Bachelorarbeit, 2022
52 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Das Stigma-Konzept nach Erving Goffman
3.1 Definition und Begriffserklärung
3.2 Zur Entstehung eines Stigmas
3.3 Das Stigma-Management und seine Folgen
4. Wohnungslosigkeit in Deutschland
4.1 Die Lebenssituation wohnungsloser Menschen in Deutschland
4.2 Ursachen und Faktoren der Wohnungslosigkeit
4.2.1 Ursachen auf der strukturellen Ebene
4.2.1 Ursachen auf der individuellen Ebene
5. Hilfsansätze der Wohnungslosenarbeit
5.1 Hilfseinrichtungen und das Stufensystem
5.2 Kritik am tradierten Hilfssystem
5.3 Housing First als neuer Ansatz der Wohnungslosenhilfe
6. Die Stigmatisierung wohnungsloser Menschen
6.1 Vorurteile und soziale Ausgrenzung
6.2 Räumliche Ausgrenzung und Vertreibung
6.3 Gewalt und Hasskriminalität gegenüber Wohnungslosen
7. Housing First als innovativer Lösungsansatz zur Überwindung der Stigmatisierung?
8. Fazit und Ausblick
Die Bachelorarbeit untersucht, welche Rolle der konzeptionelle Ansatz "Housing First" bei der Überwindung der tiefgreifenden Stigmatisierung wohnungsloser Menschen in Deutschland spielt und ob er als innovativer Lösungsansatz fungieren kann.
1. Einleitung
„In Deutschland muss doch niemand obdachlos sein”. Annahmen, wie diese sind weit verbreitet und implizieren, dass auf der Straße lebende Menschen zwangsläufig selbst die Schuld für ihre Situation tragen. Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung glaubt, die Situation Wohnungsloser sei größtenteils “selbst verschuldet” (Geißler 2014: 243). Die Stigmatisierung wohnungsloser Menschen zieht sich durch alle Lebensbereiche: Angefangen bei Vorurteilen und Ignoranz gegenüber wohnungslosen Menschen im Alltag bis hin zu Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen in behördlichen Einrichtungen. In der Konsequenz sorgen diese Mechanismen für eine Abwertung Wohnungsloser in der Gesellschaft, die sich letztlich in der Hasskriminalität und Gewalt gegenüber ihnen äußert.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (kurz: BAG W), eine Arbeitsgemeinschaft aus privatem sowie öffentlichem Sektor, schätzt die Jahresgesamtzahl aller wohnungslosen Menschen in Deutschland auf etwa 417.000 (vgl. BAG W 2021). Die Zahl der wohnungslosen Menschen im „Wohnungslosensektor” (ebd.), die Schätzung, in der geflüchtete Menschen nicht mit inbegriffen sind, hat sich im Zeitverlauf von 2018 bis 2020 sogar um 8 % erhöht (vgl. ebd.). Mit dem zunehmenden Andrang auf Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe verliert die Prämisse, Wohnungslosigkeit sei eine nicht beeinflussbare Gegebenheit, an Legitimität. Unter anderem deshalb starteten in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Ländern weltweit Projekte eines Ansatzes namens Housing First. So auch Housing First Berlin, welches im Oktober 2018 mit zwei Modellprojekten an den Start ging. Der Ansatz nutzt – Berichten zufolge – einen gänzlich neuen Ausgangspunkt zur Verringerung von Wohnungslosigkeit, der sich stark von dem der herkömmlichen Wohnungslosenarbeit unterscheidet. Die Basis aller Bemühungen, Betroffenen ein neues Leben in sicheren Wohnverhältnissen zu ermöglichen, stellt eine dauerhafte Wohnung für Teilnehmende dar, die an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Der Ansatz verspricht, die Individualität der einzelnen Schicksale wohnungsloser Menschen stärker zu berücksichtigen und somit eine innovative Methode zur Überwindung der Wohnungslosigkeit zu schaffen (vgl. Lippert 2014: 56).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Verbreitung gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber Wohnungslosen und führt in das Konzept "Housing First" als möglichen innovativen Lösungsansatz ein.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Wohnungslosigkeit und gibt einen Überblick über die aktuelle Studienlage und politische Relevanz des Themas in Deutschland.
