Diplomarbeit, 2005
128 Seiten, Note: 1,4
1 Einleitung
1.1 Gegenstand und Motivation
1.2 Struktur der Arbeit
2 Geistige Behinderung
2.1 Begriff
2.2 Schwierigkeiten einer Definition
2.2.1 Medizinisch-biologischer Ansatz
2.2.1.1 Pränatal entstandene Formen
2.2.1.2 Perinatal entstandene Formen
2.2.1.3 Postnatal entstandene Formen
2.2.2 Psychologischer Ansatz
2.2.3 Soziologischer Ansatz
2.2.4 Pädagogischer Ansatz
2.3 Veränderte Sichtweisen
2.4 Kritik am Begriff »geistige Behinderung«
2.5 Zusammenfassung
3 Das Wohnen
3.1 Definition
3.2 Die psychologische Bedeutsamkeit des Wohnens
3.2.1 Lebensqualität durch Wohnqualität
3.2.1.1 Gestaltung des Wohnraums
3.2.1.2 Wohnzufriedenheit
3.2.1.3 Ortsidentität - Heimat
3.3 Wohnen und geistige Behinderung
3.3.1 Historie der Unterbringung und des Wohnens von Menschen mit geistiger Behinderung in der Neuzeit
3.3.1.1 Von der Zeit der Anstaltsgründungen im 19. Jahrhundert bis 1945
3.3.1.2 Wohnformen nach 1945
3.3.2 Gegenwärtige Wohnformen für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung
3.3.2.1 Geschlossene Wohnformen
3.3.2.2 Offene Wohnformen
3.3.2.4 Situation, Zahlen und Verteilung
3.4 Zusammenfassung
4 Das Normalisierungsprinzip
4.1 Geschichte der Umsetzung verschiedener Denkmodelle über geistige Behinderung
4.1.1 Ideologie der Nationalsozialisten: 1933 - 1945
4.1.2 Nachkriegszeit bis 1960er Jahre: Leitidee der Verwahrung
4.1.3 1960er bis Mitte 1990er Jahre: Leitidee der Förderung und beginnender Normalisierung
4.1.4 Anfang 1990er Jahre: Leitidee der Selbstbestimmung
4.2 Entstehung des Normalisierungsprinzips
4.2.1 Die Anfänge des Normalisierungsprinzips
4.2.2 Der Normalisierungsgedanke bei BANK-MIKKELSEN
4.2.3 Der Normalisierungsgedanke bei NIRJE
4.3 Strukturierung durch WOLFENSBERGER
4.4 Rezeption des Normalisierungsprinzips in Deutschland
4.5 Zusammenfassung
5 Das Paradigma der Selbstbestimmung
5.1 Das Verständnis von Selbstbestimmung
5.2 Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung
5.2.1 Die Anfänge der Selbstbestimmung
5.2.1.1 Die Independent-Living-Bewegung
5.2.1.2 Self-Advocacy-Bewegung
5.2.2 Konzepte zur Rolle des Helfenden
5.2.2.1 Empowerment
5.2.2.2 Das Assistenzkonzept
5.3 Zusammenfassung
6 Normalisierte Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung?
6.1 Formen der Unterbringung und des Wohnens unter dem Normalisierungsaspekt
6.1.1 Psychiatrische Einrichtungen
6.1.2 Anstalten
6.1.3 Familie
6.1.4 Ambulant betreutes Wohnen
6.2 Gruppengegliedertes Wohnen im Wohnhaus: Eine Beobachtungsstudie
6.3 Zusammenfassung
7 Interpretation und Reflexion der Ergebnisse
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wohnsituation erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung vor dem Hintergrund der beiden Leitkonzepte des Normalisierungsprinzips und der Selbstbestimmung. Ziel ist es, die Qualität bestehender Wohnformen kritisch zu bewerten und der Frage nachzugehen, inwieweit diese den Menschen eine selbstbestimmte Lebensführung und Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen.
Die psychologische Bedeutsamkeit des Wohnens
Mit Wohnen im oben beschriebenen Sinne eng verbunden ist das Grundbedürfnis des Menschen, einen „ruhenden und ordnenden Eigenbereich“ zu haben. Dieser Ort bietet Sicherheit und Vertrautheit, ein hohes Maß an Selbstbestimmung und die Möglichkeit, ihn und das Leben darin nach eigenen Maßstäben zu gestalten. Man kann sich in ihn zurückziehen, zur Ruhe kommen und ihn als Abwechslung oder Kompensation zu anderen Lebensbereichen erfahren. Der Wohnbereich wird zum Ort autonomen Verfügenkönnens, zum Raum für Selbstentfaltung und zum Symbol für eigene Identität. Dies scheint besonders wichtig, da diese Selbstentfaltung in anderen Bereichen wie dem der Arbeit oder des gesellschaftlichen Lebens durch Normen recht begrenzt ist.
