Bachelorarbeit, 2022
94 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Stereotyp in Abgrenzung zum Archetyp
2.1 Noble Savage
2.2 White Saviour
3. „Winnetou – Der Mythos lebt“
3.1 Die Romanvorlage und die Neuverfilmung
3.2 Noble Savage und White Saviour – Konzeption von Winnetou und Old Shatterhand in der Neuverfilmung
4. Disneys „Pocahontas“
4.1 Die Legende und die Disney-Variante
4.2 Noble Savage und White Saviour – Konzeption von Pocahontas und John Smith
5. James Camerons „Avatar“
5.1 Entstehungsgeschichte und Einflüsse
5.2 Noble Savage und White Saviour – Konzeption von Neytiri und Jake Sully
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den betrachteten Werken
7. Mögliche Gründe für das Festhalten an den Darstellungsweisen
8. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie die Stereotypen des Noble Savage und des White Saviour in populären Medien wie Literatur und Film konstruiert werden und welche mediale sowie kulturwissenschaftliche Funktion ihnen zugeschrieben wird. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit diese Figurenschablonen völkerübergreifende Beziehungen trotz kolonialistischer Machtdynamiken romantisieren und auf welche Weise sie das Verständnis der Rezipierenden für indigene Kulturen sowie deren Geschichte beeinflussen.
Stereotyp in Abgrenzung zum Archetyp
Stereotypen dienen in nicht eindeutigen Situationen dazu, diese zu interpretieren und sich zu orientieren. Diese Interpretation einer nicht objektiv wahrgenommenen Realität ermöglicht einerseits die vereinfachte Wahrnehmung komplexer Zusammenhänge und erfüllt andererseits Erwartungen an die eigene oder eine fremde Gruppierung. Damit erfüllen Stereotypen eine gesellschaftliche Funktion, da sie in der Lage sind, richtungsweisenden Einfluss auf die Mitglieder einer Gesellschaft zu nehmen. Entsprechend dienen sie sowohl „[…] den Akteuren einer Gesellschaft, bestimmte Personen und Personengruppen in diesen Strukturen sozial zu ‚verorten‘[…]“, was zur Bildung einer hierarchischen Gesellschaftsordnung beitragen kann, als auch der Abgrenzung gegenüber Nichtmitgliedern dieser Gesellschaft. Dabei kommt es häufig zu negativen Wertzuweisungen.
Die Prozesse der Einordnung in soziale Kategorien, der Schematisierung, Dichotomisierung und Generalisierung bei der Stereotypisierung sind nach Hort charakteristisch für die menschliche Natur, die kaum zu verhindern seien. Stereotype und auch Vorurteile sind als sozial standardisierte Teile der jeweiligen gesellschaftlichen Ordnung zu verstehen, wobei stereotype Erwartungshaltungen und Normen als Wissen durch die gruppeneigene Sozialisation sowohl entworfen als auch geteilt und etabliert werden.
Davon ausgehend, dass auch Verhalten in der Gruppe Kommunikation ist, werden stereotypenfundierte Strukturen ständig und insbesondere auf sprachlicher Ebene reproduziert. Dabei spielen Medien eine entscheidende Rolle bei der Verteilung stereotypen Wissens, was auch zu propagandistischen, indoktrinierenden instrumentalisierenden Zwecken eingesetzt werden kann, wofür die nationalsozialistische Medienmanipulation im Dritten Reich ein Beispiel darstellt.
Stereotypen entstehen häufig durch das Aufeinandertreffen kultureller Gruppen, also in Situationen, die durch vermeintliche Konkurrenz und daraus resultierender Unsicherheit bzw. Furcht vor Verlust von Macht und/oder Ansehen gekennzeichnet sind. Die Folge sind sich festsetzende Vorurteile und unter Umständen sogar sich verbreitende Falschaussagen; beides kann die Grundlage für starke Überzeugungen bilden und infolgedessen auch als Rechtfertigung für resultierende Verhaltensweisen wie Ausgrenzung, Rassismus und Gewalt dienen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der kulturellen Stereotypen in Film und Literatur ein und verweist auf die Relevanz des Motivs „Ich sehe dich“ als kulturelles Symbol.