3. Das Stigma-Konzept nach Erving Goffman: Es werden die theoretischen Grundlagen des Stigma-Begriffs erläutert, insbesondere wie Identität beschädigt wird und durch Stigma-Management beeinflusst werden kann.
4. Wohnungslosigkeit in Deutschland: Es folgt eine Datenanalyse der Lebenssituation Wohnungsloser sowie eine Unterscheidung zwischen strukturellen und individuellen Ursachen der Wohnungslosigkeit.
5. Hilfsansätze der Wohnungslosenarbeit: Dieses Kapitel kritisiert das traditionelle Stufensystem der deutschen Wohnungslosenhilfe und stellt "Housing First" als alternative, bedürfnisorientierte Methode vor.
6. Die Stigmatisierung wohnungsloser Menschen: Die theoretischen Ansätze von Goffman werden hier konkret auf die Stigmatisierung in Alltag, Wohnungsmarkt und öffentlichem Raum angewendet.
7. Housing First als innovativer Lösungsansatz zur Überwindung der Stigmatisierung?: Es wird kritisch diskutiert, ob Housing First tatsächlich Vorurteile abbauen kann oder ob es Grenzen bei der komplexen gesellschaftlichen Entstigmatisierung gibt.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Kernergebnisse und kritische Reflexion der Vorgehensweise, verbunden mit der Notwendigkeit, gesellschaftliche Prozesse der Inklusion nachhaltig zu fördern.
Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit, Stigmatisierung, Housing First, Erving Goffman, soziale Ausgrenzung, Hilfssysteme, Stufensystem, bedürfnisorientierte Hilfe, Diskriminierung, Armut, Wohnungspolitik, Sozialarbeit, Inklusion, Identität.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Stigmatisierung wohnungsloser Menschen und untersucht, ob der innovative Ansatz "Housing First" geeignet ist, diese Diskriminierung und Ausgrenzung abzubauen.
Die zentralen Themen sind das Stigma-Konzept nach Erving Goffman, die strukturellen und individuellen Ursachen von Wohnungslosigkeit sowie der Vergleich zwischen traditionellen Hilfesystemen und dem Housing-First-Ansatz.
Die übergeordnete Frage lautet, welche Rolle der konzeptionelle Ansatz "Housing First" in Bezug auf die Stigmatisierung wohnungsloser Menschen spielt und ob er als effektives Instrument zur Überwindung dieser Prozesse dienen kann.
Es handelt sich um eine theoretische Bachelorarbeit, die durch eine Analyse von Fachliteratur sowie die Auswertung von Evaluationen zum Projekt "Housing First Berlin" fundierte Erkenntnisse gewinnt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch das Goffman-Stigma-Modell, eine Bestandsaufnahme der Wohnungslosigkeit in Deutschland, die Kritik am bestehenden Stufensystem und die spezifische Evaluation des Housing-First-Ansatzes.
Wohnungslosigkeit, Stigmatisierung, Housing First, soziale Ausgrenzung, Identität, Hilfesysteme und Inklusion sind die tragenden Begriffe der Untersuchung.
Die Kritik beruht darauf, dass das Stufensystem oft bedürfnisfern agiert, starre Zugangsvoraussetzungen schafft und individuell notwendige Hilfen an Bedingungen knüpft, was zur erneuten Marginalisierung der Betroffenen führen kann.
Psychische Erkrankungen oder Suchtproblematiken fungieren häufig als Auslöser für Wohnungslosigkeit, stellen jedoch gleichzeitig ein erhebliches Hindernis für die Integration in traditionelle Hilfseinrichtungen dar, was den Bedarf für niedrigschwellige Ansätze wie Housing First erhöht.
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