Ähnliches läßt sich bei THESING nachlesen. Demnach wird Raum aktiv angenommen, also durch Bearbeiten geschaffen. Der Raum bedeutet dadurch für den Menschen Anforderung und Tätigsein.
Der Wohnbereich kann die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Personen in hohem Maße beeinflussen. In dem Zusammenhang spielen verschiedene Faktoren und Prozesse eine Rolle, welche die Wohnqualität bestimmen. Entscheidend dabei sind nicht allein objektive Kriterien, sondern ist primär die Art und Weise, wie die Wohnumwelt vom einzelnen Bewohner wahrgenommen wird und dem von außen entsprochen werden kann.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Versorgungslage erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland und legt das Motiv sowie die Struktur der Untersuchung dar.
2 Geistige Behinderung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der geistigen Behinderung aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und kritisiert die stigmatisierende Wirkung des Begriffs.
3 Das Wohnen: Es wird die psychologische Bedeutung des Wohnens für das menschliche Wohlbefinden definiert und die historische Entwicklung der Unterbringung von Menschen mit geistiger Behinderung bis zur Gegenwart nachgezeichnet.
4 Das Normalisierungsprinzip: Das Kapitel behandelt die Entstehung und Entwicklung des Normalisierungsgedankens als zentrales Paradigma der Behindertenpädagogik und seine Rezeption in Deutschland.
5 Das Paradigma der Selbstbestimmung: Hier wird der Leitgedanke der Selbstbestimmung als Ergänzung zum Normalisierungsprinzip eingeführt und Konzepte wie Empowerment und Assistenz zur Veränderung der Rolle des Helfenden vorgestellt.
6 Normalisierte Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung?: Dieses Kapitel bewertet verschiedene Wohnformen unter den Aspekten von Normalisierung und Selbstbestimmung, inklusive einer eigenen Beobachtungsstudie zu gruppengegliedertem Wohnen.
7 Interpretation und Reflexion der Ergebnisse: Die gewonnenen Erkenntnisse über die Wohnformen werden reflektiert und kritisch in den Kontext der Realisierung von Normalisierung und Selbstbestimmung gestellt.
8 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, den Prozeß der Enthospitalisierung und den Ausbau gemeindenaher Wohnformen weiter voranzutreiben.
Normalisierungsprinzip, Selbstbestimmung, geistige Behinderung, Wohnformen, Lebensqualität, Integration, Empowerment, Assistenzkonzept, Behindertenhilfe, stationäre Einrichtungen, ambulant betreutes Wohnen, Fremdbestimmung, soziale Abhängigkeit, Erwachsensein.
Die Arbeit untersucht die Wohnsituation erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung und analysiert, inwiefern aktuelle Wohnformen den Anforderungen einer selbstbestimmten Lebensführung und Inklusion entsprechen.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Normalisierungsprinzips und des Konzepts der Selbstbestimmung sowie deren praktische Umsetzung in unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsmodellen.
Das primäre Ziel ist es, die Lebensbedingungen in verschiedenen Wohnformen kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, ob diese den Rechten behinderter Menschen auf Souveränität und Teilhabe gerecht werden.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse zur historischen und theoretischen Einordnung der Thematik beinhaltet die Arbeit eine eigene empirische Beobachtungsstudie zu gruppengegliederten Wohnformen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion über Behinderung und Wohnen, die Analyse der Leitbilder Normalisierung und Selbstbestimmung sowie die konkrete Untersuchung und Bewertung verschiedener Wohnkonzepte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Normalisierung, Selbstbestimmung, geistige Behinderung, Empowerment und Enthospitalisierung charakterisiert.
Durch die Integration einer eigenen Beobachtungsstudie (Kapitel 6) bezieht die Arbeit die Lebensrealität von Bewohnern in Wohnhäusern der Lebenshilfe aktiv mit ein und reflektiert diese direkt an den theoretischen Leitbildern.
Trotz zahlreicher Reformen besteht laut Autorin weiterhin ein Mangel an angemessenen Wohnplätzen und eine Tendenz zur institutionellen Fremdbestimmung, weshalb die Forderung nach echter Inklusion aktuell bleibt.
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