Bachelorarbeit, 2022
50 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen
2.1. Mehrsprachigkeit
2.1.1. Typen von Mehrsprachigkeit
2.1.2. Erwerb von Mehrsprachigkeit
2.2. Sprachkontakt
2.3. Di-, Tri- und Polyglossie
3. La Réunion – Ein ethnisches Mosaik
4. Historischer Kontext
5. Soziolinguistischer Kontext
5.1. Die Entwicklung des créole réunionnais
5.2. Die aktuelle Sprachsituation auf La Réunion
6. Sprachliche Unsicherheit
6.1. Zum Konzept der sprachlichen Unsicherheit
6.2. Gründe für die sprachliche Unsicherheit auf La Réunion
6.2.1. Sprachpolitische Gründe
6.2.2. Soziale Gründe
7. Sprachattitüden: Ergebnisse einer Umfrage bei Réuniones:innen
7.1. Begriffserklärung Sprachattitüden
7.2. Forschungsdesign und Leitfrage
7.3. Methode und Vorgehensweise
7.4. Empirische Auswertung des Fragebogens
7.4.1. Merkmale der Proband:innengruppe
7.4.2. Dargestellter Sprachgebrauch
7.4.3. Sprachrezeption im Kreol
7.4.4. Einstellungen zum Sprachgebrauch
7.5. Kritische Abschlussevaluation
8. Fazit
9. Bibliografie
Die Arbeit untersucht die sprachliche Realität auf La Réunion vor dem Hintergrund der Vormachtstellung des Französischen. Zentral ist die Forschungsfrage, inwiefern die sogenannte Degradierung der kreolischen Sprache zu sprachlicher Unsicherheit bei der Bevölkerung führt und wie sich dies in den Sprachattitüden widerspiegelt.
6.1. Zum Konzept der sprachlichen Unsicherheit
Der Terminus sprachliche Unsicherheit kann als ein Zustand beschrieben werden, bei dem ein Individuum hinsichtlich der eigenen Sprache innerlich nicht gefestigt und unruhig erscheint. Diese Unruhe schließt im Einzelnen auch andere Gefühlsströmungen und -neigungen wie Missmut, Angst und Enttäuschung ein. Auf alle Fälle gilt es, diese seelische Verfassung von der Attitüde und der Wahrnehmung beziehungsweise dem Bewusstsein deutlich abzugrenzen. Die sprachliche Unsicherheit erklärt das breite Spektrum der Identität der betroffenen Personen. Auf der einen Seite zeigt sich eine emotionale Unzufriedenheit bezüglich der eigenen Sprachform, die als minderwertig bewertet wird. Auf der anderen Seite bringt die sprachliche Unsicherheit ein Gefühl der Gefahr mit sich. Sie birgt die Gefahr, dass der Sprecher oder die Sprecherin nicht als legitimer Anhänger oder legitime Anhängerin der Sprechergruppe realisiert wird, was schließlich die eigene Identität gefährdet und zu deren Verlust führen kann (vgl. Hennecke/Vaga 2020: 16).
Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit und Diglossie sowie das Vorhandensein verschiedener Normen und des Sprachwandel als auch des Sprachausbau sind ausschlaggebende Faktoren für sprachliche Unsicherheit. Vor allem eine existierende Regional beziehungsweise Minderheitensprache und ein eingeschränkter Kontakt zur präskriptiven Norm in Situationen des Sprachkontakts beziehungsweise sozialer Mehrsprachigkeit führen zur Verunsicherung des Sprechers oder der Sprecherin in Verbindung mit ihrer Sprache. Eine vorhandene Norm, die für den Sprecher oder die Sprecherin subjektiv unerreichbar ist und demnach oftmals von ihm oder ihr idealisiert wird, löst Unsicherheit bei der betroffenen Person selbst aus. Diese Verunsicherung entsteht dadurch, dass der Sprecher oder die Sprecherin versucht, die eigene Sprache an einem Ideal zu orientieren. Sprachliche Unsicherheit kann aber auch durch autoritäre Mächte und institutionelle Einrichtungen hervorgerufen werden. Das positive Prestige der präskriptiven Norm wird dem Sprecher oder der Sprecherin angenähert und jede Abweichung von der Norm wird sofort denunziert (vgl. ebd.: 11).
