur als Kunstwissenschaft zu begründen und dann diese neu geschaffene Baukunst als Schulfach zu etablieren.
Hierzu wurde im Jahr 1577 unter dem Patronat Papst Gregors XIII. die Accademia di San Luca in Rom gegründet. Nach einigen Startschwierigkeiten öffnete die Accademia 1593 ihre Tore für die Schüler der Architektur. Zu Beginn fand der Unterricht jedoch nur an Sonn- und Feiertagen statt. Um die Ausbildung an der Accademia für die Studenten befriedigend wirken zu lassen, musste noch das Element des Wettbewerbs im Lehrgang Beachtung finden. Seit der Renaissance spielte der Wettbewerb in der Architektur eine bedeutende Rolle. Er war es, der dazu beitrug, die Architektur als freien Berufsstand zu begründen sowie die „künstlerische Kreativität zur Entfaltung zu bringen“.
Um die Distanz zwischen Praxis und Theorie innerhalb der Ausbildung zu überwinden, mussten die Studenten nun eine vorgegebene Aufgabe mit Hilfe des erlernten Wissens und der Regeln selbstständig und schöpferisch in ‚progettis’ bearbeiten. Der erste Wettbewerb fand an der Accademia di San Luca 1596 statt, wurde aber erst 1702 zur ständigen Einrichtung des Schuljahres.
I. Historische Entwicklung des Projektunterrichtes: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Projektmethode von der italienischen Architekturausbildung des 16. Jahrhunderts über den amerikanischen Pragmatismus bis zur deutschen Reformpädagogik nach.
II. Begründungsebenen für Projektunterricht: Es werden die sozialisationstheoretischen, lernpsychologischen und bildungstheoretischen Gründe für die Notwendigkeit von Projektarbeit in der modernen Schule erläutert.
III. Phasen, Merkmale und Definition des Projektunterrichtes: Hier werden zwei zentrale Konzeptionen der Projektmethode (Frey und Gudjons) detailliert analysiert und eine eigene Definition sowie Ansätze zur Leistungsbeurteilung abgeleitet.
Projektunterricht, Geschichtsdidaktik, Handlungsorientierung, Schülerorientierung, Gedenkstätte Münchner Platz, historisches Lernen, Diktaturen, Selbststeuerung, Produktorientierung, Sozialisationstheorie, Pädagogik, Lernpsychologie, Demokratieerziehung, Urteilsfähigkeit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung und praktischen Anwendung des Projektgedankens im Geschichtsunterricht als Methode zur Förderung von Mündigkeit und demokratischem Bewusstsein.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Projektmethode, deren theoretische Begründung im modernen Schulalltag, verschiedene methodische Konzeptionen sowie die konkrete Planung einer Projekteinheit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Projektlernen durch die Auseinandersetzung mit historisch bedeutsamen Orten die Kluft zwischen Schultheorie und Lebenswelt überbrücken kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgreifende Literaturanalyse pädagogischer Theorien (Dewey, Kilpatrick, Frey, Gudjons) und verknüpft diese mit einer fachdidaktischen Konzeption für den Geschichtsunterricht.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block zu Ursprüngen und Begründungen des Projektunterrichts sowie in einen praktischen Teil, der eine konkrete Projekteinheit zur Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden entwirft.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Projektunterricht, Handlungsorientierung, Geschichtsbewusstsein, historische Urteilsfähigkeit und Schülerorientierung geprägt.
Sie dient als authentischer außerschulischer Lernort, an dem SchülerInnen anhand von Akten und Biografien exemplarisch die Unterdrückungsmechanismen zweier Diktaturen im 20. Jahrhundert erforschen können.
Die Lehrperson sollte vom reinen Wissensvermittler zum Begleiter und Gestalter von Lernumgebungen werden, um die Selbstständigkeit der SchülerInnen und deren aktive Auseinandersetzung mit dem Stoff zu fördern.
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