Bachelorarbeit, 2020
34 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Rausch und Literatur
2.1. Drogenliteratur und Rauschpoetik
2.2. Kleine Kulturgeschichte des Rausches
2.2.1. Von der Romantik bis zur Zwischenkriegszeit
2.2.2. Friedrich Wilhelm Nietzsches Dionysik
2.2.3. Ludwig Klages Ekstasetheorie
3. Pharmakopoietische Moderne
3.1. Benjamin und Benn – Berliner Zeitgenossen
3.2. Benjamin und Benn – Dionysische Ekstase
3.3. Walter Benjamin und Drogen
3.3.1. Rausch und Revolution bei Benjamin
3.3.2. Benjamin in Marseille
3.4. Gottfried Benn und Drogen
3.4.1. Benns provoziertes Leben
3.4.2. Benns poetopharmazeutische Prosa
4. Benjamin und Benn – Vergleich des Drogenrausches
5. Fazit
Die Arbeit untersucht das verbindende Motiv des schöpferischen Drogenrausches im Werk von Walter Benjamin und Gottfried Benn und analysiert dabei, wie halluzinogen induzierte Erfahrungen deren jeweilige Ästhetik, Schreibverfahren und politische Weltanschauung beeinflussten.
[m]an müßte, um den Rätseln des Rauschglücks näher zu kommen, über den Ariadne-Faden nachdenken.
[m]an müßte, um den Rätseln des Rauschglücks näher zu kommen, über den Ariadne-Faden nachdenken. Welche Lust in dem bloßen Akt, einen Knäuel abzurollen. Und diese Lust ganz tief verwandt mit der Rauschlust wie mit der Schaffenslust. Wir gehen vorwärts; wir entdecken dabei aber nicht nur die Windungen der Höhle, in die wir uns vorwagen, sondern genießen dieses Entdeckerglück nur auf dem Grunde jener anderen rhythmischen Seligkeit, die da im Abspulen eines Knäuels besteht. (Ebd. 4, 414)
Wodurch der Narrator zu der Feststellung gelangt, dass wir im „Haschisch [...] genießende Prosawesen höchster Potenz“ (Ebd.) sind, worin sich erneut Anklänge an romantische Apotheosen von Kunstformen als Modi zur Selbsttranszendenz finden.100 Die Nutzbarmachung des Rausches für das Schreiben ergibt sich insbesondere am Folgetag, denn „der Rausch setzt sich in der Nacht mit schönen prismatischen Rändern gegen den Alltag ab; er bildet eine Art Figur und ist andenklicher.“ (Ebd.) Der vorangehende Textausschnitt kann als Herzstück der poetologischen Verortung des Drogenrausches gelten, worin die Wesensverwandtschaft vom labyrinthartigen Herumflanieren ohne bestimmte Destination mit dem ungewissen Ausgang eines Schreibaktes zum Ausdruck kommt. Obendrein besteht für Benjamin eine ostentative Affinität zwischen dem Verfassen von Prosa und dem Haschischrausch. Dadurch besteht ein einendes Bindeglied zwischen der Erzählung, dem Rausch und der städtischen Topografie.
1. Einleitung: Klärung der Forschungsfrage zur Funktion des Rausches bei Benjamin und Benn im Kontext der literarischen Moderne.
2. Rausch und Literatur: Theoretische Grundlegung und kulturgeschichtlicher Abriss der literarischen Auseinandersetzung mit Rauschmitteln, inklusive der philosophischen Einflüsse von Nietzsche und Klages.
3. Pharmakopoietische Moderne: Zentrale Analyse von Benjamins und Benns Verhältnis zum Drogenrausch, ihrer gegenseitigen Wahrnehmung und der spezifischen literarischen Umsetzung in ihren Werken.
4. Benjamin und Benn – Vergleich des Drogenrausches: Synthetischer Vergleich, der Gemeinsamkeiten in der Rauschaffinität sowie Unterschiede in Stilistik und politischer Zielsetzung hervorhebt.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die politische Komponente des Rauschdiskurses in den untersuchten Texten.
Drogenliteratur, Rauschpoetik, Walter Benjamin, Gottfried Benn, Friedrich Wilhelm Nietzsche, Ludwig Klages, Haschischrausch, Kokainismus, Ekstasetheorie, profane Erleuchtung, Surrealismus, Schreibverfahren, Kulturgeschichte, Ästhetik, Moderne.
Die Arbeit untersucht die Funktion des Drogenrausches in den Werken der zwei literarisch und politisch stark unterschiedlichen Autoren Walter Benjamin und Gottfried Benn.
Die zentralen Themen sind die Ästhetisierung des Rausches, die Wirkung psychoaktiver Substanzen auf den Schreibprozess sowie deren philosophische Einordnung im Kontext der Moderne.
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Rausch bei beiden Autoren als Methode zur schöpferischen Steigerung dient und eine radikale Abkehr vom Rationalismus markiert.
Der Autor verwendet eine literarhistorische Genealogie sowie eine dichte Textanalyse der Primärquellen, um Analogien und Differenzen in der Rauschpoetik herauszuarbeiten.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Nietzsche und Klages vor allem Benjamins Haschischprotokolle und -erzählungen sowie Benns Prosa und essayistische Schriften detailliert analysiert.
Charakteristisch ist die interdisziplinäre Verbindung von Pharmakologie, Philosophiegeschichte und Literaturkritik, zusammengefasst durch das Konzept der "Pharmakopoietischen Moderne".
Während Benjamins Drogenexperimente von einer fast wissenschaftlichen, intellektuellen Durchdringung geprägt sind, zeigt sich bei Benn eine eher affirmative, teils artistische Haltung, die den Rausch als Mittel zur Erschaffung absoluter Dichtung begreift.
Der Autor weist auf die politische Rechtslastigkeit des Rauschdiskurses hin und diskutiert, wie Benjamin Ansätze bei Klages oder politische Strömungen zur Nutzbarmachung für seine revolutionäre Theorie aufgriff.
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