Diplomarbeit, 1999
147 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Feministische Theorie
2.1 Gleichheit oder Differenz der Geschlechter?
2.2 Feministische Standpunkttheorien
2.3 Theoretische Ansätze als Grundlage für den Dekonstruktivismus
2.3.1 Konstruktivismus
2.3.2 Diskurstheorie
2.4 Feministischer Dekonstruktivismus
3 Dekonstruktivismus und Angst-Räume
4 Raum und Geschlecht
4.1 Angst-Räume - Raumbezogene Kriterien und Voraussetzungen
4.2 Tatsächliches und empfundenes Kriminalitätsrisiko
4.3 Sexuelle Gewalt an Frauen - ein Strukturmerkmal patriarchaler Gesellschaften
4.4 Sport und geschlechtsspezifische Raumzuweisung
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Entscheidung für einen qualitativen Ansatz
5.2 Auswahl der Gesprächspartnerinnen
5.3 Methoden und Ablauf der Datenerhebung
5.4 Vorgehensweise bei der Auswertung
6 Darstellung der empirischen Ergebnisse
6.1 Beschreibung der Gesprächspartnerinnen
6.2 Angst im öffentlichen Raum
6.2.1 Formen und Ausprägungen von Angst
6.2.2 Angst-Räume als "Ersatz-Arena"?
6.2.3 Dunkelheit als zentraler Angstauslöser
6.2.4 Soziales Umfeld und Medien
6.2.5 Motivation zur Angstüberwindung
6.2.6 Vertrautheit des Raumes
6.2.7 Wehrhaftigkeit
6.2.8 Bewältigungsstrategien
6.3 Raumaneignung und (körperliches) Empowerment
6.4 Geschlechterverhältnis
6.4.1 Weiblichkeitszwang
6.4.2 Akzeptanz-/Toleranzgrenze von Übergriffigkeiten
6.4.3 Verharren in traditionellen Geschlechterstereotypen
7 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse
8 Schlussbetrachtung
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die sozialen Hintergründe und gesellschaftlichen Zusammenhänge von sogenannten "Angst-Räumen" zu dekonstruieren, anstatt diese lediglich als gegebene Bedrohungsszenarien für Frauen hinzunehmen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwieweit Frauen, die sich trotz gesellschaftlicher Normen in solchen Räumen bewegen, eigene Bewältigungsstrategien entwickeln, wie sich diese auf ihr Rollenverständnis auswirken und in welchem Maße sie sich dennoch innerhalb patriarchaler Denkstrukturen bewegen.
6.2.1 Formen und Ausprägungen von Angst
Bei den von mir befragten Frauen handelt es sich keineswegs um eine angstfreie Gruppe. Auch diese Frauen, die sich so konträr zur Mehrheit der Frauen in dieser Gesellschaft verhalten und aus deren Handlungsweisen man auf den ersten Blick auf Angstlosigkeit schließen könnte, kennen das Gefühl der Angst im öffentlichen Raum, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität.
Um diese konkreten Angstausformungen besser nachvollziehen und interpretieren zu können, ist ein zusätzlicher Blick auf die grundsätzliche Angstverfassung von Bedeutung, da nicht von einer Angst-Linearität ausgegangen werden kann, d. h. eine eventuell vorhandene, allgemeine Basis-Ängstlichkeit bedeutet nicht zwingend auch gesteigerte Angst im öffentlichen Raum.
Die Gesprächspartnerin Tamara stellt sich auf die Frage nach ihrem grundsätzlichen Angsttypus folgendermaßen dar: "Also, sagen wir mal, ich bin schon vorsichtig, aber mir macht das jetzt nix aus irgendwie in 'ner einsamen Straße durchzulaufen. Aber ich würd' dann, das klingt jetzt vielleicht blöd, ich würd' halt dann nicht mit 'nem Minirock durchlaufen. Ich mein', ich fühl' mich schon sicher, aber ich würd' auch nicht rausfordern irgendwie was. Also, ich würd' mich nicht als ängstlich bezeichnen, was aber nicht heißt, dass ich keine Angst hab'. Also, ich denk' nicht, dass ich ein ängstlicher Typ bin. Aber es gibt schon Situationen, wo ich dann schon Angst haben kann oder bekommen kann." (Tamara)
Wie zusätzlich zur Hälfte der Interviewpartnerinnen, reproduziert auch Tamara das Klischee der aufreizenden, eine Vergewaltigung provozierenden Kleidung und versucht durch Vermeidung dieses, in ihren Augen leichtsinnigen, Verhaltens eine Mitschuld abzuwenden und ihren Teil dazu beizutragen, um Übergriffe durch "übererregte" Männer nicht heraufzubeschwören (vgl. dazu Kap. 6.4.3). Diese "Vorsichtsmaßnahme" steigert ihr Sicherheitsempfinden und ermöglicht ihr geschlechtsspezifisch untypische Mobilitätsspielräume. Insgesamt spricht Tamara von einer relativ angstfreien Grundstimmung, aber auch von situativ möglicher Angst.
