Magisterarbeit, 2008
125 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung: Beziehung zwischen Wahlsystem und Parteiensystem
2. Theorie: Wahlsysteme und Parteiensysteme
2.1. Wahlsysteme und Parteiensysteme: Definition
2.1.1. Parteiensystem
2.1.2. Wahlsystem
2.2. Der Einfluss von Wahlsystemen auf Parteiensysteme
2.2.1. Wirkungsrichtung von Wahlsystemen
2.2.1.1. Normativer Ansatz
2.2.1.2. Empirisch-statistischer Ansatz
2.2.1.3. Historisch-empirischer Ansatz
2.2.2. Bewertung der Auswirkungen von Wahlsystemen
2.2.3. Bedeutung von Wahlsystemen
2.3. Wahlsystemgenese
2.4. Einfluss von Kontextfaktoren auf die Wirkungsweise von Wahlsystemen
3. Geschichte des Wahl -und Parteiensystems in Italien bis 1993
3.1. Gesellschaftliche Konfliktlinien und Parteienstruktur
3.2. Parteiensystem: Elemente, Entwicklungsphasen, Eigenschaften
3.3. Zusammenbruch des Wahl- und Parteiensystems: Faktoren
4. Mehrheitswahlsystem und Parteiensystem (1993-2005)
4.1. Die Wahlsystemreform von 1993
4.1.1. Intention und Genese der Reform
4.1.2. Das Wahlrecht für Abgeordnetenhaus und Senat
4.2. Italiens Parteiensystems zwischen 1993 und 2005
4.2.1. Parteiensystem der ersten Ebene: die Koalitionen
4.2.1.1. Koalitionsstrukturen 1993-1994
4.2.1.2. Koalitionsstrukturen 1995-1998
4.2.1.3. Koalitionsstrukturen 1998-2005
4.2.2. Parteiensystem der zweiten Ebene: die Parteien
4.3. Zwischenfazit: Begrenzte Effekte des Wahlsystems
5. Einflussfaktoren auf die Wirkung des Wahlsystems
5.1. Gesellschaftliche Struktur
5.1.1. Politische Kultur
5.1.2. Zahl und Tiefe der Konfliktlinien
5.1.2.1. Katholizismus
5.1.2.2. Neue Konfliktstrukturen
5.2. Parteiensystem
5.2.1. Fragmentierungsgrad
5.2.2. Interaktionsmuster der Parteien
5.2.3. Institutionalisierungsgrad des Parteiensystems
5.3 Wählerschaft und Wählerverhalten
5.3.1. Regionale Streuung der Wählerschaft
5.3.2. Wählerverhalten
6. Fazit: Mehrheitswahl ohne Mehrheitskultur
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Wahlsystemreform von 1993 auf das Parteiensystem in Italien und analysiert, warum die Reform nicht die erhoffte Stabilität und Vereinfachung des Parteiensystems bewirken konnte. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Kontextfaktoren die Wirkungsweise des Mehrheitswahlsystems in Italien beeinflusst haben.
2.2.1. Wirkungsrichtung von Wahlsystemen
Für den Erkenntnisgewinn dieser Arbeit ist es von großer Bedeutung herauszufinden, welche Wirkung Wahlsystemen in Richtung des Parteiensystems im Allgemeinen zugeschrieben wird. Doch hier liegt schon das erste Problem, denn „über die politischen Auswirkungen von Wahlsystemen bestehen weit mehr Annahmen als wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse.“ Dieser Einschätzung zufolge, stehen viele Thesen im Bereich der Wahlsystemforschung auf tönernen Füßen, doch gleichzeitig wird bestätigt, dass es sehr wohl auch einen wissenschaftlich fundierten Erkenntnisstand gibt. So ist es eigentlich unbestritten, dass sich die Differenz der Kräfteverhältnisse der Parteien außerhalb und innerhalb des Parlaments ohne weiteres auf das Wahlsystem zurückführen lässt. Das Wahlsystem ist in diesem Fall eindeutig als direkte Ursache auszumachen, dessen unmittelbarer und mechanischer Effekt es ist, konzentrierend auf das Parteiensystem zu wirken. Das liegt auch daran, weil Wahlsysteme – egal welchen Typs – dazu tendieren, große Parteien zu bevorzugen und kleine Parteien zu benachteiligen. Sie reduzieren also die Zahl der Parteien im Übergang vom außerparlamentarischen in das innerparlamentarische System. Trotz einer solchen Reduktionsleistung kann Wahlsystemen jedoch nicht zugesprochen werden, eine genau Zahl von Parteien zu bewirken, zumindest nicht unmittelbar. Indirekt können von Wahlsystemen hingegen schon Effekte ausgehen, die bestimmte Verhaltensweisen bei den politischen Akteuren und den Wählern auslösen, und darüber das Parteiensystem tangieren. Diese psychologischen Effekte sind allerdings schwer nachzuweisen. Als gesicherte Erkenntnis bleibt lediglich festzuhalten, dass alle Wahlsysteme die Zahl von relevanten Parteien unmittelbar reduzieren, und dass Wahlsysteme psychologische Effekte auf die politischen Eliten und das Wahlvolk ausüben können und darüber auch Einfluss auf die Zahl der Parteien nehmen können.