2. Stereotyp in Abgrenzung zum Archetyp: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen und differenziert zwischen dem festgefahrenen, oft diskriminierenden Stereotyp und dem universellen, psychologisch fundierten Archetyp.
3. „Winnetou – Der Mythos lebt“: Das Kapitel vergleicht die Romanvorlagen Karl Mays kritisch mit der Neuverfilmung von 2016 und analysiert das Bild von Winnetou und Old Shatterhand.
4. Disneys „Pocahontas“: Hier wird die historische Realität der Pocahontas-Legende der romantisierten Disney-Interpretation gegenübergestellt und der White Saviour-Komplex untersucht.
5. James Camerons „Avatar“: Das Kapitel beleuchtet, wie der Film Science-Fiction-Elemente nutzt, um koloniale Narrative sowie ökologische und politische Konflikte im Kontext des Noble Savage-Stereotyps darzustellen.
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den betrachteten Werken: Die Analyse führt die Narrative der drei untersuchten Filme vergleichend zusammen und arbeitet wiederkehrende Muster der Heldenreise heraus.
7. Mögliche Gründe für das Festhalten an den Darstellungsweisen: Dieses Kapitel erörtert, warum trotz historischer Kritik und Fortschritt das Medium Film weiterhin auf stereotyper Bildsprache basiert.
8. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und plädiert für die Überwindung dieser Stereotypen durch indigene Identität und eigene Erzählstimmen.
Stereotyp, Archetyp, Noble Savage, White Saviour, Kulturbegegnung, Völkerverständigung, Kolonialismuskritik, Native American, Narrativ, Identität, Exotisierung, Medienanalyse, Fremdbild, Indigenität, Hollywood
Die Arbeit untersucht, wie bekannte Stereotypen der Native Americans in verschiedenen Unterhaltungsmedien konstruiert und reproduziert werden, insbesondere im Kontext von „Winnetou“, „Pocahontas“ und „Avatar“.
Die Autorin analysiert kritisch die Rollenbilder des „Noble Savage“ (des edlen Wilden) und des „White Saviour“ (des weißen Retters), die in diesen Erzählungen eine zentrale Rolle spielen.
Ziel ist es zu ergründen, welche mediale und kulturwissenschaftliche Funktion diese Stereotypen haben und wieso sie trotz kolonialkritischer Ansätze weiterhin als Basis für erfolgreiche Narrativ-Konstruktionen dienen.
Es handelt sich um eine medien- und literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Filme und Texte auf ihre inhaltliche Struktur, Figurenkonzeption und deren sozio-kulturelle Kontexte untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Werk-Analysen, die jeweils die Entstehungsgeschichte, Konzeption der Akteure und die Wirksamkeit der Stereotypen in der jeweiligen Produktion gegenüberstellen.
Die genannten Schlüsselwörter wie Stereotypisierung, Kolonialismuskritik und Identität unterstreichen den interdisziplinären Ansatz, der soziale und mediale Aspekte der Darstellung indigener Völker verknüpft.
Die Arbeit kritisiert, dass der Anspruch auf Authentizität in der Neuverfilmung von 2016 widersprüchlich bleibt, da sie stark auf veralteten europäischen Vorstellungen fußt und nicht auf realen indigenen Perspektiven.
Besonders kritisch wird gesehen, dass der Film historische Fakten zugunsten einer kolonialen Gründungssage instrumentalisiert und die Identität der realen Pocahontas zu einer fiktiven Figur zur kulturellen Vermittlung stilisiert.
Die Autorin folgert, dass erst durch die Einbindung indigener Stimmen und das Leeren des „Gefäßes“ tradierter rassistischer Stereotypen eine echte, respektvolle Auseinandersetzung mit anderen Kulturen gelingen kann.
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