1. Einleitung: Führt in die Mehrsprachigkeit auf La Réunion ein und formuliert die Forschungsfrage zur sprachlichen Degradierung des Kreolischen.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen: Definiert zentrale linguistische Termini wie Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt sowie Di-, Tri- und Polyglossie.
3. La Réunion – Ein ethnisches Mosaik: Beschreibt die heterogene Bevölkerungszusammensetzung und die daraus resultierende kreolische Lebensgemeinschaft auf der Insel.
4. Historischer Kontext: Erläutert die Entdeckung, Kolonialisierung und historische Entwicklung der Insel sowie die Rolle der Sklaverei.
5. Soziolinguistischer Kontext: Analysiert die Entwicklung des créole réunionnais und die aktuelle, von Französisch dominierte Sprachsituation.
6. Sprachliche Unsicherheit: Definiert das Konzept der sprachlichen Unsicherheit und untersucht die sprachpolitischen sowie sozialen Ursachen hierfür.
7. Sprachattitüden: Ergebnisse einer Umfrage bei Réuniones:innen: Präsentiert und interpretiert die empirische Online-Untersuchung zur Sprachwahl und Einstellung der Bevölkerung.
8. Fazit: Fasst die Kernergebnisse zusammen und reflektiert die Notwendigkeit einer Aufwertung des Kreolischen für das kulturelle Selbstverständnis.
Sprachliche Unsicherheit, La Réunion, créole réunionnais, Sprachattitüden, Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt, Diglossie, Identität, Soziolinguistik, Sprachpolitik, kulturelles Erbe, Fremdspracherwerb, Sprachwandel, Code-Switching, französische Überseegebiete.
Die Arbeit befasst sich mit der soziolinguistischen Situation auf der Insel La Réunion und insbesondere mit der Frage, welchen Stellenwert die kreolische Sprache im Alltag einnimmt und inwiefern Sprecher:innen aufgrund der Vormachtstellung des Französischen eine sprachliche Unsicherheit erleben.
Zu den zentralen Themen gehören Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt, die historische Entwicklung der Insel, das soziolinguistische Konzept der Diglossie sowie eine empirische Umfrage zu Einstellungen gegenüber der kreolischen Sprache.
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob und inwiefern die kreolsprechende Bevölkerung La Réunions aufgrund der offiziellen Degradierung ihrer Sprache Opfer eines Gefühls sprachlicher Unsicherheit ist.
Die Autorin verwendete eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Ansätzen (Mixed Methods), konkret eine Online-Umfrage, um Daten über das Sprachverhalten und die Einstellungen einer Proband:innengruppe zu sammeln.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine historische und soziolinguistische Kontextualisierung sowie die Auswertung und Interpretation der empirischen Umfrageergebnisse.
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Sprachliche Unsicherheit, La Réunion, créole réunionnais, Sprachattitüden, Mehrsprachigkeit, Identität und Sprachkontakt.
Sie gilt als Ursache für die Vormachtstellung des Französischen im öffentlichen und formellen Bereich, was das Kreolische systematisch in den häuslichen Raum verdrängt und somit zur sprachlichen Verunsicherung der Bewohner beiträgt.
Während Französisch in Schule, Beruf und Behörden als dominierende Sprache wahrgenommen wird, dient Kreolisch primär als Identitätssprache im privaten Kreis mit Familie und Freunden.
Die Umfrage zeigt ein ambivalentes Bild: Einerseits fühlen sich viele Befragte im Französischen "wohler" (aufgrund mangelnder formaler Übung im Kreolischen), andererseits identifizieren sie sich emotional stärker mit dem créole réunionnais als Zeichen ihrer kulturellen Herkunft.
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