1. Einführung: Beziehung zwischen Wahlsystem und Parteiensystem: Einleitung in die Problematik des italienischen Systems und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit unter Einbeziehung von Kontextvariablen.
2. Theorie: Wahlsysteme und Parteiensysteme: Theoretische Grundlegung und Definition der zentralen Begriffe sowie Diskussion der Ansätze zur Wirkungsanalyse von Wahlsystemen.
3. Geschichte des Wahl -und Parteiensystems in Italien bis 1993: Historischer Rückblick auf die Erste Republik und die Faktoren, die zum Zusammenbruch des alten Systems führten.
4. Mehrheitswahl und Parteiensystem (1993-2005): Analyse der Reform von 1993 und ihrer realen Auswirkungen auf das Parteiensystem und die Koalitionsstrukturen.
5. Einflussfaktoren auf die Wirkung des Wahlsystems: Detaillierte Untersuchung von Kontextfaktoren wie gesellschaftliche Struktur, Parteieninteraktionen und Wählerverhalten auf die Wirkung des Wahlsystems.
6. Fazit: Mehrheitswahl ohne Mehrheitskultur: Zusammenfassende Bewertung der begrenzten Effekte der Reform und kritische Reflexion des Scheiterns der ursprünglichen Zielvorstellungen.
Italien, Wahlsystemreform, Parteiensystem, Mehrheitswahl, Verhältniswahl, Kontextfaktoren, Erste Republik, Bipolarität, Wahlbündnisse, Regierungsstabilität, politische Kultur, Wählerverhalten, Fragmentierung, Klientelismus, Transition.
Die Arbeit analysiert das politische System Italiens, insbesondere die Auswirkungen der Wahlsystemreform von 1993 auf das Parteiensystem und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen.
Zentrale Themen sind die Theorie der Wahlsystemforschung, die historische Entwicklung des italienischen Wahl- und Parteiensystems sowie die Analyse von Kontextfaktoren, die die Wirkung des Wahlsystems beeinflussen.
Die Arbeit untersucht, warum die Wahlsystemreform nicht alle ihre intendierten Ziele erreichen konnte und welche Kontextfaktoren (wie gesellschaftliche Struktur oder Wählerverhalten) die Wirksamkeit des Mehrheitswahlsystems limitierten.
Es wird ein historisch-empirischer Ansatz der Wahlsystemforschung gewählt, der sich auf eine Einzelfallstudie des italienischen Wahlsystems nach 1993 bei gleichzeitiger Analyse des soziopolitischen Kontextes konzentriert.
Im Hauptteil werden die historische Ausgangslage (Erste Republik), die konkrete Reform von 1993 sowie die nachfolgenden Entwicklungen und die Wirksamkeit der Kontextfaktoren auf das Parteiensystem analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wahlsystemreform, Parteienfragmentierung, Bipolarität, Kontextfaktoren, Wahlbündnisse und Regierungsinstabilität charakterisiert.
Das System war durch eine dauerhafte faktische Suspendierung des Parteienwettbewerbs gekennzeichnet, bei der ein Machtwechsel durch den Ausschluss der Kommunisten unmöglich war und politische Entscheidungen in einem "bipartismo imperfetto" blockiert wurden.
Die "Correnti" waren Faktionen innerhalb der Parteien, die als Instrumente zur Machtmaximierung der Factionsführer dienten, zu Klientelismus führten und das Parteiensystem in seiner Dynamik blockierten.
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