Bachelorarbeit, 2019
43 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Sprachlich-semantische Untersuchung des Begriffs Ausgleich
3. Abhandlung gesellschaftlicher Zuschreibungen an Kunst als ausgleichsfunktionierend und deren Zusammenführung mit der Ausgleich-Definition zur Klärung der Bedeutungsdimensionen von Ausgleich
3.1. Position S. Freuds: Psychische Sublimierung durch Kunst
3.2. Position A. Gehlens: Psychische Entlastung durch Kunst
3.3. Gemeinsame Position J. Ritters, O. Marquards und H. Lübbes: Entschleunigung durch Kunst
3.4. Position H. Hoffmanns: Soziale Teilhabe durch Kunst
3.5. Position B. Mandels: Soziale Gerechtigkeit durch Kunst
3.6. Position C. Mörschs: Empowerment durch Kunst
3.7. Zwischenzusammenfassung
4. Ein Gedankenexperiment: Übertragung der Positionen auf den Kunstunterricht
4.1. Position S. Freuds: Psychische Sublimierung durch Kunst
4.2. Position A. Gehlens: Psychische Entlastung durch Kunst
4.3. Gemeinsame Position J. Ritters, O. Marquards und H. Lübbes: Entschleunigung durch Kunst
4.4. Position H. Hoffmanns: Soziale Teilhabe durch Kunst
4.5. Position B. Mandels: Soziale Gerechtigkeit durch Kunst
4.6. Position C. Mörschs: Empowerment durch Kunst
4.7. Resultierende Überlegungen
5. Resümee
Die Arbeit untersucht, wie Kunst gesellschaftlich als „Ausgleichsfunktionärin“ wahrgenommen und legitimiert wird, und überträgt diese theoretischen Positionen in einem Gedankenexperiment auf schulpädagogische Konzepte des Kunstunterrichts, um deren ausgleichende Potenziale und Wirkmechanismen kritisch zu beleuchten.
3.1 Position S. Freuds: Psychische Sublimierung durch Kunst
Als Ausgang für dieses Kapitel wird die Position des häufig rezipierten Sigmund Freuds herangezogen, welcher sich als Humanmediziner in unterschiedlichen Zugangsweisen auch mit Fragen der Ästhetik beschäftigt.
Freud formuliert in seinen theoretischen Schriften zwei Prinzipien, die im „seelischen Apparat“ des Menschen verankert sind: das Lustprinzip und das Realitätsprinzip. Ersteres Prinzip beschreibt die der Seele innewohnenden Lusttriebe, beispielsweise die libidinösen Sexualtriebe, die es zu befriedigen gilt. Der Kontrolle der ‚Lüste‘ über den Menschen – so Freud – widersetzen sich „gewisse andere Kräfte oder Verhältnisse“, denn die durch das Lustprinzip generierten ‚Lüste‘ seien gefährlich und ungeeignet für die „Außenwelt“. Als Maß der Regulierung oder Blockierung dieser Lustbefriedigung führt Freud als zweites das Realitätsprinzip als „Ablösung“ und Entstehung von Unlust heran.
Neben der Triebregulierung durch das Realitätsprinzip könne es außerdem noch andere Vereitelungen geben. Freud erklärt, dass sich bestimmte „mitgebrachte Triebregungen“ im Menschen hinsichtlich ihrer Ziele gegenseitig widersprechen und einige Triebe somit von ihrer Befriedigung „abgeschnitten“ werden – es entstehen „Ersatzbefriedigungen“ und die eigentlichen Lusttriebe werden somit zur Unlust. Verdrängung und Ersatz sind hier die Stichworte, denn Freud beschreibt in Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens die Folgen des Einsetzens des Realitätsprinzips, dies erfordere nämlich Kompensation bzw. Ausgleich in Form von Phantasie.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach den Bedeutungsdimensionen von Ausgleich im Kunstunterricht und begründet die methodische Vorgehensweise anhand einer Begriffsklärung und eines Gedankenexperiments.
2. Sprachlich-semantische Untersuchung des Begriffs Ausgleich: Dieses Kapitel liefert eine fundierte sprachwissenschaftliche Basis für den Begriff Ausgleich, um diesen als handlungsleitenden Arbeitsbegriff für die interdisziplinäre Untersuchung zu etablieren.
3. Abhandlung gesellschaftlicher Zuschreibungen an Kunst als ausgleichsfunktionierend und deren Zusammenführung mit der Ausgleich-Definition zur Klärung der Bedeutungsdimensionen von Ausgleich: Anhand verschiedener Theoretiker werden sechs Dimensionen herausgearbeitet, wie Kunst als Mittel zum Ausgleich von gesellschaftlich wahrgenommenen Mängeln oder Defiziten fungiert.
4. Ein Gedankenexperiment: Übertragung der Positionen auf den Kunstunterricht: In diesem Kapitel werden die theoretischen Konzepte aus dem vorigen Teil systematisch auf die Planung und Zielsetzung von Kunstunterricht angewandt, um konkrete unterrichtliche Ausgleichsstrategien aufzuzeigen.
5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert kritisch die Rolle des Kunstunterrichts bei der Stabilisierung gesellschaftlicher Verhältnisse durch Ausgleichsleistungen.
Ausgleich, Kunstunterricht, Kompensation, Psychische Sublimierung, Psychische Entlastung, Entschleunigung, Soziale Teilhabe, Soziale Gerechtigkeit, Empowerment, Kulturvermittlung, Kunstpädagogik, gesellschaftliche Defizite, Phantasie, Realitätsprinzip, Lustprinzip.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Begriffs „Ausgleich“ im Zusammenhang mit Kunst und deren gesellschaftlicher Zuschreibung als ausgleichende Instanz, mit einem spezifischen Fokus auf die Anwendung dieser Konzepte im Kunstunterricht.
Die Arbeit verknüpft kunstpädagogische Fragestellungen mit sozialphilosophischen und psychoanalytischen Theorien, um die Rolle von Kunst bei der Bewältigung gesellschaftlicher Mängel zu beleuchten.
Das Ziel ist es zu ergründen, wie theoretische Positionen, die Kunst eine ausgleichende Funktion zuschreiben, auf die Konzeption und Praxisausrichtung von Kunstunterricht übertragen und dort verhandelt werden können.
Neben einer sprachanalytischen Untersuchung von Begrifflichkeiten nutzt die Autorin die Methode des Gedankenexperiments, um existierende theoretische Konzepte in einen fiktiven, aber realistisch orientierten schulischen Kontext zu überführen.
Im Hauptteil werden zunächst sechs theoretische Positionen (u.a. von Freud, Gehlen, Ritter, Hoffmann, Mandel und Mörsch) aufgearbeitet, um sechs spezifische „Ausgleichsdimensionen“ zu definieren, die anschließend exemplarisch auf Kunstunterrichtsszenarien angewendet werden.
Besonders prägend sind Begriffe wie Ausgleich, Kompensation, Soziale Teilhabe, Empowerment, psychische Entlastung und der Fokus auf gesellschaftliche Defizite sowie deren kunstpädagogische Bearbeitung.
Der Begriff Kompensation wird als Ausgangspunkt diskutiert, jedoch im Verlauf der Arbeit kritisch hinterfragt und durch den umfassenderen und neutraleren Begriff „Ausgleich“ ersetzt, um die Untersuchung interdisziplinär zu öffnen.
Während Freud Ausgleich primär als psychische Sublimierung von Trieben zur individuellen Anpassung an der Realität sieht, begreift Mörsch Ausgleich als Empowerment, bei dem Kunst als politisches Mittel zur bewussten Veränderung gesellschaftlicher Strukturen dient.
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