1 Einleitung: Erläutert die Ausgangslage, die Zielsetzung der Arbeit sowie den Aufbau der Untersuchung im Hinblick auf Angst-Räume.
2 Feministische Theorie: Bietet einen Überblick über feministische Theorieansätze, insbesondere den Dekonstruktivismus und die Diskurstheorie als Grundlage für die Arbeit.
3 Dekonstruktivismus und Angst-Räume: Veranschaulicht, warum Angst-Räume aus dekonstruktivistischer Perspektive betrachtet werden müssen.
4 Raum und Geschlecht: Analysiert den Forschungsstand zu den Themen Geschlecht, Angst, Raum und Gewalt.
5 Methodisches Vorgehen: Beschreibt die Entscheidung für einen qualitativen Forschungsansatz, die Auswahl der Interviewpartnerinnen und die Vorgehensweise bei der Auswertung.
6 Darstellung der empirischen Ergebnisse: Präsentiert die Analyse der Interviews mit den Joggerinnen, untergliedert in Angst-Dimensionen, Raumaneignung und das Geschlechterverhältnis.
7 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse: Führt die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die eingangs formulierten Fragestellungen.
8 Schlussbetrachtung: Gibt einen kurzen Ausblick und diskutiert weiterreichende Überlegungen zu Forschung, Wissenschaft und Politik.
Angst-Räume, öffentlicher Raum, Geschlechterverhältnis, Dekonstruktivismus, Feministische Geographie, Raumaneignung, sexuelle Gewalt, patriarchale Gesellschaft, Qualitative Sozialforschung, Sozialisation, Identitätszwang, Empowerment, Kriminalitätsfurcht, doing gender, Sicherheitsgefühl.
Die Arbeit untersucht das Phänomen von sogenannten "Angst-Räumen" im öffentlichen Raum und analysiert, wie diese als Ausdruck sozialer Konstruktionen des Geschlechterverhältnisses zu verstehen sind.
Die zentralen Felder umfassen die feministische Theorie, die soziale Konstruktion von Raum und Geschlecht, das Kriminalitätsrisiko und die gesellschaftliche Funktion von Angst.
Das Hauptziel ist es, die sozialen Hintergründe von Angst-Räumen zu entschlüsseln und zu untersuchen, wie Frauen, die sich über gesellschaftliche Normen hinwegsetzen, mit dieser Angst umgehen und welche Bewältigungsstrategien sie nutzen.
Die Arbeit stützt sich auf Methoden der qualitativen Sozialforschung, insbesondere auf leitfadengestützte, themenzentrierte Interviews mit Joggerinnen.
Der Hauptteil beinhaltet die theoretische Einbettung in den Dekonstruktivismus, eine Auseinandersetzung mit Raum- und Kriminalitätskonzepten sowie eine umfangreiche Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse aus den Interviews.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Angst-Räume, Geschlechterverhältnis, Raumaneignung, Empowerment, Dekonstruktivismus und Sozialisation.
Laut der Autorin dienen Medien als zentrale Diskursproduzenten, die durch selektive Berichterstattung Angstbilder verstärken und somit das Gefühl der Hilflosigkeit bei Frauen zementieren, anstatt die komplexen sozialen Hintergründe zu beleuchten.
Sportliche Betätigung dient den befragten Frauen häufig als Instrument zum Empowerment; sie fördert das Selbstvertrauen, den aktiven Bezug zum eigenen Körper und unterstützt so die Überwindung von gesellschaftlich auferlegten Angstgrenzen.
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